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Krobnitz könnte Landesmuseum werden

Die Museumslandschaft ist im Wandel. Dazu gehört die Idee, das Schloss bei Reichenbach zu einem Museum für die Oberlausitz umzugestalten.

Schön ist Schloss Krobnitz, aber abgelegen. Jetzt gibt es die Idee, hier ein Landesmuseum Oberlausitz einzurichten.
Schön ist Schloss Krobnitz, aber abgelegen. Jetzt gibt es die Idee, hier ein Landesmuseum Oberlausitz einzurichten. © Steffen Gerhardt/Archiv

Ein "Landesmuseum Oberlausitz" – eindrucksvoll klingt das schon mal. Wie aus Schloss Krobnitz ein Museum werden könnte, das in die ganze Oberlausitz strahlt, Fragen zur Identität ihrer Bewohner beantwortet und die bestehende Museumslandschaft bereichert, dazu gibt es ein Entwicklungs- und Nutzungskonzept, das die Stadt Reichenbach vor einiger Zeit in Auftrag gab.

Der Historiker Lars-Arne Dannenberg und der Kunsthistoriker Matthias Donath, beide Mitglieder der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, haben das Konzept 2019 im Hinblick auf eine baldige Überholung der derzeitigen Dauerausstellung zu Albrecht Graf von Roon in Schloss Krobnitz geschrieben.

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Museum für die Oberlausitz fehlt

"Unsere Idee ist es, den Blick zu weiten", sagt Lars-Arne Dannenberg. Ein preußischer Kriegsminister allein könne nicht so viele Besucher anziehen, wie es Schloss Krobnitz mit übergreifenden Inhalten vielleicht könnte. In vielen Bundesländern gebe es Landesmuseen, mit dem Schlesischen Museum zu Görlitz gebe es sogar eines für Schlesien. "Aber für Sachsen, geschweige denn die Oberlausitz gibt es keins."

Die städtischen Museen in Görlitz, Bautzen und Zittau vermittelten zwar jeweils ein Stück Oberlausitzer Geschichte – Bautzen die sächsische, Görlitz die preußische –, aber eher aus lokaler Sicht. Das Dom Kultury in Zgorzelec habe bis 1945 als Kaiser-Friedrich-Museum die Funktion eines Landesmuseums der preußischen Oberlausitz erfüllt, aber liege eben in Polen.

Dr. Lars-Arne Dannenberg ist einer der beiden Autoren, die ein erstes Entwicklungskonzept für ein Oberlausitzer Landesmuseum geschrieben haben.
Dr. Lars-Arne Dannenberg ist einer der beiden Autoren, die ein erstes Entwicklungskonzept für ein Oberlausitzer Landesmuseum geschrieben haben. © Matthias Schumann/Archiv

So schlagen die beiden Autoren vor, die Inhalte der bisherigen Dauerausstellung, die seit 2006 in Krobnitz zu sehen ist, zwar nicht ganz zu verwerfen, aber stärker in regionale und landesweite historische Zusammenhänge einzuordnen.

Die Geschichte einer europäischen Brückenlandschaft

"Ein Landesmuseum sollte die Kulturgeschichte einer ganzen Landschaft erzählen", sagt Lars-Arne Dannenberg. Das bedeute für die Oberlausitz auch, die Geschichte einer Brückenlandschaft darzustellen, eingebettet in die europäische Geschichte und Verbindung zwischen Ost und West. "Die Zäsuren der europäischen Geschichte lassen sich hier wie unter einem Brennglas ablesen."

Dennoch solle ein Landesmuseum auch Schwerpunkte setzen, sagt Dannenberg. Und das müsse im Landesmuseum Oberlausitz die preußische Ära von 1815 bis 1945 sein. "Roon steht dann eben nicht für Krobnitz, sondern für diese Ära der schlesischen Oberlausitz." Außerdem solle die Dauerausstellung kulturgeschichtliche Querschnitte zu Menschen, Kultur und Natur in der Oberlausitz vom Mittelalter bis zur Gegenwart anbieten, auch mithilfe von Sonderausstellungen.

Stadt Reichenbach wünscht sich mehr Jugend in Krobnitz

Eigentümer des Schlosses, das Roon in den 1870ern von einem barocken zu einem spätklassizistischen Schloss im Stil Schinkels umbauen ließ, ist die Stadt Reichenbach. Betreiber ist der Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund, der seit 2017 an die Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz Eno angegliedert ist.

"So ein großes Schloss samt Park zu unterhalten, wenn auch mithilfe des Museumsverbundes, ist nicht einfach", sagt Carina Dittrich, Bürgermeisterin der Stadt Reichenbach, die das Konzept in Auftrag gab. Roon sei für Krobnitz wichtig, aber die Ausstellung sei nicht mehr zeitgemäß.

Seit 2006 zeigt das Schloss Krobnitz eine Dauerausstellung zum preußischen Kriegsminister Albrecht Graf von Roon. Nach 15 Jahren ist sie nicht mehr zeitgemäß und soll bald ersetzt werden.
Seit 2006 zeigt das Schloss Krobnitz eine Dauerausstellung zum preußischen Kriegsminister Albrecht Graf von Roon. Nach 15 Jahren ist sie nicht mehr zeitgemäß und soll bald ersetzt werden. © Rolf Ullmann/Archiv

Sie wünsche sich eine für Kinder, Jugendliche, Schulklassen und Familien anziehende Ausstellung. "Wir sind darauf angewiesen, dass wir mehr Besucher herlocken." Und mit Blick auf das neue innerdeutsche Reiseverhalten der Deutschen als Folge der Corona-Krise sei sie da durchaus optimistisch.

Eno will die Idee eines Landesmuseums ernst nehmen

Sven Mimus, der als Geschäftsführer der Eno auch den Museumsverbund leitet, sagt, ihn überzeuge das Entwicklungskonzept. "Herr Dannenberg und Herr Donath sind absolute Fachleute, zwei bessere Autoren hätte man für die Entwicklung einer Idee für Krobnitz nicht bekommen können." Eine Überarbeitung der Dauerausstellung sei für 2023 ohnehin geplant. "Dafür werden wir die Hinweise und Vorschläge der beiden sehr ernst nehmen."

Für dieses Jahr habe der Museumsverbund die Neukonzeption des Granitabbaumuseums in Königshain fest im Fokus, im Herbst und im Frühjahr 2022 werde die Wanderausstellung "Der kleine Lord" in Krobnitz gezeigt, danach sei die Umgestaltung der Dauerausstellung geplant.

Umliegende Museen sind skeptisch

Weniger realistisch sehen die umliegenden Museen den Plan eines "Oberlausitzer Landesmuseums". Peter Knüvener, Museumsdirektor in Zittau, fragt sich, mit welchen Exponaten ein solches Museum die Geschichte der Landschaft illustrieren wolle. Sie seien rar, und die Museen, die sie nutzen, seien sicherlich kaum interessiert, sie zu verleihen. Die Idee zu einem Museum für die Oberlausitz sei allerdings gut, so etwas gebe es noch nicht.

Zur Frage der Exponate sagt Lars Dannenberg, dass in die Zukunft weisende Museumskonzepte sowieso mehr auf multimediale Inszenierungen setzen. Man werde in Krobnitz stärker mit Bildern, Karten, Farben, Sinneseindrücken arbeiten und weniger mit Gegenständen arbeiten müssen. Eine gezielte Sammeltätigkeit müsse dennoch betrieben werden.

Ohne Finanzierung von außen geht es nicht

Für Jasper von Richthofen, Direktor des Görlitzer Stadtmuseums, wirft allein der Begriff Landesmuseum schon Fragen auf. "Ein Land Oberlausitz gab es ja nie." Zudem kann er sich ein Museum mit dem Anspruch, die Geschichte einer ganzen Landschaft zu erzählen, nicht gerade in Krobnitz vorstellen. Sieht Dannenberg die Lage zwischen Görlitz und Bautzen nahe der A4 eher als Vorteil, empfindet von Richthofen den Standort als zu weit abgelegen. Auch brauche ein Landesmuseum wissenschaftliches Personal, das Ausstellungen konzipiere und begleite. So sei letztlich immer die Frage, wie ein so großes Museum finanziert werden soll.

Das ist allen Beteiligten klar. "Wir brauchen dafür externe Unterstützung", sagt Sven Mimus. "Ohne Fördermittel geht es nicht." Lars Dannenberg sagt, der Landkreis Görlitz könne ein solches Museum finanziell keinesfalls allein stemmen. Weil die Oberlausitzer Landesgeschichte immer auch europäische Geschichte sei, müsse eine Unterstützung durch den Freistaat Sachsen oder sogar den Bund geprüft werden.

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