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Kaisermanöver endete mit einem Eisenbahnunglück

Vor 125 Jahren weilte Kaiser Wilhelm II. mit ausländischen Gästen in Görlitz. Die Abreise war allerdings anders geplant.

Während des Manövers logierten Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria im Görlitzer Ständehaus.
Während des Manövers logierten Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria im Görlitzer Ständehaus. © SZ-Archiv

Kaisermanöver waren während des Deutschen Kaiserreichs die bedeutendsten Militärübungen. Sie fanden jährlich an unterschiedlichen Orten statt, immer aber in Gegenwart des Kaisers. Solche Großübungen waren damals auch in anderen Ländern üblich, etwa in Russland, in Italien oder sogar in der Schweiz. In Deutschland wurden meist zwei Armeekorps des Deutschen Heeres ins Manöver geschickt.

Da auch Görlitz bis 1945 noch ein bedeutender Militärstandort war, verwundert die Vergabe solcher Manöver in unsere Region nicht. Zum Beispiel war es vor 125 Jahren soweit: Vom 7. bis 12. September 1896 war Görlitz Zentrum des Kaisermanövers, bei dem militärische Aktionen bis in die Umgebung von Bautzen geübt wurden. Damals wurden in Görlitz Truppen in einer Stärke von 11.000 Mann zusammengezogen, auch 1.600 Pferde waren unterzubringen – für die Stadt eine logistische Herausforderung.

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Während des Manövers logierten Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria im Görlitzer Ständehaus, einem Gebäude, das viel später sogar noch als NVA-Objekt zu militärischen Ehren kommen sollte. 1896 hatten die hohen Herrscher illustre Gesellschaft. Mehrere ausländische Monarchen weilten in der Neißestadt, darunter machten auch Zar Nikolaus II. und seine Gattin in Görlitz ihre Aufwartung, um das Manöver zu beobachten.

Für „das Publikum“, wie man die Öffentlichkeit damals in den Medien nannte, war allerdings nicht nur soldatisches Tun von Interesse. Viel schneller sprach sich ein besonderes Verkehrsunglück herum. Es geschah am 12. September 1896 auf dem Bahnhof Löbau. Kaiser Wilhelm II. mit seinem Gefolge war gerade mit einem Sonderzug aus Görlitz auf der Heimfahrt vom Manöver. In Löbau wurde der Kaiserzug auf das Ebersbacher Gleis rangiert, und dort passierte es kurz vor 12 Uhr: Der planmäßige Schnellzug Dresden – Görlitz rammte die zweite Lokomotive des Sonderzuges.

Folgen des Unfalls blieben glimpflich

Die Ursache war bald herausgefunden: Ein übereifriger Beamter des Bahnhofes hatte unbefugt den auf dem Nebengleis stehenden Sonderzug vorrücken lassen, sodass die Loks des Kaiserzuges in den Schienenweg des einfahrenden Schnellzuges gerieten. Zum Glück blieben die Folgen des Unfalls glimpflich. Es gab kaum Verletzte. Die zweite Sonderzug-Lok wurde allerdings vollkommen zerstört. Schon nach einer halben Stunde, so Augenzeugenberichte, sollen der Kaiser und seine Begleitung die Weiterfahrt angetreten haben.

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