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Will Ludwigsdorf nicht mehr Kürbisdorf werden?

Der frühere Ortsvorsteher Wolf-Dieter Friesecke wollte damit den Tourismus im Görlitzer Ortsteil ankurbeln. Aufgegeben hat er die Idee nicht. Doch er braucht Mitstreiter.

Das Kürbisfest in Ludwigsdorf entwickelte sich, außer in der Corona-Zeit, zum Volksfest.
Das Kürbisfest in Ludwigsdorf entwickelte sich, außer in der Corona-Zeit, zum Volksfest. © SZ-Archiv

Einmal im Jahr kommt der Görlitzer Ortsteil Ludwigsdorf in die Schlagzeilen - wenn es um schwergewichtige Dinge geht. Hier wird jedes Jahr der schwerste Kürbis Sachsens ermittelt und dessen Züchter belohnt. Zum Volksfest hat sich das Kürbiswiegen entwickelt. Daraus ließe sich mehr machen - nämlich ein touristisches Projekt "Themendorf Kürbis".

Das dachte sich Wolf-Dieter Friesecke und erarbeitete ein Konzept. So richtig vorwärts mit dem Themendorf geht es aber trotzdem nicht.

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Wolf-Dieter Friesecke wollte Ludwigsdorf und das Neißetal für Touristen attraktiver machen.
Wolf-Dieter Friesecke wollte Ludwigsdorf und das Neißetal für Touristen attraktiver machen. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Konzept landete in der Schublade

Wolf-Dieter Friesecke kam 2001 mit seinem Ruhestand nach Görlitz, seit 2006 lebt er in Ludwigsdorf. In der Lüneburger Heide war er Chef eines Arbeitsamtes, in Ludwigsdorf einige Jahre Vorsteher des Ortschaftsrates.

2012 fertigte Friesecke aus seinen touristischen Erkenntnissen eine Arbeit mit dem Titel "Ferienregion Görlitz und Görlitzer Umland - eine Vision und Paradigmenwechsel". Er freute sich, dass die Arbeit anerkannt wurde. "Leider fiel zu dieser Zeit ein Touristiker namens Engel vom Himmel, der hofiert wurde. Meine dem Oberbürgermeister persönlich übergebene Arbeit landete in einer Schublade", bedauert der über 80-Jährige heute.

Selbst am Thema Homeschooling kamen die Ludwigsdorfer mit ihren Kürbissen nicht vorbei.
Selbst am Thema Homeschooling kamen die Ludwigsdorfer mit ihren Kürbissen nicht vorbei. © Nikolai Schmidt

Studenten entwickelten Ideen

Um das Jahr 2012 weckte Friesecke Interesse beim Bachelor-Studiengang Tourismus und Management der Hochschule Zittau/Görlitz. Mit Frieseckes Hilfe entstand die studentische Arbeit "Produktentwicklung für Ludwigsdorf". So sollte ein Themendorf sich rund ums Jahr mit dem Kürbis auseinandersetzen, es sollten Stationen der Kürbisanzucht und -verarbeitung sowie Angebote für Menschen jedes Alters und zu verschiedenen Anlässen entwickelt werden. Ein Rundwanderweg durchs Dorf stand im Konzept - und mehr.

Die Präsentation der Studenten in der Kunstmühle zeigte aber auch, wie viel Energie und Ausdauer erforderlich sind, um Ludwigsdorf als Kürbis-Themendorf aufzubauen. "Tatsächlich bestand die Sofortreaktion bei den meisten der Teilnehmer in der Aufzählung der üblichen Motivationskiller", sagt Friesecke.

Kürbiswiegen in Ludwigsdorf.
Kürbiswiegen in Ludwigsdorf. © nikolaischmidt.de

Mitmachen wollte keiner

Im Heimatverein sei wenig Interesse an der Weiterentwicklung vorhanden gewesen, erklärt der Ludwigsdorfer weiter. Eine Zuspitzung ergab sich laut Friesecke, als er ein grenzüberschreitendes Projekt plante. In Polen fand er Menschen, die an der Weiterentwicklung der Kürbisaufzucht interessiert waren. "Im Heimatverein fand das Projekt keine Zustimmung", bedauert Friesecke.

Bei den jährlichen Kürbiswiegen-Festen sei von der ursprünglichen Idee für ein Kürbisdorf nichts zu spüren. "Ich empfinde es als deprimierend, dass von der Veranstaltung nur noch als 'Spektakel' gesprochen wird", sagt Friesecke heute und erfreut sich dennoch daran, dass Ludwigsdorfer ihre Häuser oder Zufahrten zur Kürbiszeit mit netten Kürbisfiguren schmücken.

Klaus und Hanka Bernhardt aus Ludwigsdorf gestalteten mit Kürbissen ein Wartezimmer in ihrem Garten - ganz coronakonform.
Klaus und Hanka Bernhardt aus Ludwigsdorf gestalteten mit Kürbissen ein Wartezimmer in ihrem Garten - ganz coronakonform. © Nikolai Schmidt/Archiv

Konzept schlief ein - es könnte geweckt werden

Sowohl beim Heimatverein als auch im Ortschaftsrat sagt das Friesecke-Konzept zum Themendorf Kürbisdorf den heute Agierenden nichts oder nur sehr wenig. Thomas Teichert, der Vorsitzende des Heimatvereins, weiß, dass Friesecke sein Konzept Anfang Mai dieses Jahres im Ortschaftsrat nochmals zur Sprache bringen wollte, es kam aber nicht dazu. "Das wäre sicher interessant, aber sämtliche Unterlagen zum Konzept liegen bei Friesecke", erklärt Teichert. So sei das Thema Kürbisdorf mit Frieseckes Abgang als Vorsitzender des Ortschaftsrates schließlich eingeschlafen.

Die Aktion des Kürbiswiegens sei eine Idee von Andreas Baumert und dem Heimatverein gewesen. Offenbar hatte niemand damit gerechnet, dass das ein großer Erfolg, ja ein Volksfest, werden würde. Gerade aus diesem Grund kann sich Teichert vorstellen, einige Ideen von Friesecke wieder aufzunehmen. Doch dazu müsse der Heimatverein erst einmal genau wissen, um welche Ideen es sich handelt.

Karsten Günther-Töpert ist Ortsvorsteher in Ludwigsdorf.
Karsten Günther-Töpert ist Ortsvorsteher in Ludwigsdorf. © nikolaischmidt.de

Einer muss sich den Hut aufsetzen

Ganz ähnlich sieht es Karsten Günther-Töpert. Er ist der Ortsvorsteher in Ludwigsdorf, und er sitzt für die Wählervereinigung "Bürger für Görlitz" im Stadtrat. Er kennt das Konzept von Friesecke nicht, da er es dem Ortschaftrat nicht zur Verfügung stellte und es zu einer Anhörung zum Thema bislang nicht kam. Die Idee eines Themendorfes an sich findet der Ortsvorsteher gut. "Aber das funktioniert nur, wenn die Aufgaben dabei auf wirklich viele Schultern verteilt werden", sagt er. Gerade das sei aber das größte Problem. Obwohl der Heimatverein aus seiner Sicht sehr rührig sei, bliebe die Arbeit an wenigen Vereinsmitgliedern hängen. "Der Verein hat nicht die personellen Reserven für solche Projekte", sagt Günther-Töpert.

Schließlich sei abzusehen, dass mit einem solchen Projekt finanzielle Mittel verbunden sind, die derzeit nicht da sind. Aus dem Görlitzer Rathaus sei ihm bereits signalisiert worden, dass ein Projekt Kürbisdorf allein aus finanziellen Erwägungen nur zustande kommen könne, wenn dafür ein anderes Projekt entfalle.

Außerdem: Werden Gelder für ein Themendorf eingeworben, werde Kontinuität in der Entwicklung erwartet. Günter-Töpert sieht derzeit nur eine Möglichkeit, das Thema anzugehen: Friesecke muss es im Ortschaftsrat vorstellen, der und alle Vereine im Ort, nicht nur der Heimatverein, müssten gemeinsam entscheiden, was geht und was nicht. Und es müsse der richtige Ton getroffen werden, um die Ludwigsdorfer für das Projekt und zum Mitmachen zu motivieren. Vor allem aber: Einer aus dem Ort müsste sich den Hut für das Projekt aufsetzen.

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