merken
PLUS Görlitz

Kein Wasser mehr im prunkvollen Becken

Vor 25 Jahren endete im beliebten Görlitzer Freisebad endgültig der Badebetrieb. Alle Versuche, es wieder zu beleben, scheiterten bislang.

Ein Leben lang zählte Friedel Sommer zu den Persönlichkeiten im Schwimmsport. Im Freisebad (Bild links) brachte sie Kindern das Schwimmen bei. Das Bild rechts zeigt den Eingang zum Freisebad, fotografiert im Jahr der Schließung.
Ein Leben lang zählte Friedel Sommer zu den Persönlichkeiten im Schwimmsport. Im Freisebad (Bild links) brachte sie Kindern das Schwimmen bei. Das Bild rechts zeigt den Eingang zum Freisebad, fotografiert im Jahr der Schließung. © Rainer Kitte, Hans Schulz

Von Hans Schulz und Ralph Schermann

Für viele begeisterte Nutzer war die Schließung des Görlitzer Freisebades ein Desaster. Es war der 31. März vor 25 Jahren, als sich letztmals die Türen dieser Einrichtung für Besucher öffneten. Alle Proteste dagegen halfen nichts – die Einrichtung war marode geworden. Seit 1996 ist Bade-, Sauna- und Brauseschluss im altehrwürdigen Prunkbad auf der Dr.-Kahlbaum-Allee, das 1990 sogar noch als letzte Neuerung hüllenlose FKK-Zeiten angeboten hatte.

PPS Medical Fitness GmbH
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness

Krankengymnastik, Bewegungsbad, physikalische Therapie, Lymphdrainage, Massagen, Outdoor-Training - PPS Medical Fitness ist für Ihre Unterstützung rundum aufgestellt.

Im 19. Jahrhundert wäre so etwas undenkbar gewesen. Doch immerhin: Da die meisten Wohnungen nicht über ein Bad verfügten, wurden Badeanstalten eingerichtet. In Görlitz gab es vor dem Ersten Weltkrieg die Hoffmannsche Badeanstalt am Lindenweg, das Zentralbad auf der Hospitalstraße und ab 1887 das Freisebad, benannt nach dem Begründer, Sanitätsrat Dr. Walter Freise (1856 - 1918). Den Mediziner führten Reisen nach Indien, Japan, Amerika, Nordafrika, Griechenland und die Türkei. Nach seiner Rückkehr trat er als Assistenzarzt am Krankenhaus Berliner Straße in den Dienst der Stadt Görlitz. 1885 ließ er sich als praktischer Arzt an der Promenade nieder, der heutigen Dr.-Kahlbaum-Allee. Im Haus Nummer 13 gründete er dann seine Kaltwasser-Heilanstalt.

Angeboten wurden Wannen-, Dampf-, und Heißluftbäder. Dem medizinischen Charakter entsprechend gab es auch Sole-, Fichtennadel-, Moor-, Kräuter-, Licht- und Kohlesäurebäder. Auch stand hier von Beginn an eine Schwimmhalle zur Verfügung. Das 7x15 Meter große und bis zu 2,80 Meter tiefe Becken war sowohl für Nichtschwimmer als auch für Schwimmer ausgerichtet. Die Halle erwies sich aber nicht als gewinnbringend. Es gründete sich 1905 ein Verein, der trotz weiterer Verluste den Betrieb aufrechterhielt. 1919 waren alle Mittel erschöpft, der Verein bot das Bad der Stadtverwaltung an. Diese hat schon seit 1901 durch jährliche Zuschüsse das Unternehmen gestützt. Seit 1. April 1920 führte die Stadt das Freisebad. Und auch nach dem Zweiten Weltkrieg erfreute es sich großer Beliebtheit. Kein Wunder, ließ doch der Neubau einer Schwimmhalle auf sich warten. Trotz immer maroder werdendem Zustand lernten weiter Kinder das Schwimmen, gab es Dampfbad, Duschen, Wannenbäder, später auch ein Solarium.

Nach der Schließung verfiel das Gebäude weiter. 2009 ließ die Stadtverwaltung den Großschornstein auf der Rückseite sichern und das Dach notdürftig erneuern, jedoch bedürfte das Bad einer Grundsanierung. Dafür fehlt das Geld. Immerhin konnten die Görlitzer ihr altes Freisebad bereits mehrmals wieder in Augenschein nehmen – bei Tagen des offenen Denkmals ebenso wie im Kino, wo das Haus als Drehort für den Film „The Grand Budapest Hotel“ diente. Aufkommende Pläne, das Freisebad und die ehemalige II. Medizinische Klinik als ein Kompetenzzentrum für die Betreuung von Demenzpatienten („Kahlbaum-Projekt“) zu reaktivieren und damit das Bad auch den Bürgern wieder zugänglich zu machen, gingen nicht in Erfüllung.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier

Mehr zum Thema Görlitz