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Klappe heißt jetzt "Heine"

Erika Heine benennt ihr Programmkino am Klosterplatz nach ihrem Namen um. Wie große Hotels und wie schon frühere Generationen ihrer Familie.

Erika Heine vor ihrer umbenannten Kinobar am Görlitzer Klosterplatz.
Erika Heine vor ihrer umbenannten Kinobar am Görlitzer Klosterplatz. © Paul Glaser

Fast 15 Jahre ist es her, dass Erika Heine ihr kleines Kino am Klosterplatz eröffnete. Damals nannte sie es "Offkino Klappe die Zweite", weil es nach dem Camillo, wo sie vorher gearbeitet hatte, das zweite Programmkino in Görlitz war. "Inzwischen hat sich der Name jedoch überholt", sagt sie, "und ich möchte nicht immer wieder erklären müssen, woher der Name kommt."

Deshalb hatte sie schon länger die Idee, ihre Kinobar nach ihrem eigenen Namen zu benennen. "Wenn man sein Geschäft so sehr prägt, wie es eine Einzelunternehmerin wie ich nun mal macht", sagt Erika Heine, "braucht man sich nicht hinter einem unpersönlichen Namen zu verstecken."

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Berühmte Unternehmen machen es vor: Berthold Kempinski, Conrad Hilton, César Ritz, Lorenz Adlon – sie alle scheuten sich nicht, mit ihrem Namen für ihr Unternehmen einzustehen. August F. W. Borchardt gründete einst das Restaurant "Borchardt" in Berlin-Mitte, wo heute die Berlinale-Stars und viele andere Prominente ein- und ausgehen. In Görlitz gibt es das Beispiel Paul Otto, der sein Hotel nach sich selbst benannte.

Schon Vater und Großmutter firmierten als "Heine"

Und letztlich nimmt Erika Heine damit eine Tradition aus ihrer Familie wieder auf. Ihre Großmutter Frieda Heine hatte seit den 1930er-Jahren eine kleine Schneiderei in der Görlitzer Teichstraße 10 betrieben, an der Spitze des längst abgerissenen Areals zwischen Finanzamt am Sonnenplan und Bombardiervilla am Conrad-Schied-Weg. Dort nähte sie aus weißen Stoffen Hemden, Tischtücher, Servietten, Bettwäsche, Taschentücher – unter dem Namen "Weißnäherei Heine".

Erika Heines Vater übernahm dieses Unternehmen, als er 1948 aus französischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, und machte ein Geschäft daraus, das außer Weißwäsche auch Kurzwaren, Wolle, Unterwäsche, Socken, Wolldecken und dergleichen verkaufte. In den 1960ern zog er damit an die Ecke Bautzener/Teichstraße um, seit 1986 ebenfalls abgerissen. Älteren Görlitzern ist das "Textilgeschäft Günter Heine" vielleicht noch ein Begriff.

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Erika Heine, die mit diesem Geschäft aufwuchs und in ihrer Jugend auch eine Zeit lang darin arbeitete, knüpft jetzt an die Familientradition an. "Wann, wenn nicht jetzt", sagte sie sich, als der erste Lockdown vorbei und der zweite in Sicht war. Sie ließ von einer Görlitzer Werbeagentur einen Schriftzug nach ihrer Unterschrift entwickeln, der nun abends in ihrem Schaufenster leuchtet und ihre neuen Servietten und Streichhölzer unverkennbar macht.

Und sonst? "Alles geputzt und vorbereitet", sagt Erika Heine. "Ich kann es kaum erwarten, wieder öffnen zu können."

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