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Pflegedienst-Chef fand seine Berufung auf Umwegen

Der 34-jährige Martin Gutsche wollte nicht in die Fußstapfen seiner Mutter treten. Doch eine Krankheit veränderte alles.

Martin Gutsche ist Geschäftsführer im Pflegedienst Cathrin Gutsche, der auch eine Tagespflege im "Stadt Berlin" an der Ecke Hohe Straße und Pontestraße betreibt.
Martin Gutsche ist Geschäftsführer im Pflegedienst Cathrin Gutsche, der auch eine Tagespflege im "Stadt Berlin" an der Ecke Hohe Straße und Pontestraße betreibt. © André Schulze

Martin Gutsche ist Geschäftsführer beim Görlitzer Pflegedienst Gutsche und leitet dort die Tagespflege. Noch vor einigen Jahren sah es so aus, als ob das überhaupt nicht die Bestimmung für den 34-Jährigen sei. Doch alles kam anders.

Lebensweg änderte seine Richtung

Das Abitur machte der gebürtige Görlitzer am beruflichen Gymnasium für Technik in der Neißestadt und begann danach ein Studium im Maschinenwesen an der TU Dresden. Doch nach kurzer Zeit stellte er fest: Das ist nicht der richtige Lebensweg. Das Technische liege ihm doch nicht so, wie er zunächst geglaubt hatte. Martin Gutsche orientierte sich neu und absolvierte ein duales Studium in Betriebswirtschaftslehre. Praxispartner war das Handelsunternehmen Kaufland. Als Abteilungsleiter arbeitete Martin Gutsche eine Zeit lang in Zittau.

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Doch dann gab es in der Familie einen schweren Krankheitsfall, der den Pflegedienst Gutsche in Nöte brachte. Geleitet wurde er damals von Cathrin Gutsche-Hrdlika und Jörg Hrdlika. Martin Gutsche sprang ein und arbeitete im Familienunternehmen mit. Glücklicherweise wendete sich die Krankengeschichte nach zwei Jahren zum Guten. Doch da war Martin Gutsche schon ziemlich fest involviert ins Geschehen beim Pflegedienst. "Ich hatte bemerkt, was für ein sinnstiftender Job das eigentlich ist", erinnert sich der 34-Jährige. Seine Mutter und der Stiefvater freuten sich, dass er im Unternehmen bleiben wollte.

Martin Gutsche, Cathrin Gutsche-Hrdlika und Jörg Hrdlika (von links) leiten die Geschicke des Pflegedienstes Gutsche in Görlitz.
Martin Gutsche, Cathrin Gutsche-Hrdlika und Jörg Hrdlika (von links) leiten die Geschicke des Pflegedienstes Gutsche in Görlitz. © Nikolai Schmidt
Das ehemalige Hotel "Stadt Berlin" in der Hohe Straße/Ecke Pontestraße vor der Sanierung....
Das ehemalige Hotel "Stadt Berlin" in der Hohe Straße/Ecke Pontestraße vor der Sanierung.... © Ines Eifler
...und danach. Dieses Foto entstand Ende Januar dieses Jahres.
...und danach. Dieses Foto entstand Ende Januar dieses Jahres. © Rolf Ullmann

Keine halben Sachen

Martin Gutsche war aber für halbe Sachen nicht zu haben. "Zwar hatte ich schon von Kindheit an immer viel mitbekommen von der Arbeit meiner Mutter, aber von der Pflege selbst hatte ich keine Ahnung", erzählt er. So absolvierte er ab 2014 eine berufsbegleitende Ausbildung zum Altenpfleger an den Euro-Schulen in Görlitz. Für ihn war das ein großer Gewinn. "Ich erhielt tiefen Einblick in die praktische Seite der Altenpflege, nachdem ich sie bis dahin eher von der theoretischen Seite erlebt hatte", erläutert Gutsche.

Eine Herausforderung war der Umzug ins ehemalige Wirtshaus "Stadt Berlin" in der Hohe Straße/Ecke Pontestraße in Görlitz. "Wir strukturierten den Pflegedienst vor wenigen Jahren um, sortierten die Einsatzbereiche neu und ordneten manches besser. Für Mitarbeiter brachte das unter anderem kürzere Wege zu ihren Klienten und bessere Arbeitsorganisation", erklärt der Geschäftsführer. Gerade die Umstrukturierung und der hohe Bedarf an Pflegedienstleistungen in Görlitz brachten den Pflegedienst Gutsche in der Elisabethstraße räumlich an die Grenze. Ein befreundeter Immobilienmakler stellte Familie Gutsche ein Objekt vor: Das ehemalige Wirtshaus "Stadt Berlin", ein Liebhaberstück, wie sich bald herausstellen sollte.

Als Büro war es für Gutsches allerdings zu groß. Martin Gutsche und seine Eltern freundeten sich schnell damit an, das Geschäftsfeld zu erweitern. "Als ambulanter Pflegedienst sind wir bei unseren Klienten zu Gast. Aber wir könnten doch auch selbst ein guter Gastgeber sein und eine Tagespflege einrichten, dachten wir damals", erinnert sich Martin Gutsche. Im Februar dieses Jahres zog der ambulante Pflegedienst gemeinsam mit der Tagespflege als Generalmieter ins ehemalige Wirtshaus ein. Bis zu 18 Tagesgäste können täglich betreut werden, einige Plätze sind noch frei.

Erfahrungen sind ein großer Schatz

Martin Gutsche fühlt sich nun angekommen in seinem Leben. In viele Bereiche schnupperte er hinein, verdiente sich ein Taschengeld neben Schule und Studium im Pflegedienst der Mutter, jobbte im Gerüstbau, als Pizzaausfahrer und bei DHL. Dabei gewann er viele Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen. Von positiven und negativen Beispielen der Mitarbeiterführung kann er erzählen. Diese Erfahrungen nutzen ihm jetzt in seinem Beruf.

Martin Gutsche wurde als junger Chef während der Krankheitsvertretung von den Mitarbeitern "super aufgenommen und begleitet", erzählt er. Mit einem tollen Team sei es gelungen, gemeinsam am Ziel zu arbeiten. "Und das ist die optimale Versorgung unserer Klienten im Pflegedienst und unserer Gäste in der Tagespflege." Der Görlitzer fühlt sich wohl in seiner Arbeit, sie macht ihm Spaß. Er arbeitet gern mit seinen Kollegen zusammen, sagt von sich, er sei ein Teamplayer. 365 Tage im Jahr versorgen die Mitarbeiter die Patienten, setzen auch in schwierigen Zeiten wie jetzt Änderungen schnell um.

Angekommen in der Heimatstadt

Hier kann er seinen Beruf und die Familie - Frau und zwei kleine Söhne - gut unter einen Hut bekommen. Nachdem er eine Weile außerhalb von Görlitz lebte, fühlt er sich in Görlitz nun pudelwohl. Von der Wohnung bis zur Arbeit sind es nur zwei Minuten zu Fuß. Martin Gutsche schätzte es im letzten Jahr, mit dem Kinderwagen und seinem neugeborenen Sprössling in Görlitz seine Runden zu drehen. "Der Kleine machte die Nacht zum Tage, schlief jedoch recht gut im Kinderwagen", erzählt der zweifache Vater.

Auf seinen Touren entdeckte er immer wieder Neues in der Stadt, die für die ganze Familie Gutsche viele Vorteile bietet: schöne Infrastruktur, gute Kitas und Schulen in der Nähe, man kennt den Nachbarn, die Großeltern leben in der Stadt, es gibt schöne Grünanlagen und Spielplätze und außerhalb der Pandemie auch viele Kulturveranstaltungen. Und wenn Corona es zulässt, tanzt Martin Gutsche wieder regelmäßig mit seiner Frau in der Tanzschule Matzke.

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