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Abfuhr für Theater-Gutachten

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange erlitt Schiffbruch mit seinen Theaterplänen. Jetzt muss er zusammen mit seinen Kritikern neue Wege suchen.

Für die Abwicklung des Görlitzer Musiktheaters gibt es keine politischen Mehrheiten.
Für die Abwicklung des Görlitzer Musiktheaters gibt es keine politischen Mehrheiten. © Pawel Sosnowski

Der Theatergipfel am Donnerstag in Görlitz ist nicht im Sinne von Landrat Bernd Lange verlaufen.

Haupt- und Finanzausschuss sowie der Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport des Kreistages besprachen auf einer Klausurberatung die Vorschläge einer Theaterstudie des Münchner Beratungsunternehmens actori. Darin war die Zusammenlegung der Schauspielsparten sowie der Orchester im Kulturraum vorgeschlagen worden, vor allem aber die Abwicklung des Görlitzer Musiktheaters. Die Inhalte der Studie waren zuvor bekannt geworden. Schon in ersten Reaktionen vor der Sitzung zeichnete sich ab, dass Lange für die Vorschläge der Studie keine Mehrheit in der Stadt Görlitz finden würde, doch der Stadtrat Görlitz muss bei solchen umfangreichen Strukturveränderungen zustimmen. Die Vorsitzende des Görlitzer Theater- und Musikvereins, Renate Winkler, warf Landrat Bernd Lange fehlende Sensibilität vor und forderte zum Widerstand gegen die Pläne auf.

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Der Vorsitzende des Stiftungsrates der Niederschlesischen Theater-Stiftung, Carsten Liebig, schloss sich der Forderung des Theater- und Musikvereins an, das Konzept öffentlich und zukunftsorientiert zu diskutieren. Die Stiftung sei bestürzt über die Pläne in dem Gutachten. Vor allem unterstützt die Stiftung den künstlerischen Nachwuchs und damit auch verbundene Veranstaltungsformate, wie die Konzertreihe für Kinder und Jugendliche. Die Stiftung sehe die große Verbundenheit, der Görlitzer mit ihrem Theater. "Dies darf keinesfalls infrage gestellt werden, denn es gehört zu Görlitz als eine familienfreundliche, lebenswerte Stadt und es kann auch nicht Inhalt einer zukunfts- und kulturorientierten Kommunalpolitik sein".

Auch Kreisgremien skeptisch gegenüber Gutachten

Doch noch nicht einmal in seinen Kreisgremien scheint er eine Mehrheit für die Abwicklung des Görlitzer Musiktheaters zu haben. Nach der Sitzung ließ er über seine Pressestelle einen einzigen Satz an die Journalisten herausgeben: „In der gestrigen Sitzung wurde mit allen Beteiligten vereinbart, dass weitere Gespräche mit der Orientierung, den Theaterstandort Görlitz zu erhalten, stattfinden werden.“

Dabei hatte er noch am Dienstag angekündigt, er wolle sich nach der Klausurtagung "konkreter zu diesem Thema äußern".

CDU-Chef Oest: Wir müssen alle Sparten erhalten

Dafür tun das nun andere. CDU-Kreisrat Florian Oest, der im September in den Bundestag will und auch die Union an der Neiße als Kreisvorsitzender führt, erklärte nach der Sitzung, dass "wir das Gerhart-Hauptmann-Theater mit seinen Sparten und seinem Programmangebot erhalten" müssen. Statt Abwicklung schwebt ihm sogar der Ausbau des Angebotes vor, beispielsweise durch ein Sommertheater am Bärwalder See oder im Schlosspark Bad Muskau. Oest begründet seinen Standpunkt damit, dass das Theater zugleich Unterhaltungs- und Bildungseinrichtung sowie ein wichtiger Standortfaktor sei. "Aktuell erlebt jeder, welch elementare Bedeutung Konzerthäuser, Theater, Kinos oder Musikclubs für die ganz persönliche Lebensqualität haben."

Linkspartei: Wir gründen eine Arbeitsgruppe Theater

Die Linkspartei, so kündigt Landtagsabgeordneter und Kreisrat Mirko Schultze aus Görlitz an, will nun eine Arbeitsgruppe Theater einberufen. Sie soll "Lösungsvorschläge erarbeiten, die die Existenz des Gerhart-Hauptmann-Theaters mit seinen Spiel- und Inszenierungsstandorten sowie die Spartenvielfalt erhalten". An dieser Arbeitsgruppe können sich auch Interessierte beteiligen. Die Linke will damit den Aufruf von Landrat Bernd Lange ernst nehmen, der in der Klausurberatung alle Fraktionen aufgerufen habe, wenn sie die Abwicklung des Musiktheaters nicht akzeptieren, dann Vorschläge zu machen, um das Theater zu retten. Hintergrund des Appells von Landrat Lange: Bis Ende nächsten Jahres beteiligt sich der Freistaat Sachsen über den Kulturpakt mit zusätzlichen Geldern an den steigenden Kosten der Theater. Wie es ab 2023 weitergeht, ist offen. Auch deswegen prüfen die Kreise in der Oberlausitz als größte Eigentümer der Theater Einsparpotenziale.

Für die Linkspartei ist die vorliegende Studie "ein Szenario des Grauens, und wir verstehen nicht, wie die Auftraggeber im Rahmen der Beratungen eines sogenannten Lenkungsausschusses den ursprünglichen Auftrag des Kreistages, die Standorte und das Angebot zu sichern, so aus den Augen verlieren konnten". Auch die Linke sehen in dem Theater ein unverzichtbares Angebot und zugleich einen wichtigen Arbeitgeber für 200 direkte und zahlreiche indirekte Beschäftigte.

Görlitzer OB: Wir wollen das Angebot nicht reduzieren

Auch der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu hält an dem Angebot des Görlitzer Theaters fest. "Wir sehen das Theater als wichtigen Standortfaktor. Es macht die Region attraktiver." Er sehe keine Möglichkeit, Einsparungen vorzunehmen, ohne das Angebot zu reduzieren. "Das Angebot wollen wir aber nicht reduzieren, weil es unsere kulturelle Landschaft schwächen würde." Zuvor hatte bereits Bürgermeister Michael Wieler keinen Zweifel daran gelassen, dass die Stadt einer Abwicklung des Musiktheaters nicht zustimmen werde.

Ursu will nun Gespräche mit dem Kreis führen, um einen "guten Weg für die Sicherung der Theaterlandschaft im Landkreis zu finden". Dabei dürfte sich der Blick vor allem auf Dresden richten. Denn zunächst müsste ja mit dem Freistaat geklärt werden, wie er seine finanzielle Unterstützung nach 2022 sieht. In den vergangenen Jahren hatte eine gemeinsame Front aller öffentlich betriebener Theater sowie deren Eigentümer Sachsen zu einem größeren Engagement bewogen. In vorauseilendem Gehorsam nun bereits Spartenstreichungen zu beschließen, bevor nicht mit Dresden verhandelt wurde, sehen alle Beteiligten im Kreistag sowie in den Städten als Fehler an.

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