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Unverhoffter Geldregen für Wartburg-Kita

Schon lange kämpft die Kita Samenkorn in Görlitz für einen Umbau. Jetzt kommt Hilfe in Millionenhöhe. Aber auch die Stadt muss ihren Teil beitragen.

Ulrich Warnatsch im Waschraum der Kita Samenkorn - ebenfalls ein Durchgangsraum. Die Raumaufteilung gehört zu den Hauptproblemen der Kita.
Ulrich Warnatsch im Waschraum der Kita Samenkorn - ebenfalls ein Durchgangsraum. Die Raumaufteilung gehört zu den Hauptproblemen der Kita. © Archiv: Nikolai Schmidt

Eine Außenwand muss versetzt werden. Und eine zweite Etage wird ausgebaut. Die Kita Samenkorn will sich vergrößern, schon lange. Aber sie konnte nicht - zu viele Mängel. Kein Wunder erklärt, Ulrich Warnatsch vom Trägerverein Jugendhaus Wartburg. Eine Kita gibt es dort bereits seit 1946. „Es gab seitdem natürlich Sanierungen, zum Beispiel bei den Sanitäranlagen, oder Wände wurden neu gestrichen, Fluchtwege verbessert.“ Grundsätzlich verändert wurde das Gebäude aber nie. Seit sechs Jahren kämpft die Wartburg um eine Sanierung. Nun ist ein großer Schritt geschafft: Eine Förderzusage über 1,17 Millionen Euro ist eingegangen. Allerdings bedeute das auch für die Stadt Görlitz: Sie braucht noch mehr Eigenmittel.

Stadt braucht noch mehr Eigenmittel

Erst im jüngsten Stadtrat wurde beschlossen, dass die Stadt vier Grundstücks-Standorte an die Tochtergesellschaft Kommwohnen verkauft, um Eigenmittel zu sichern. Für den Neubau der Kita Fichtestraße, der Feuerwehr und für die Sanierung der Grundschule Königshufen. Mit der Kita Samenkorn ist nun ein weiterer Posten hinzugekommen. Mit deren Umbau hatte sich die Stadt bei dem Förderprojekt „Integration im Quartier“ beworben.

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Dass die Zusage so hoch ausfallen würde, hätte er gar nicht gedacht, sagt Bürgermeister Michael Wieler. Weil bisher in dem Programm eher andere Projekte im Fokus standen. „Aber im Ergebnis: Es war den Versuch auf jeden Fall wert. Wir hatten Glück.“ Im Oktober kam eine Förderzusage über 1,17 Millionen Euro. Die Stadt selbst muss 130.000 Euro an Eigenmitteln aufbringen.

Die Wartburg ist ein christlich geprägtes Haus. Die damalige Peterskirchengemeinde war es auch, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Kita einrichtete. 1992 hatte der Trägerverein „Wartburg“ das Haus übernommen - so halb als Tagungsstätte ausgebaut. Ein Jugendhaus wollte der Trägerverein daraus machen. Heute befindet sich in dem Gebäude eine Jugendherberge, ein Café, der Esta-Vereins, also die Stadtjugendarbeit. Und die Kita Samenkorn, die von der Evangelischen Innenstadtgemeinde betrieben wird.

Alle Räume sind Durchgangszimmer

„Die Kita ist sehr wichtig für unser Haus“, sagt Ulrich Warnatsch. 46 Kinder besuchen sie, es soll Platz für 72 entstehen. Aber bei einer Begehung durch das Jugendamt, Bauamt und Feuerwehr 2014 stellte sich heraus, dass das nicht leicht wird. Das Hauptproblem, erklärt Warnatsch, liegt in der Raumaufteilung. Zum einen hat die Kita keine eigene Ausgabeküche, sondern ist auf die Saalküche angewiesen. „Vor allem ist aber der Raumbestand ein Problem.“

Alle Zimmer sind Durchgangszimmer. Nicht nur unpraktisch, sondern auch unglücklich beim Brandschutz. Ein Flur ist geplant. „Damit würden aber die anderen Zimmer sehr schmal werden.“ Deshalb soll eine der Außenwände in Richtung Hof versetzt, die zweite Etage ebenso ausgebaut werden. Dafür sind Teilabbrüche der Fassade und des Daches notwendig. Inzwischen haben sich die geplanten Baukosten erhöht, auf etwa drei Millionen Euro.

Schon viel Geld in die Planungen gesteckt

Bauplanung und Bauantrag sind geschafft. Durch Spenden, Stiftungsförderungen, Darlehen kam das Geld zusammen. Nicht aber die Mittel für den eigentlichen Bau. Denn der war eigentlich erst für 2023 vorgesehen. Und so lange, erklärt Ulrich Warnatsch, können Stiftungen, die er deswegen anschrieb, Mittel nicht für die Kita bunkern. So wichtig die Kita für die Wartburg ist, für die Stadt stand die Sanierung nicht ganz oben auf der Liste. Zum Beispiel die Kita Fichtestraße hat höhere Priorität, weil ihre Betriebsgenehmigung ausläuft.

Eine der angefragten Stiftungen gab voriges Jahr den Tipp mit dem Städtebauprogramm „Integration im Quartier“, das aber auslief. „Deshalb war klar, wenn wir da reinwollen, dann jetzt“, sagt Warnatsch. Der Trägerverein selbst kann sich aber nicht bewerben, das muss eine Kommune tun. Kurzfristig legte die Stadt ihren Stadträten deshalb Ende vorigen Jahres einen Beschluss vor, um den Förderantrag stellen zu können, und, wenn es klappt, auch die Eigenmittel beizusteuern. „Wir hatten mit den Fraktionen gesprochen“, erzählt Ulrich Warnatsch. Dennoch habe ihn die große, kurzfristige Zustimmung im Stadtrat sehr gefreut. „Es hat gezeigt, dass die Kita anerkannt ist.“ Der Antrag wurde gestellt. „Das war schon sportlich, was die Stadt da geleistet hat.

Währenddessen hat der Trägerverein mit der Medien- und Statikplanung weitergemacht, auf eigenes Risiko, sagt Warnatsch. „Wir haben natürlich gehofft, dass unser Projekt angenommen wird. Und wenn, dann wollten wir nicht wieder mit Wartezeit dastehen.“ So könnte nun Anfang kommenden Jahres die Ausschreibung der Arbeiten beginnen. Alles Geld zusammen ist aber noch nicht. In den nächsten drei Jahre braucht der Trägerverein noch insgesamt rund 150.000 Euro, hatte auch angeboten, einen Teil der Eigenmittel beizusteuern. „Zum Glück haben wir ein großes Unterstützernetz.“ Ulrich Warnatsch will jetzt noch einmal eine Spendenaktion starten.

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