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Görlitzer Museum gibt NS-Raubkunst zurück

Die Görlitzer Sammlungen suchten nach dem rechtmäßigen Erben von Gläsern. Ein Zufall half. Jetzt gingen die Exponate nach Sydney.

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Das sind die vier Gläser von Friedrich Egermann aus der Sammlung Wilhelm Perlhöfter.
Das sind die vier Gläser von Friedrich Egermann aus der Sammlung Wilhelm Perlhöfter. © K. Zinnow

Ein Paket aus Görlitz ist Anfang des Jahres in Sydney angekommen. Gut zwei Monate war es unterwegs, berichtet Kerstin Gosewisch von den Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur. Der Inhalt war „wunderschön verpackt“, wie David Logan per E-Mail den Görlitzer Sammlungen versicherte. Gemeinsam mit der Hauptkuratorin des Sydney Jewish Museums hat er das Paket geöffnet: Es enthielt eines der Lithyalingläser von Friedrich Egermann aus dem Kunstbesitz von Wilhelm Perlhöfter.

Der Breslauer Kolonialwarenhändler Perlhöfter war Mitglied der Gesellschaft der Kunstfreunde beim Schlesischen Museum der bildenden Künste und des Vereins des Jüdischen Museums Breslau und hatte eine eindrucksvolle Kunstsammlung zusammengetragen. Neben englischen Teekannen und venezianischen Fadengläsern gehörten dazu Werke der Malerei und Gläser der Biedermeierzeit schlesischer und nordböhmischer Herkunft, darunter auch repräsentative Lithyalingläser (Steingläser). Perlhöfter war nach den Ereignissen der Reichspogromnacht im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert worden. Nach seiner Entlassung 1939 emigrierte er mit seiner Familie nach England, wo er 1948 in London verstarb.

Vier Gläser kamen nach Görlitz

Die Bewertung und Verteilung seiner Sammlung erfolgte durch Siegfried Haertel und Gustav Barthel. Der damalige Görlitzer Museumsdirektor Sigfried Asche erhielt vier Lithyalingläser, die sich im Sammlungsbestand des Kulturhistorischen Museums Görlitz erhalten haben. Die 2016/17 mit Unterstützung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste und der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen durchgeführte Prüfung der Provenienzen aller zwischen 1933 und 1945 erworbenen Sammlungsgüter im Bestand des heutigen Kulturhistorischen Museums Görlitz ergab 150 eindeutige Funde und fünf Verdachtsfälle, darunter auch jene Lithyalingläser aus der Sammlung Perlhöfter.

Den Transparenzrichtlinien der Washingtoner Prinzipien entsprechend, wurden die Sammlungsstücke im Portal Lost Art (www.lostart.de) als Fundmeldung eingestellt. Zudem sieht sich die Stadt Görlitz als Trägerin des Kulturhistorischen Museums und Eigentümerin der Sammlungsgüter der Washingtoner Erklärung von 1998 verpflichtet. 44 Staaten haben unterzeichnet, dass sie von den Nationalsozialisten beschlagnahmte Kunstwerke identifizieren, Alteigentümer und Erben ausfindig machen und mit diesen eine gerechte und faire Lösung finden. Mit Zustimmung des Stadtrates der Großen Kreisstadt Görlitz im Januar 2018 hat das Kulturhistorische Museum daraufhin in freiwilliger Selbstverpflichtung versucht, die rechtmäßigen Erben der als NS-Raubkunst identifizierten Stücke ausfindig zu machen und ihnen eine Rückgabe anzubieten.

Cousine stieß auf Schau im Kaisertrutz

Der Zufall spielte hier eine ganz besondere Rolle: Auf der Suche nach Informationen über ihren Großvater im Jahr 2018 stieß eine der südamerikanischen Cousinen von David Logan auf die Ausstellung über Raubkunst im Kulturhistorischen Museum Görlitz Kaisertrutz und erfuhr, dass es vier Stücke aus der Perlhöfter-Sammlung gäbe, die 1939 der Familie entzogen worden waren, und das Museum auf der Suche nach den rechtmäßigen Erben war. So konnte David Logan, der Sohn von Renate Perlhöfter, der jüngeren Tochter von Helene und Wilhelm Perlhöfter, als einer der Erben ermittelt werden. „Wir sind froh, dass die Suche hier zu einem Ergebnis geführt hat und haben Kontakt aufgenommen, um die Rückgabe zu vereinbaren“, erklärte Dr. Jasper von Richthofen, Direktor der Görlitzer Sammlungen.

David Logan zeigt das an ihn zurückgegebene Glas. Er hat das dem Sydney Jewish Museum gestiftet.
David Logan zeigt das an ihn zurückgegebene Glas. Er hat das dem Sydney Jewish Museum gestiftet. © Roslyn Sugarman

Drei der Gläser konnten durch das Museum von den Erben zu marktüblichen Preisen angekauft werden, ein viertes wurde auf Wunsch zurückgegeben. David Logan hat das Steinglas dem Sydney Jewish Museum gestiftet, wo es seit wenigen Tagen ausgestellt ist. „Im Namen des Jüdischen Museums von Sydney möchte ich Ihnen und dem Görlitzer Museum meinen Dank für die Großzügigkeit des Geistes dafür aussprechen, dass ein Lithyalin-Artefakt aus der Sammlung von Wilhelm Perlhöfter an einen Nachkommen in Sydney zurückgegeben wurde. Es ist ein wunderschönes Stück und wir freuen uns, die Verwalter zu sein. Ich bin dem Spender David Logan sehr dankbar, der das Jüdische Museum von Sydney als geeigneten Ort für die Pflege des Gegenstands für die Nachwelt betrachtete, damit wir über diesen Aspekt der Nazizeit sprechen können: Raubkunst und Rückführung an rechtmäßige Nachkommen“, schrieb die Hauptkuratorin des Sydney Jewish Museums, Roslyn Sugarman und kündigte an, dass sie mit dem ansässigen Historiker, Professor Konrad Kwiet, einen Essay über seine Bedeutung für das Museum schreiben wird.

In einer kurzen Pressenotiz berichtete The Australian Jewish News am 23. April über das zurückgegebene Glas, in The Sydney Morning Herold hat John McDonald am 17./18. April einen größeren Beitrag verfasst. Die Görlitzer Sammlungen werden diese besondere Geschichte ausführlich in einem Beitrag im Görlitzer Magazin darstellen.

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