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Wie Kinder in Sohland Zirkus machen

Der Verein "Sohland lebt" versucht, wieder Leben in das kleine Dorf zwischen Reichenbach und Löbau zu holen. Ein Beispiel auch für andere.

Zirkuspädagoge Miroslav Mütze studierte mit den Kindern ein Programm ein.
Zirkuspädagoge Miroslav Mütze studierte mit den Kindern ein Programm ein. © Constanze Junghanß

Ein riesiges lilafarbenes Tuch hängt von der Decke der Turnhalle in Sohland. Das gehört zum Programm des „Rotsteinzirkus“. Der gründete sich in den Sommerferien. 20 Kinder im Alter von sechs bis 16 Jahren sind die Artisten. Sie kommen aus Sohland, Dolgowitz, Görlitz, Ruppersdorf und der Nähe von Bautzen. Am Tuch wird geturnt und gehangelt, mit Hula-Hopp-Reifen gekreist und jongliert.

Eine Woche probten die Mädchen und Jungen unter Anleitung des Zirkuspädagogen Miroslav Mütze, der beim Kulturbrücken-Verein Görlitz arbeitete und wie er erzählt, „ab September auf Weltreise geht“. Sohland am Rotstein war nun die vorerst letzte Station im Heimatland des Künstlers, der aus Dresden stammt. Mit Sohland verknüpft ist er durch den Heckenhof – der Solidarischen Landwirtschaft von Florian Schneider und Odilia Jarman, die er kennen und schätzen lernte.

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Verein will Zusammenhalt im Ort stärken

In der Rotsteingemeinde war eine Woche lang ein Zirkuszelt am Schloss Mittelhof aufgebaut – die Uraufführung fand in der Turnhalle statt. Ein Ferienprogramm der besonderen Art – gefördert über „Zirkus macht stark“. Projektträger war der Verein Sohland lebt, der dabei ist, ein Dorfcafé unterhalb vom Schloss Mittelhof aufzubauen. Im kleinen langgezogenen Ort, in dem es weder eine Schule noch Einkaufsmöglichkeiten gibt, will der Verein für kulturelles Leben und Zusammenhalt sorgen. „Wichtig war uns, die Kinder aus dem Ort zu erreichen“, erzählt Vereinsmitglied Ellinor von Recklinghausen. Ursprünglich sei geplant gewesen, einmal wöchentlich ein Zirkusprojekt anzubieten.

„Doch wegen Corona war das so leider nicht möglich“, sagt die Sohländerin. Deshalb wurde umgeplant und das Ferienangebot organisiert. Das habe allen Beteiligten viel Spaß gemacht. Vier Zirkuspädagogen, einer von ihnen stammt aus Ecuador, begleiteten die Kinder, studierten mit dem Nachwuchs die Übungen ein und bereiteten sie auf die Aufführung vor. Die Turnhalle war zur Premiere gut besucht: Es gab kaum freie Plätze. Aufgrund der Resonanz auf das Projekt wird nun überlegt, eine Weiterführung zu ermöglichen. „Wir wünschen uns auch in Zukunft, dass in Sohland Zirkus gemacht wird und der Rotsteinzirkus für Kinder und zukünftig vielleicht auch für Erwachsene stattfinden kann“, bekräftigt Ellinor von Recklinghausen. Das hänge jedoch davon ab, ob weitere Förderungen möglich sind und Trainer gefunden werden, die sich den Hut für ein solches Angebot aufsetzen.

Zirkusprojekte auf dem Land sind beliebt. So fanden vor einigen Jahren ebenfalls sehr gut besuchte Mit-mach-Zirkus-Angebote im Reichenbacher Bad statt – organisiert und durchgeführt vom DRK Görlitz. Der Kinder- und Jugendzirkus Applaudino in Oderwitz, dessen Träger der evangelisch-lutherische Kirchbezirk Löbau-Zittau ist, hat für das Sohländer Zirkusprojekt Materialien zur Verfügung gestellt. Auch da gab es ein Zirkus-Sommercamp, das in Zittau stattfand. „Etwa 70 Kinder und Jugendliche nahmen daran teil“, sagt Michael Eichhorn von der Arbeitsstelle Kinder, Jugend und Bildung Oderwitz. Ab kommender Woche wird das Zirkuszelt für das Training wieder in Oderwitz aufgebaut sein.

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