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Neuer Intendant stellt nächste Spielzeit vor

Kurz vor der großen Premiere von Evita gibt das Gerhart-Hauptmann-Theater einen Ausblick in die kommende Saison. Neu wie der Theaterchef ist auch der Biber im Logo.

Anna Gössi ist ab 11. Juni im Sommermusical "Evita" in der Hauptrolle im Görlitzer Stadthallengarten zu sehen.
Anna Gössi ist ab 11. Juni im Sommermusical "Evita" in der Hauptrolle im Görlitzer Stadthallengarten zu sehen. © Artjom Belan

Das Gerhart-Hauptmann-Theater kehrt ins Leben zurück. Am Freitag hat endlich "Evita" im Görlitzer Stadthallengarten Premiere, das die Sänger, Tänzer und Musiker schon voriges Jahr für ihr Publikum aufführen wollten, aber wegen Corona nicht durften.

Und nicht nur die Proben haben seit Mai immer wieder Schaulustige angelockt, nicht nur fantastische Bühnenbauten mit der Stadthalle als Kulisse sind entstanden. Auch den Spielplan für die kommende Saison hat das Theater erarbeitet, ein Programm, das sich sehen lassen kann. Dafür hat der zukünftige Generalintendant Daniel Morgenroth mit seinem teils neuen, teils bekannten Team in Görlitz und Zittau zusammengearbeitet. Gemeinsam stellten sie den Spielplan am Donnerstag vor.

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Neue Besetzungen

Zu den "Neuen" gehört Martin Stefke als künftiger Chefdramaturg, der in allen Sparten künstlerisch mitwirkt. Er kommt aus Ost-Berlin, war Kulturreporter und Dramaturg in Senftenberg und Rostock. Zuletzt hat er am Theater Konstanz gearbeitet und schloss sich Daniel Morgenroth gern an. Stefke beruhigte am Donnerstag beim Thema Theatergutachten. "Als ich in Rostock ankam, hatte die Firma Actori gerade Spartenstreichungen empfohlen."

Zukünftiges Team am Gerhart-Hauptmann-Theater: Chefdramaturg Martin Stefke, Generalintendant Daniel Morgenroth; Schauspielleiter Ingo Putz.
Zukünftiges Team am Gerhart-Hauptmann-Theater: Chefdramaturg Martin Stefke, Generalintendant Daniel Morgenroth; Schauspielleiter Ingo Putz. © Pawel Sosnowski (l., m.), privat

Doch bis heute sei Rostock ein Vierspartenhaus. Ein weiteres neues Gesicht ist der Nachfolger von Dorotty Szalma: Ingo Putz, mehrfach preisgekrönter Regisseur und Leiter des Jungen Theaters in Konstanz, wird nun Schauspielleiter in Zittau. Und es gibt zwei Theaterpädagoginnen, die Kinder und Jugendliche fürs Theater begeistern wollen.

Neues Logo mit zwinkerndem Biber

Wer das Spielzeitheft in die Hand nimmt oder die Plakate entdeckt, die überall in Zittau und Görlitz hängen, wird entdecken, dass auch das Logo des Theaters neu ist: ein zwinkerndes Bibergesicht neben dem Schriftzug des Theaters und beiden Städtenamen. Daniel Morgenroth begründete die Wahl damit, dass der Biber an der Neiße heimisch sei, über Grenzen gehe und mit kreativen Ideen vieles umgestalte – genau wie das Gerhart-Hauptmann-Theater.

Foto: GHT
Foto: GHT © GHT

Hoffnung auf Ende der Pandemie

Der Ausblick auf den Herbst ist zunächst mit der Hoffnung verbunden, dass wieder mehr Theater möglich ist als in den vergangenen Monaten. Die Stuhlreihen, zumindest ein Teil davon, sind im Görlitzer Theatersaal bereits wieder eingebaut. Bei den letzten Vorstellungen im Oktober hatten die Zuschauer an Tischchen gesessen. Daniel Morgenroth hofft, dass ab September wieder ein Drittel bis die Hälfte aller Plätze beider Häuser besetzt werden können, vermutlich unter Hygieneauflagen.

Motto "Brennende Herzen"

Görlitz wird die Spielzeit am 11. September mit einer Gala und einem Tag der offenen Tür am nächsten Tag beginnen, Zittau identisch am 25. und 26. September. Alles, was danach kommt, steht unter dem Motto "Hearts on Fire – brennende Herzen". Zukünftig soll jede Saison ein Motto haben, alle Sparten werden ihr Programm danach ausrichten und gemeinsam den Spielplan gestalten: Die Häuser sollen mehr zusammenwachsen. Das Motto für 2021/22 entstand aus der Freude der Ensembles, nach der langen Pause wieder Theater machen zu können. "Wir wollen Optimismus und Euphorie verbreiten", sagt Morgenroth.

Konzerte mit Musik fürs Herz

So startet die Spielzeit im September mit dem 1. Philharmonischen Konzert mit Musik russischer Komponisten. Um Herzensäußerungen wie Liebe, Leidenschaft, aber auch Neid und Rache gehe es in den Konzerten, sagt Generalmusikdirektorin Ewa Strusinska, deren Vertrag für die nächsten zwei Jahre verlängert wurde. In weiteren Konzerten spielt die Neue Lausitzer Philharmonie Werke spanischer, französischer, ungarischer, deutscher und österreichischer Komponisten: klassische, romantische, aber auch moderne Werke.

Musiktheater mit Kinderoper

Die erste Musiktheaterpremiere ist im Oktober 2021 zu erleben. Die Operette "Der liebe Augustin" enthält zwar beliebte Arien wie "Und der Himmel hängt voller Geigen", wird aber nur selten gespielt, zuletzt in den 1980er Jahren. Klaus Arauners Abschiedsinszenierung der Brecht- und Weill-Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny", auf die er sich schon in der vergangenen Spielzeit vorbereitet hatte, wird nun endlich ab November zu erleben sein.

Das Musical "Once" wurde vor zehn Jahren in New York uraufgeführt und wird seitdem auf der ganzen Welt gespielt. Erstmals gibt es mit "Schneewittchen" wieder eine Kinderoper. Die musikalische Liebesgeschichte "Mack und Mable" im Hollywood der 1920er hat im März Premiere. Und im Juni kommt endlich "Don Giovanni" auf die Bühne, der genau wie "Mahagonny" verschoben wurde.

Schauspiele um Liebe und Begierde

Das Zittauer Ensemble steigt im Oktober mit "Slapstik" ein, einem Stück über Charlie Chaplin, der die Menschen als Tramp zum Lachen brachte, aber mit Karrierebrüchen, dramatischen Liebschaften, der Einführung des Tonfilms und der Ausweisung aus seiner Heimat zu kämpfen hatte. Im November folgt das Weihnachtsmärchen "Dornröschen", in dem aber kein Mädchen wachgeküsst und geheiratet wird, sondern selbst bestimmt, wann und wie es aufwacht.

In der Komödie von Dario Fo "Offene Zweierbeziehung" geht es um die Frage der Treue in der Liebe genau wie viel später in Strindbergs "Fräulein Julie". Auch dazwischen bringt Zittau Interessantes auf die Bühne, etwa den Science-Fiction-Thriller "Die Laborantin", die "Nacht der Begierden", in der zwei Stücke zu sehen sind, darunter eine Inszenierung von Patricia Hachtel. Auf der Waldbühne ist mit dem "Grafen von Monte Christo" ein echtes Mantel- und Degen-Stück zu sehen.

Tanz zur Wiederauferstehung

Das Tanzensemble bietet in dieser Spielzeit drei neue Stücke. "Phönix", das zeigt, wie es Menschen auch nach großen Krisen immer wieder schaffen, Neues aufzubauen. In "Zerrinnerung" geht es um die Vergänglichkeit von Erinnerung, und in "Viva Vivaldi" werden die Tänzer zu Choreografen.

Übernommen aus der Corona-Zeit

Mehrere Inszenierungen konnten 2020/21 wegen der Pandemie gar nicht aufgeführt werden oder wurden nur selten gespielt. Deshalb werden "Die Fledermaus" und "Tosca" wiederaufgenommen, auch das Tanzstück "Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen" steht wieder im Spielplan. Von den Zittauer Stücken dieser Saison taucht zunächst keines im neuen Programm auf, aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Der Spielplan wurde erstellt, als noch unklar war, wie viele Inszenierungen ausfallen würden. Und einige Stücke haben in den kommenden Wochen noch Premiere. So "Die Schöne und das Biest" an diesem, Stephen Kings "Misery" am nächsten Sonnabend und "Warte nicht auf den Marlboro-Mann" am 14. Juli.

Premieren

Musiktheater

  • 2. Oktober Der liebe Augustin
  • 9. Oktober Tosca (Wiederaufnahme)
  • 13. November Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
  • 27. November Weihnachtskonzert
  • 1. Dezember Once, Musical
  • 17. Dezember Die Fledermaus (Wiederaufnahme)
  • 5. März Schneewittchen
  • 16. April Mack und Mabel
  • 4. Juni Don Giovanni

Schauspiel

  • 16. Oktober Slapstick
  • 6. November Dornröschen
  • 20. November Offene Zweierbeziehung
  • 22. Januar Die Laborantin
  • 26. Februar Die spanische Fliege
  • 2. April Nacht der verbotenen Begierden: Blackbird & Sieh mich an, wenn ich mit dir rede
  • 9. April Name: Sophie Scholl
  • 21. Mai Fräulein Julie
  • 9. Juli Der Graf von Monte Christo, Waldbühne

Tanz

  • 15. Oktober Phönix
  • 10. Dezember Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen
  • 15. Januar Zerrinnerung
  • 17. Juni Viva Vivaldi

Spartenübergreifend 14. Mai MALF!

Theaterserie 13. Oktober Selfies einer Utopie

Philharmonische Konzerte

  • 14. September Liebesbriefe aus Russland
  • 19. Oktober Spanisches Feuer, französische Glut
  • 1. Januar Gerührt, nicht geschüttelt!
  • 4. Februar Opus 39
  • 17. März Mut und heißes Begehren
  • 28. April Junge Liebe, junger Schmerz
  • 15. Juni Majestätisch

Unterhaltungskonzerte 10. Oktober, 7. November, 23. Januar, 3. April, 8. Mai

Junge Konzerte 26. September, 21. November, 23. Januar, 20. März, 22. Mai

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