merken
PLUS Görlitz

Komische Pilze im Vorgarten

Weiß-bräunliche Pilze in großer Menge sorgen für Fragen. Machen sie den Rasen kaputt? Sind sie giftig? Der Görlitzer Steffen Hoeflich weiß Rat.

Steffen Hoeflich ist Pilzberater im Senckenberg Museum für Naturkunde.
Steffen Hoeflich ist Pilzberater im Senckenberg Museum für Naturkunde. © nikolaischmidt.de

Manfred Steinmann aus Reichenbach beobachtet seit etwa drei Wochen in Gärten, auf Wiesen und  Wegen Ansammlungen von kleinen, weiß-bräunlichen Pilzen. "In dieser Menge habe ich das noch nie beobachtet", wundert sich der Senior und fragt nach der Ursache.

Steffen Hoeflich ist der Pilzexperte in Görlitz und seit vielen Jahren Pilzberater am Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz. "Kleine weiße oder bräunliche Pilze gibt es unzählige", sagt der Experte. Aber einer Pilzfamilie zuordnen kann er sie nicht - dafür sind die Angaben zu vage.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Manche Pilze erscheinen nur im Herbst

Allerdings hat er so einige Vermutungen. Manche Pilze erscheinen genau zu dieser Jahreszeit. Auf Wiesen wachsen beispielsweise diverse weiße Trichterlinge, meist truppweise. Sie sind stark giftig. Ein anderer Pilz, der in großer Schar im Spätherbst auftritt, ist der Fälbling. 

"Den Namen erhielt dieser Pilz wegen seiner falben, blassen Hutfarbe, die Lamellen zeigen sich typisch milchkaffeefarben", erklärt Steffen Hoeflich. Es gibt sie überall. Im Görlitzer Stadtgebiet findet man sie häufig unter Linden und Birken. Speisepilze sind unter den Fälblingen nicht zu finden, sagt der Experte.

Hexenringe auf der Wiese

Wachsen viele Pilze in Gärten, entwickeln manche Menschen eine regelrechte Mykophobie, erklärt der Pilzberater. "Sie kommen zur Beratung und fragen, wie sie diese Pilze wieder los werden." Doch der Pilzexperte sieht dafür keine Veranlassung. "Pilze erfüllen eine wichtige ökologische Funktion", sagt er, "dem Rasen fügen sie aber keinen Schaden zu."

Jetzt seien es vor allem zwei Pilze, die manche wieder loswerden möchten: der häufige Nelkenschwindling und der seltene, schützenswerte Riesenkrempentrichterling, die oft im Kreis wachsen. Beide Arten haben die Eigenschaft, Ammoniak in den Boden abzusondern. "Dadurch wird der Boden gedüngt, was das Gras zunächst sogar besser wachsen lässt", erläutert Steffen Hoeflich. Doch irgendwann wird es zu viel Dünger - das Gras stirbt ab. 

Entsprechend des Verlaufs des sogenannten Hexenrings bilden sich dunkle, abgestorbene Zonen im Rasen oder auf der Wiese. "Doch keine Bange", sagt der Experte, "das Gras erholt sich wieder. Spätestens im Folgejahr ist die Stelle wieder grün." Der Riesenkrempentrichterling wird in der Medizin geschätzt: Aus seinem Myzel wird ein Antibiotikum gewonnen. 

Pilze nicht zertreten

Steffen Hoeflich appelliert an alle Pilzfreunde, aber auch an Spaziergänger, die Pilze nicht als Störenfriede zu betrachten, "auch wenn sie so ganz unangemeldet im Vorgarten erscheinen." Alle Pilze, auch die giftigen, erfüllen eine ökologische Funktion, betont er.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz