merken
PLUS Görlitz

Kirche beteiligt Missbrauchsopfer an Aufklärung

Das Bistum Görlitz gründet zusammen mit den Bistümern Dresden-Meißen und Berlin einen Betroffenenbeirat. Er wird auch Sitz und Stimme in der geplanten Aufklärungskommission haben.

Auch für die Karnevalisten am Rhein wie hier in Düsseldorf ist die katholische Kirche und ihr Missbrauchsskandal ein Thema.
Auch für die Karnevalisten am Rhein wie hier in Düsseldorf ist die katholische Kirche und ihr Missbrauchsskandal ein Thema. © dpa

Das Bistum Görlitz räumt Betroffenen von sexuellem Missbrauch die Möglichkeit ein, bei der Aufarbeitung mitzuarbeiten. Zusammen mit den Bistümern Dresden-Meißen und Berlin sowie der katholischen Militärseelsorge setzt es einen Betroffenenbeirat ein. Die vier Institutionen rufen Betroffene zur Mitwirkung an diesem Beirat auf. "Sie sollen so am Aufarbeitungsprozess maßgeblich beteiligt werden", heißt es in einer Erklärung, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. "Aufgrund ihrer Erfahrungen können sie auch vielfach die Arbeiten im Bereich Prävention und Intervention wirksam begleiten."

Der Betroffenenbeirat soll höchstens acht Mitglieder umfassen. Bis 1. Mai können sich Personen, die mindestens 18 Jahre alt sind und im Bereich der drei Diözesen beziehungsweise der Katholischen Militärseelsorge sexuelle Gewalt erlitten haben, für eine Mitarbeit bewerben. Die Auswahl der Mitglieder erfolgt durch ein unabhängig agierendes Auswahlgremium. "Aufgabe des Betroffenenbeirates ist es, als Expertengremium aus Sicht von Betroffenen einen Beitrag zu leisten zur Weiterentwicklung des Umgangs mit Fragen der sexualisierten Gewalt in den genannten (Erz-)Bistümern sowie in der Katholischen Militärseelsorge, hinsichtlich der Aufarbeitung", heißt es in der Ausschreibung, die alle drei Bistümer auf ihren Internetseiten verbreiteten. Der Beirat soll sich "kritisch mit den bereits vorliegenden Konzepten zum Umgang mit Fragen der sexualisierten Gewalt auseinandersetzen".

Anzeige
Der Eyecatcher beim Roadtrip
Der Eyecatcher beim Roadtrip

Ein Gefühl von Freiheit schnuppern, den Alltagsstress vergessen und viel PS genießen - ein Trike bietet den perfekten Fahrspaß für Individualisten.

Zudem werden Mitglieder des Betroffenenbeirates auch in der Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs mitarbeiten, die ebenso die drei Bistümer und die Militärseelsorge gemeinsam einrichten. In der Kommission werden neben Vertretern der Betroffenen auch Experten aus Wissenschaft, Fachpraxis, Justiz und öffentlicher Verwaltung sowie Vertretern der Bistümer zusammenkommen. Zugleich sollen die Landesregierungen Sachsens und Berlins sowie Brandenburgs Experten in die Kommission entsenden, um die Unabhängigkeit der Kommission zu gewährleisten.

Die Katholische Kirche geht damit weitere Schritte, um Fälle sexueller Gewalt unabhängig aufzuarbeiten und daraus Lehren für die Zukunft zu entwickeln. Der Missbrauchsskandal hat dem Ansehen der katholischen Kirche schwer geschadet. Das Bistum Görlitz hatte 2018 die Personalakten von 108 Priestern auf Hinweise solcher Fälle sowie alle lebenden Priester ab dem Jahr 2000 überprüft. Bislang ist nur ein Fall aus den 1960er Jahren bekannt geworden, als ein mittlerweile verstorbener Priester ein Kind sexuell missbraucht hatte. Der Betroffene erhielt eine Entschädigungszahlung von 4.000 Euro als symbolische Anerkennung für das erlittene Unrecht.

Weiterführende Artikel

Pfarrer missbrauchte Ministranten und Familie

Pfarrer missbrauchte Ministranten und Familie

Im Emsland liegt ein Priester aus Sachsen begraben. Dort, aber auch in Riesa, hat er Jungen missbraucht. Und womöglich auch im Osterzgebirge und der Lausitz.

Zugleich hat das Bistum Görlitz mit der Görlitzer Lehrerin Martina Kasper und dem Urologen Dr. Frank Schilke, der an einem Krankenhaus in Luckau bei Cottbus tätig ist, zwei Ansprechpartner für Betroffene berufen.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier

Mehr zum Thema Görlitz