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So sieht es jetzt im Görlitzer Theater aus

Wenn am Sonnabend das "Land des Lächelns" Premiere hat, ist im Saal vieles anders als sonst. Zum Beispiel kommt die Musik von oben.

Im Görlitzer Theater wurde einiges verändert, damit die Abstände eingehalten werden können.
Im Görlitzer Theater wurde einiges verändert, damit die Abstände eingehalten werden können. ©  SZ-Archiv / André Schulze

Wer in der neuen Spielzeit schon im Theater war, kennt den Komfort der neuen Saalgestaltung bereits: Als Zuschauer sitzt man an kleinen Tischen, bekommt Speisen und Getränke serviert, unter den Füßen ist weicher Teppich statt Parkett. Bei der ersten Musiktheaterpremiere am Sonnabend, "Land des Lächelns", ist noch mehr verändert, vor allem das musikalische Erlebnis. 

Neues Arrangement für kleinere Besetzung

Denn die Musiker der Neuen Lausitzer Philharmonie füllen den ersten Rang, Paukerin, Schlagzeuger und ein Teil des Chors den zweiten. "Der Klang kann sich nun im ganzen Saal ausbreiten", sagt Generalmusikdirektorin Ewa Strusinska. "Wir glauben, dass dem Publikum das sehr gefallen wird."

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Wegen der Abstandsregelungen musste das Orchester halbiert werden, und weil Franz Lehár die Operette für eine viel größere Besetzung als für 23 Musiker komponiert hat, arrangierte Chordirektor Albert Seidl das Werk neu. "Der Farbenreichtum der Musik sollte ja erhalten bleiben", sagt er. Deshalb habe er wichtige Passagen, die sonst weggefallen wären, für andere Instrumente umgeschrieben, die in der Zeit pausieren würden.

Für Ulrich Kern, der die Operette mit dem Orchester und den sechs Solisten einstudiert hat, ist es ungewohnt, von der Seite des ersten Rangs aus zu dirigieren. "Diese Situation, das Publikum zwischen Orchester und Bühne, gab es noch nie", sagt er. Manche Musiker sitzen jetzt weit weg von ihm, die Sänger müssen aus viel größerer Entfernung als üblich auf ihn achten. "Aber es ist nur anders als sonst", sagt er, "man gewöhnt sich daran." Für die Kommunikation zwischen Bühne und Orchester gebe es außerdem Monitore, wie sonst auch.

Musiker schätzen entspannte Atmosphäre

"Für mich ist es eine schöne Erfahrung, in dieser Situation spielen zu können und auch mal das Geschehen auf der Bühne zu sehen", sagt Martin Bandel, Solofagottist im Orchester. Das Musizieren sei entspannt, zum einen durch die Abstände, zum anderen könne das Orchester leiser spielen als im Orchestergraben, wo es manchmal so laut sei wie bei einem Flugzeugstart. "Man hört die Kollegen besser, der Klang ist differenzierter", sagt Martin Bandel. "Das macht es interessant." 

So sieht es auch Konzertmeister Wassili Tarabuko. "In der kleineren Besetzung auf Abstand hört man jede einzelne Stimme, also muss jeder wie ein Solist Verantwortung übernehmen, das ist gut." Sein Kollege am Cello, Markus Wehrle, findet den großen Abstand hingegen problematisch. "Etwas mehr Platz zu haben als im Graben ist ein Vorteil, aber man hat auch weniger Kontakt zu den Kollegen." Die Pianistin Olga Dribas sagt: "Im Graben steht mein Klavier manchmal fast im Gang, das ist jetzt besser." Vor allem aber ist sie froh, überhaupt arbeiten zu können. "In Liberec haben wir wieder nichts zu tun, dort wurde das Theater gerade geschlossen."

Einig sind sich die Musiker jedoch über die neue Sitzplatzgestaltung für das Publikum: "Ich finde es  schön, dass die Zuschauer während der Vorstellung etwas trinken können", sagt zum Beispiel Martin Bandel, "diese entspannte Atmosphäre passt doch gut zu einer Operette." 

Andere Häuser bauen die Sitze schon wieder ein

Für diesen Umbau hat das Theater einigen Aufwand betrieben. Alle Sitze wurden ausgebaut, im Unterschied zum Haus in Zittau, wo nur jede zweite Reihe fehlt. "Wir wollten uns den aktuellen Anforderungen bewusst ein wenig spielerisch stellen", sagt Generalintendant Klaus Arauner. "Schließlich lebt ein Theaterabend auch von der genussvollen Atmosphäre im Zuschauerraum."

Um die Kosten gering zu halten, waren an der Umgestaltung des Saales vor allem die Werkstätten des Theaters beteiligt. Das Material wird teils nach dem Rückbau weiter genutzt, zum Beispiel für „Evita“ im Stadthallengarten, die wegen der abgesagten letzten Spielzeit auf 2021 verlegt wurde. An einen so schnellen Rückbau wie etwa das Berliner Ensemble, wo die Sitzreihen schon wieder eingebaut wurden, ist im Görlitzer Theater allerdings nicht zu denken. Für Musiktheater, wo sich das Publikum einen Luftraum mit Sängern und Bläsern teilt, gelten strengere Bedingungen als im Sprechtheater.

Alle Karten für "Land des Lächelns" sind momentan ausverkauft. Doch da jetzt nur rund 90 Zuschauer in den Saal passen, erhöht das Theater die Spielfrequenz. "Das gilt für Konzerte, Schauspiel, Tanztheater", sagt Klaus Arauner, "und natürlich auch das Musiktheater."

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