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Um 22 Uhr ist die Nacht für 40 Görlitzer vorbei

Ein Kellerbrand schreckt die Bewohner eines Neubaublocks in Königshufen auf. Auch 24 Stunden danach gibt es noch viele Fragen.

Feuerwehreinsatz in der Nacht zum Dienstag in Königshufen: Ein Brand in einem Keller war gemeldet worden.
Feuerwehreinsatz in der Nacht zum Dienstag in Königshufen: Ein Brand in einem Keller war gemeldet worden. © Danillo Dittrich

Am Vormittag nach dem Brand schleppt ein Anwohner Tüten aus dem Hauseingang Lausitzer Straße 52 in Königshufen. Plastiktüten sind es und gefüllt mit dem Inhalt eines Kühlschrankes. "Ich musste ihn ausräumen. Der Strom ist weg", sagt der Mann. Er hat es sehr eilig, leicht verderbliche Lebensmittel eben, die er transportiert. Die müssen nun schnell umgelagert werden. An sie heranzukommen, in seiner Wohnung, war gar nicht so einfach, erzählt er.

Denn wegen des Brandes in der vergangenen Nacht war offenbar das Schloss seiner Wohnung ausgewechselt worden. "Ich musste mich erst einmal um den Schlüssel kümmern", schildert der Anwohner. In der Brandnacht war er selbst nicht im Haus, erfuhr erst später von dem Malheur.

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Hier hatte es in der Nacht zum Dienstag in Königshufen gebrannt, insgesamt drei Hauseingänge waren betroffen.
Hier hatte es in der Nacht zum Dienstag in Königshufen gebrannt, insgesamt drei Hauseingänge waren betroffen. © Martin Schneider

Stromausfall nach Brand im Keller

In der Nacht zum Dienstag wurde die Görlitzer Feuerwehr alarmiert. 22.12 Uhr ging der Anruf ein: Brand in Königshufen, Lausitzer Straße. In einem Keller hatte Müll Feuer gefangen, darunter Autoreifen. Wie sich das Brandgut zusammengesetzt hat, ist am Dienstagvormittag auf dem Rasen hinter dem betroffenen Plattenbaublock zu sehen. Es ist vor allem Unrat, eingepackt in blaue Plastiktüten, eine angekokelte Holzkellertür, die besagten Reifen auf Felge. Aber auch ein Stuhl steht zum Abtransport bereit.

Das Problem, heißt es von der Görlitzer Feuerwehr, war die starke Rauchentwicklung. Deshalb musste auch mit Atemschutzgerät ins Haus gegangen werden. Insgesamt waren laut Polizei 36 Kameraden im Einsatz, darunter aus Klingewalde, Stadtmitte und Ludwigsdorf. Hinzu kamen Polizei, Rettungsdienst. Während der Brandbekämpfung wurde ein Feuerwehrmann leicht verletzt. Er konnte allerdings ambulant behandelt werden, musste nicht ins Krankenhaus, hieß es am Dienstagnachmittag von der Görlitzer Feuerwehr.

Kommwohnen stellt Ersatzwohnungen zur Verfügung

"Der starke Rauch zog in die Treppenhäuser von drei Hauseingängen", so Polizeisprecher Sebastian Ulbrich. Insgesamt wurden laut Polizei rund 40 Menschen evakuiert. Die Görlitzer Verkehrsbetriebe stellten für die erste Notunterkunft Busse bereit, wie schon bei anderen Bränden in der Stadt.

Eine 93-Jährige kam in diesem Fall zur weiteren Beobachtung ins Krankenhaus. Laut Polizei lag bei ihr möglicherweise ein Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung vor. Die leicht verletzte Frau ist bereits wieder entlassen, so Jenny Thümmler, Medienreferentin bei Kommwohnen. Das städtische Unternehmen vermietet den betroffenen Wohnblock. "Zum Glück sind uns keine weiteren Verletzten bekannt", so Jenny Thümmler.

Der Rauch habe die Häuser 50 bis 54 betroffen. Alle Mieter seien sofort evakuiert worden. "Ein Großteil von ihnen, etwa 20, wurden noch in der Nacht in unserer Villa Ephraim untergebracht", so die Kommwohnen-Medienreferentin. Gegen Mittag am Dienstag wurde für die Mieter, die wieder in ihre Wohnungen zurück wollten, ein Bus organisiert.

Überreste des Kellerbrandes auf der Lausitzer Straße in Görlitz-Königshufen am Dienstagvormittag.
Überreste des Kellerbrandes auf der Lausitzer Straße in Görlitz-Königshufen am Dienstagvormittag. © Matthias Klaus

Feuerwehr musste unter Atemschutz ins Haus

"Wer nicht zurück will, kann kostenlos in der Villa bleiben, bis die Schadstoffmessung im Brandhaus erfolgt und das Wohnen wieder gefahrlos möglich ist. Geplant ist diese Untersuchung für Mittwochnachmittag", so Jenny Thümmler am Dienstag. Die Ergebnisse werden demnach ein paar Tage später vorliegen. "Dies abzuwarten, empfehlen wir allen Betroffenen ausdrücklich. Aber auch entgegen der gleichen Warnungen von Polizei und Feuerwehr hat sich ein Teil der Mieter noch in der Nacht dafür entschieden, in den Wohnungen zu bleiben. Das geschieht dann aber auf eigene Gefahr", sagt sie.

Ein Elektriker musste in der Nacht wegen des Brandes den Strom im kompletten Block Lausitzer Straße 50-56 abschalten. Mittlerweile hat das Haus laut Kommwohnen wieder Strom. Nur in zwölf Wohnungen gebe es noch Probleme, weil die Leitungen offenbar Schaden genommen haben. "Ein Elektriker ist vor Ort. Genauso wie zwei unserer Mitarbeiter sowie ein weiterer in der Villa Ephraim, die die Fragen der Mieter beantworten", so Jenny Thümmler.

Grund für den Brand ist noch offen

Noch in der Nacht des Brandes waren die Kommwohnen-Geschäftsführer Arne Myckert und der Leiter der Villa, Andreas Zimmermann, vor Ort in Königshufen. Die Schadenshöhe ist noch unklar, teilt das Unternehmen mit. Die Polizei geht derweil von einem Sachschaden nach ersten Schätzungen von rund 20.000 Euro aus.

Wie der Kellerbrand entstanden ist, ist derzeit noch offen. Am Dienstag haben Brandursachenermittler ihre Arbeit aufgenommen. Wann ihre Ergebnisse vorliegen, konnte gestern noch nicht geklärt werden.

Der Anwohner, der gerade seinen Kühlschrankinhalt per Auto umlagert, weiß zumindest noch nicht, wie es mit ihm und der Wohnung auf der Lausitzer Straße in Königshufen weitergehen soll. Er zuckt mit den Schultern. "Soweit sind wir noch nicht mit den Überlegungen", sagt er. Erst mal die Lebensmittel in Sicherheit bringen.

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