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Kästnereiche stirbt: Ist das Natudenkmal noch zu retten?

Der Baum im Schöpstal bricht weiter auseinander. Warum das so ist und was Gemeinde, Heimatverein, Anwohner und Naturschutzbehörde dagegen tun.

Die Eiche in Girbigsdorf ist ein Naturdenkmal. Schilder warnen vor herabfallenden Ästen.
Die Eiche in Girbigsdorf ist ein Naturdenkmal. Schilder warnen vor herabfallenden Ästen. © Constanze Junghanß

„Herabfallende Äste! Betreten verboten“ steht auf den beiden Schildern. Eine hölzerne Absperrung ist rund um den uralten Riesenbaum aufgebaut, das Gras frisch abgehauen. Zwischen den Blättern flattern einige kleine Vögel. Absperrung und Schilder stehen schon länger. In der Vergangenheit musste die Girbigsdorfer Kästnereiche mehrfach gesichert werden.

„Die Eiche hat ihren Lebenszenit überschritten. Der natürliche Zerfall schreitet weiter voran. Irgendwann stirbt die Eiche komplett ab.“ Zu dieser Einschätzung kommt aktuell der Staatsbetrieb Sachsenforst, Forstbezirk Oberlausitz. Bedeutet das das endgültige Ende für den etwa 350 Jahre alten Baumriesen?

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Gemeinde hatte sich für den Baum eingesetzt

Das fast 30 Meter hohe Naturdenkmal wurde bereits 2019 zuletzt mit Spanngurten zwischen den Ästen gesichert, weil es auseinander zu brechen drohte. Die Gemeinde Schöpstal hatte sich ebenso wie Heimatverein, Anwohner und Naturschutzbehörde dafür eingesetzt, den Baum zu erhalten.

„Die in den vergangenen Jahren erfolgten Kronensicherungsmaßnahmen an der Kästnereiche brachten kurzfristig Erfolg“, sagt Frank Dietrich vom Forstbezirk Oberlausitz. Aber langfristig? Bei einer Kontrolle durch Sachsenforst wurde nun trotz aller bisherigen Maßnahmen „eine sich verstärkende Rissbildung am bodennahen Tiefzwiesel festgestellt, die nun bis zum Erdboden reicht“, erklärt der Fachmann. Ein Zwiesel ist die Gabelung bei Bäumen. Die Kästnereiche wächst sozusagen zweigeteilt aus einem dicken Hauptstamm heraus.

Trockenheit machte der Eiche zu schaffen

Der Spalt zieht sich mittig durch den bekannten Girbigsdorfer Baum. Sogar durchgucken kann man nun. Offenbar machte auch die Trockenheit der letzten Jahre der Eiche zu schaffen, ebenso ihr Alter und der tiefe Kronenansatz mit starken, steil nach oben ragenden Ästen. Mittlerweile sei es zu Vitalitätsverlusten gekommen. „Die Regeneration des gestutzten Nebenstammes verläuft äußerst zögerlich“, so der Sachbearbeiter für Öffentlichkeitsarbeit, Waldpädagogik und Marketing des Forstbezirks. Folge ist, dass die Stieleiche auseinander zu brechen droht, zumal sich im enormen Spalt Wasser ansammeln kann. Solche Risse sind Eintrittstor für pilzliche Fäulniserreger.

Ein imposanter, mehr als drei Jahrhunderte alter Baum.
Ein imposanter, mehr als drei Jahrhunderte alter Baum. © Constanze Junghanß
Der Riss ist immer größer geworden.
Der Riss ist immer größer geworden. © Constanze Junghanß
Mit Stahlseilen wurde der Baum nun gesichert.
Mit Stahlseilen wurde der Baum nun gesichert. © Constanze Junghanß

Trotzdem setzt der Forstbezirk alles daran, das Naturdenkmal zu bewahren und hofft, die Eiche noch einen gewissen Zeitraum zu erhalten. Ein weiteres Gutachten wurde in Auftrag gegeben, teilt Frank Dietrich mit. Ergebnis: Wegen der verstärkten Spannungsrissbildung an der Basis und weil die Zersetzung des Holzes fortschreitet, konnte nicht ausreichend sichergestellt werden, dass der Baum weiterhin sein komplettes Kronengewicht trägt. Deshalb musste die Säge ran. Die Krone wurde eingekürzt und Totholz beseitigt.

Standsicherheit ist wohl nicht in Gefahr

Mehrere fest gespannte Stahlseile halten die Äste zusammen, damit der Nebenstamm nicht völlig wegbricht. Er wurde außerdem von einer Fachfirma um etwa sechs Meter eingekürzt. Die Schnittstellen sind noch frisch. Die Standsicherheit der Eiche sei allerdings nicht in Gefahr. Der nordwestliche Nebenstamm müsse aber auch weiter sehr aufwendig gesichert werden. Damit allein ist es nicht getan. Aufgrund der Verkehrssicherung werden ständig Arbeiten an der Eiche gemacht werden müssen, schätzt Sachsenforst ein. „Wir bitten die Bevölkerung darum, auf den ausgeschriebenen Wegen zu bleiben, um eine zusätzliche Bodenverdichtung um die Eiche herum auszuschließen und sich nicht unnötig selbst in Gefahr zu bringen“, sagt Frank Dietrich.

Wenn die Kästnereiche irgendwann das Zeitliche segnet, bedeutet das nicht, dass sie damit komplett verschwindet. Der Baum bleibe – eingekürzt als Hochstubben – erhalten, „um vielen holzzersetzenden Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten zu können“, blickt Frank Dietrich in die Zukunft des Naturdenkmals. Bis dahin vergehe aber noch einiges an Zeit, sagt er hoffnungsvoll.

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