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Görlitzer Landrat wirbt für neue Theaterstrukturen

Auf einer Sitzung des Oberlausitzer Kulturraumes hält Bernd Lange Veränderungen bei der Finanzierung ab 2023 für sicher. Unklar ist, wie sie aussehen.

Die Theaterdiskussion in der Oberlausitz beginnt, ohne dass Klarheit über die Rahmenbedingungen herrscht.
Die Theaterdiskussion in der Oberlausitz beginnt, ohne dass Klarheit über die Rahmenbedingungen herrscht. © Pawel Sosnowski

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange hat die Sitzung des Konvents des Oberlausitzer Kulturraums genutzt, um für die Notwendigkeit von Einsparungen bei den Theatern ab 2023 zu werben.

„Die Theaterfinanzierung in der Oberlausitz wird in den nächsten Jahren neu geregelt werden. Zwei Drittel des Kulturraumbudgets fließen derzeit in die Darstellende Kunst“, so Lange. Ganz stimmt das nicht, es ist etwas weniger. Aber Lange betonte, es seien auch noch andere Sparten zu finanzieren. Problematisch für den Kulturraum ist, dass der sogenannte Kulturpakt in Sachsen Ende 2022 ausläuft. Darüber fließt derzeit Extra-Geld des Freistaates an die Kulturräume. So können Mitarbeiter an den Theatern nach dem Flächentarif bezahlt werden. Doch ob es dafür ab 2023 weiter Mittel gibt, ist offen.

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Bis Ende 2022 ist die Theaterfinanzierung noch sicher

Deswegen wurde bei der Münchner Beratungsfirma actori ein Gutachten in Auftrag gegeben, dessen vertiefte Ergebnisse seit Dezember den Landkreisen Görlitz und Bautzen vorliegen. In der vergangenen Woche wurde das Konzept auf einer Klausurtagung im Kreis Görlitz behandelt, nachdem die SZ die Details des immer noch streng vertraulichen Materials bekannt gemacht hatte. Seitdem reißen die Proteste gegen die Vorschläge nicht ab.

Demnach sollen die Schauspielsparten und Orchester im Kulturraum zusammengelegt werden. Die Neue Lausitzer Philharmonie in Görlitz würde mit dem Sorbischen Nationalensemble in Bautzen fusionieren. Das Musiktheater-Ensemble und das Ballett in Görlitz könnten ganz aufgelöst werden.

Landrat Bernd Lange kündigte jetzt an, erstmals am kommenden Montag auf einer digitalen Pressekonferenz über das Gutachten zu informieren.

Für das nächste Jahr ist hingegen die Theater-Förderung gesichert, wie beim Kulturkonvent bestätigt wurde. Demnach soll sich an der Höhe der Zuwendungen für die drei Bühnen zunächst nichts ändern. Das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen werde voraussichtlich rund 2,3 Millionen Euro erhalten, das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau über 6,8 Millionen Euro und das Sorbische National-Ensemble in Bautzen 260.000 Euro. Das seien Orientierungswerte. Endgültig beschlossen werde die Förderung wohl im Oktober.

Veranstalter müssen Programme wegen Corona streichen

Mindestens ein genauso wichtiges Thema für die Kultur ist die Corona-Pandemie und ihre Folgen. Die Ungewissheit für Kulturveranstaltungen in der Oberlausitz bleibt wegen der aktuellen Corona-Situation hoch. Gerade hat die Löbauer Nikolaikirchgemeinde eine Abendmusik abgesagt. Der Start des Oberlausitzer Orgelsommers am 1. Mai wurde verschoben auf „sobald die Sieben-Tage-Inzidenz dies zulässt“, wie Organisator Christian Kühne aus Löbau informiert. In den September verlegt wurde am Dienstag zudem das Neiße-Filmfestival, das am 18. Mai beginnen sollte. Das Straßentheaterfestival „Via Thea“ in Görlitz findet nicht statt. Ein Alternativformat werde gesucht. Das vom Bund finanzierte Lausitzfestival in Sachsen und Brandenburg soll es auch dieses Jahr geben. Das zumindest bestätigt Sprecher Friedrich Carl.

Das für 2021 vorbereitete und nach langer Zeit wieder angedachte „Schlesische Musikfest“ kann wegen der Pandemie aber nicht über die Bühne gehen. Stattdessen will das zuständige Kuratorium „Schlesische Lausitz“ zu vier Konzerten unter dem Motto „Jahr der Orgel 2021“ einladen. Der Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien, der das Musikfest fördern wollte, hat zugestimmt, dass dafür über 2.600 Euro an Kulturraum-Geld zur Verfügung gestellt wird.

Vertreter der Landkreise Bautzen und Görlitz, der Stadt Görlitz und der Stiftung für das Sorbische Volk haben als zuständige Konventsmitglieder weitere Projekt- und Investitionsmittel vergeben. Die Musikschule „Johann Adam Hiller“ in Görlitz erhält 6.000 Euro für eine Internetplattform und eine Musikschul-App, also ein Programm über das Online-Unterricht in Corona-Zeiten möglich ist. Der Kulturraum selbst will Geld in die eigene Webseite „www.kulturraum-on.de“ stecken. Eingeplant dafür sind über 2.600 Euro.

Sachsen gibt mehr Geld für Kultur-Investitionen

Positive Signale kamen vom Freistaat bei zwei anderen finanziellen Themen. So sollen 3,2 Millionen Euro, die momentan aus den Kulturraum-Mitteln für die Sächsischen Landesbühnen abgezweigt werden, wieder in die regionalen Kulturräume fließen. Für die Landesbühnen werde eine andere Finanzierung gesucht, wie Kulturraumsekretär Joachim Mühle informierte. Vor reichlich fünf Jahren hatte Sachsen entschieden, Geld aus dem Etat der Kulturräume an die Radebeuler Bühne umzuleiten. Das hatte für Kritik gesorgt.

Laut Joachim Mühle habe der Freistaat auch für den Bereich Investitionen im Kultursektor mehr Geld angekündigt – und zwar drei Millionen Euro für alle sächsischen Kulturräume. Noch müsse das aber im Doppelhaushalt für Sachsen beschlossen werden. Doch weil Kulturraum-Chef Bernd Lange davon ausgeht, dass dies im Mai passiert, wurde für den 25. Juni schon mal ein Sonderkonvent angesetzt, um die zusätzlichen Finanzen zu verteilen.

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