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So feiern die Görlitzer 950 Jahre

Die Pläne zum großen Stadtjubiläum werden konkreter, die Vorbereitungen beginnen.

950 Jahre zum Anfassen: In der Schlesischen Schatztruhe gibt es schon erste Souvenirs zum 950. Geburtstag von Görlitz. Sybilla Mor zeigt eine 950-Jahre-Uhr.
950 Jahre zum Anfassen: In der Schlesischen Schatztruhe gibt es schon erste Souvenirs zum 950. Geburtstag von Görlitz. Sybilla Mor zeigt eine 950-Jahre-Uhr. © André Schulze

Lange war alles recht vage. Inzwischen können die Görlitzer sich ein besseres Bild von dem machen, was sie nächstes Jahr erwartet - wenn sie 950 werden. Spätestens seit in dieser Woche die Preisträger des "Wir sind Görlitz"-Wettbewerbs bekannt gegeben wurden, ist klar, das wird eine bunte Mischung aus Projekten sowie kleineren und größeren Festen. 164 Ideen hatten die Görlitzer eingereicht - vor allem von Vereinen und Einrichtungen kamen sie. Eine Zahl, die OB Octavian Ursu und Bürgermeister Michael Wieler umgehauen hat. "In den zwölf Jahren, die ich jetzt im Görlitzer Rathaus bin, habe ich noch bei keinem Projekt eine solche Breite erlebt", sagt Michael Wieler.

Die Hoffnung, die die Stadt hatte, kann sich nun erfüllen. Nämlich dass es kein Fest für die Bürger wird, wo alles auf einer Bühne stattfindet und das Publikum nur konsumiert, sondern dass quasi die Görlitzer selbst ihren 950. Geburtstag auf die Beine stellen. Die besten Ideen wurden hier mit 5.000 Euro bedacht. Diese Summe bekommt beispielsweise Puppenspielerin Anne Swoboda, die mit einem theatralischen Stadtspaziergang mit Puppen, aber auch Menschen Görlitzer Geschichte darstellen will. Dieser Stadtspaziergang soll auch nach dem Jubiläumsjahr weitergehen. 

Familien aufgepasst
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Zuletzt war Anne Swoboda 2019 mit ihrem Theater7Schuh im Stück "Die Grimmschwestern" zu sehen. Für 950 Jahre Görlitz plant sie nächstes Jahr wieder etwas Außergewöhnliches.
Zuletzt war Anne Swoboda 2019 mit ihrem Theater7Schuh im Stück "Die Grimmschwestern" zu sehen. Für 950 Jahre Görlitz plant sie nächstes Jahr wieder etwas Außergewöhnliches. © Archivfoto: PR

2021 soll es auch ein Görlitzer Sommerkino geben. Das Team vom Camillo Kino hat sich das als Beitrag zur 950-Jahr-Feier überlegt und dafür 1.000 Euro gewonnen. Ort soll der Stadthallengarten sein. Zwei Wochen im August werden dort ausschließlich in Görlitz gedrehte Filme laufen. Ein breites Publikum soll zudem "Görlitz singt und klingt" ansprechen. Die Evangelische Innenstadtgemeinde will das veranstalten, dafür gibt es von der Stadt 1.000 Euro. Geplant ist, dass alle Chöre aus der Stadt und dem Umland öffentlich zusammen singen, außerdem sollen Bläser über den Dächern der Stadt spielen. Die musikalischen Treffen sollen im gesamten Jahr stattfinden.

All diese und noch einige mehr der Projekte sind durchaus touristentauglich - heißt, damit kann man - vor allem in der Hochzeit des Tourismus, im Sommer - Gäste in die Stadt ziehen. Gerade bei Tourismusanbietern wuchs in letzter Zeit Unverständnis darüber, dass die 950 Jahre noch nichts Greifbares bieten, dass sie kaum planen und werben können. Das hat sich jetzt geändert. Denn der grobe Plan, die wesentlichen Vorhaben stehen nun. Eine große Festwoche, vielleicht sogar mit Festumzug, solche Dinge sind für Görlitz nicht vorgesehen. Das Altstadtfest natürlich schon. Wenn es Corona 2021 wieder zulässt, soll es auch unter dem Aspekt des Stadtjubiläums gefeiert werden. 

Görlitz-Souvenirs zum 950. Geburtstag der Stadt, sie gibt es unter anderem im Touristbüro ivent und in der Schlesischen Schatztruhe.
Görlitz-Souvenirs zum 950. Geburtstag der Stadt, sie gibt es unter anderem im Touristbüro ivent und in der Schlesischen Schatztruhe. © André Schulze

So sehr Touristenmagnet muss ein Stadtjubiläum nicht sein, findet man jedenfalls bei der Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH (EGZ):  "Stadtjubiläen sind vor allem wichtig für die Bürger der Stadt, denn diese sollen sich ja mit ihrer Stadt und ihrer Geschichte identifizieren und diese feiern", sagt Prokuristin Eva Wittig. "Wenn keine außerordentlichen Events geplant sind, spielt es für die Tourismuswerbung nicht so die zentrale Rolle. Natürlich werden wir die Veranstaltungen und geplanten Projekte auch an die Touristen kommunizieren, aber eben nicht vordergründig als Reiseanlass."

Vielleicht ist es aber doch Reiseanlass - und zwar für ehemalige Görlitzer, die zum Jubiläum mal wieder in die Heimat kommen. Eric Kittelmann - selbst Görlitz-Rückkehrer - organisiert seit vergangenem Jahr das seit 2004 stattfindende Absolvententreffen der Görlitzer Gymnasien in der Landskron Brauerei. Für 2021 stellt er sich vor, 950 Absolventen zusammenzutrommeln. Auch er hatte dafür einen Antrag beim Ideenwettbewerb. "Wir sind leider nicht berücksichtigt worden, vielleicht fehlte die Einmaligkeit", bedauert Kittelmann. "Ausfallen wird das Treffen deshalb nicht, aber der Rahmen wird ein anderer sein." Aber wer weiß: Vielleicht bekommt die Idee ja doch noch eine Chance. 

Zweite Chance für die Verlierer

Denn viele der 129 nicht mit Geld bedachten Projekte seien es dennoch wert, umgesetzt zu werden, hieß es bei der Prämierung in dieser Woche. Die Stadt hatte ihr ausgelobtes Preisgeld in Höhe von 65.000 Euro auf 35 Projekte verteilt. Nun will wahrscheinlich die Veolia-Stiftung einspringen und weitere Vorhaben fördern. Das kündigte Bürgermeister Michael Wieler an, der Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist. 

Görlitzer Art 2016: Viele erinnern sich vielleicht noch an eines der auffälligsten Kunstwerke der Freiluft-Ausstellung - die Maske am Bahnhof. Im kommenden Jahr sind zum 950. Stadtjubiläum neue Kunstwerke zu erwarten.
Görlitzer Art 2016: Viele erinnern sich vielleicht noch an eines der auffälligsten Kunstwerke der Freiluft-Ausstellung - die Maske am Bahnhof. Im kommenden Jahr sind zum 950. Stadtjubiläum neue Kunstwerke zu erwarten. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

So ist also 2021 eine Fülle an Veranstaltungen und Aktionen zu erwarten - die meisten in den Sommermonaten und damit hoffentlich wieder in einer coronaarmen Zeit. Viele Vorhaben seien aber dennoch so konzipiert, dass Hygienevorschriften eingehalten werden können, das Stadtjubiläum Corona also nicht zum Opfer fallen wird - welche Entwicklung die Pandemie auch nimmt.

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So sind auch die Kunstwerke der Neuauflage von Görlitzer Art nicht von der Corona-Situation abhängig. Anlässlich des 950-jährigen Jubiläums der Ersterwähnung der Stadt Görlitz wird es eine zweite Auflage von Görlitzer Art - zusammen mit der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Dresden - geben. Kommende Woche werden die Siegerprojekte vorgestellt. Die ausgewählten Projekte werden vom 1. Juli 2021 bis 30. Juni 2022 an verschiedenen Standorten in Görlitz präsentiert und geben der Geburtstagsstadt somit eine weitere Facette.

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