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Sternstunde für die Görlitzer Synagoge

Am Montag wurde das neue Kulturforum eröffnet. Als Zeichen gegen Antisemitismus, als Beispiel für ostdeutschen Denkmalschutz und als Symbol der Freude.

Zur Eröffnung des Kulturforums Görlitzer Synagoge war Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, eingeladen.
Zur Eröffnung des Kulturforums Görlitzer Synagoge war Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, eingeladen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Wie bunt und lebensfroh es in der Görlitzer Synagoge werden könnte – trotz der ehrwürdigen Ausstrahlung des goldenen Kuppelsaals, trotz Wehmut und Holocaust –, konnte man sich am Montag gut vorstellen, schon bevor sie am späten Nachmittag feierlich eröffnet wurde.

Alex Jacobowitz, Vertreter des Vereins Jüdische Gemeinde Görlitz/Zgorzelec, hatte ein paar Musiker aus Osteuropa mitgebracht, die ein, zwei jüdische Lieder spielten und fröhliche Stimmung in der Otto-Müller-Straße verbreiteten.

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Alex Jacobowitz von der Jüdischen Gemeinde Görlitz/Zgorzelec (r.) hatte Musiker wie Fritz Tarjan aus Budapest eingeladen, die vor der offiziellen Eröffnung des Kulturforums Görlitzer Synagoge Musik spielten.
Alex Jacobowitz von der Jüdischen Gemeinde Görlitz/Zgorzelec (r.) hatte Musiker wie Fritz Tarjan aus Budapest eingeladen, die vor der offiziellen Eröffnung des Kulturforums Görlitzer Synagoge Musik spielten. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Dass die jüdische Kultur wieder Einzug in deutschen Städten halte, dass sie hier, wo den Juden schlimmstes Leid widerfahren ist, wieder aufblühen könne, das nannte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in ihrem Grußwort "das größte Geschenk der deutschen Nachkriegsgeschichte".

Staatsministerin warnt vor Antisemitismus

Dennoch sei der Antisemitismus nicht gebannt. Auch deshalb habe sich der Bund mit 2,8 Millionen Euro an den insgesamt 12,6 Millionen Euro beteiligt, die seit 1991 in die Sicherung und Sanierung des Gebäudes flossen. Damit solle im Kulturforum Görlitzer Synagoge die Vielfalt jüdischer Geschichte und jüdischen Lebens deutlich werden. "Ich hoffe, dass dies auch das Verantwortungsbewusstsein der Besucher schärft, damit sie darin bestärkt werden, gegen Antisemitismus aufzustehen, wo immer sie ihn erleben."

Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu erinnerte daran, dass die Synagoge nicht nur die Pogromnacht und den Zweiten Weltkrieg überstand, sondern bereits in den 1970er Jahren vor dem Abriss bewahrt wurde.

Er bedankte sich bei allen, die in den vergangenen 30 Jahren durch ihr vielfältiges Engagement – ob durch Spenden, Fördermittelakquise, durch politischen Einsatz, ihre Arbeit oder ihr Ehrenamt – dazu beigetragen haben, dass dieses einzigartige Gebäude erhalten blieb und "unsere Stadt nun ein Kulturforum Görlitzer Synagoge hat". Mit diesem Gebäude, das bald auch wieder einen Davidstern tragen werde, bekenne sich die Europastadt Görlitz/Zgorzelec zu ihrer jüdischen Geschichte und zu jüdischem Leben.

Der gebürtige Görlitzer Friedrich Seibt schenkte dem Kulturforum seinen Steinway-Flügel und bekam dafür ein Andenken vom Görlitzer OB Octavian Ursu.
Der gebürtige Görlitzer Friedrich Seibt schenkte dem Kulturforum seinen Steinway-Flügel und bekam dafür ein Andenken vom Görlitzer OB Octavian Ursu. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

"Wir wollen das Kulturforum Görlitzer Synagoge zu einem Haus der Begegnung, der Geschichte, der Lehre und der Kultur entwickeln", sagte Ursu. Es solle ein Veranstaltungsort werden, der nachhaltig europäische Verständigung leben und vom Geist der Toleranz und des Miteinanders erfüllt sein solle. "Rassismus und Antisemitismus habe hier keinen Platz. Das macht unser friedliches, freiheitliches Europa und unsere Europastadt Görlitz/Zgorzelec aus."

Sachsens Ministerpräsident lobt Ost-Denkmalschutz

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erinnerte ebenfalls daran, wie "unmöglich" es vor 30 Jahren schien, "aus diesem Objekt wieder ein benutzbares Haus zu machen." Der damalige Landtagsabgeordnete Volker Bandmann (CDU) und Bodo Voigt hätten mit der Gründung eines Europäischen Bildungs- und Informationszentrums den Anfang gemacht. Und schließlich sei es Denkmalschützern, wie es sie nur im Osten Deutschlands gebe, zu verdanken, dass die einstige Synagoge heute "als schönstes Gebäude zwischen Dresden und Breslau" erhalten und restauriert sei.

Michael Wieler, Bürgermeister der Stadt Görlitz, zeigt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer Details an der Fassade des Gebäudes.
Michael Wieler, Bürgermeister der Stadt Görlitz, zeigt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer Details an der Fassade des Gebäudes. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Das einst so verwahrloste Gebäude sei eben nicht – wie Denkmäler an vielen anderen Orten Deutschlands – durch moderne Beton- und Glasbauten ergänzt worden. Sondern wer sich in den Jahrzehnten der DDR bemüht habe, zerbrochene Scheiben abzudichten, oder auf Dächer gestiegen sei, um fehlende Schindeln zu ersetzen, damit es nicht weiter einregnet, der habe eine besondere Haltung dazu, ein Denkmal authentisch zu bewahren. Diese Haltung sei am Kulturforum Görlitzer Synagoge zu erkennen.

Görlitz habe große Pläne, mit diesem Ort, genau wie mit der Stadthalle. "Der Mantel, den diese Stadt aufgespannt hat, wirkt für ihre Einwohner im Moment noch zu groß", sagte Kretschmer. "Aber unser Ziel ist es, hier durch die Ansiedlung und Erweiterung von Forschungszentren neue Chancen für Wachstum und Arbeitsplätze zu schaffen, damit dieser Mantel irgendwann passt."

Jüdische Gemeinde zu Dresden freut sich auf Gottesdienste

Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, erinnerte daran, was viele Juden für treue Patrioten waren, und sagte, die Schönheit des Synagogengebäudes sei nicht nur Ausdruck des religiösen Glaubens seiner Erbauer, sondern auch ihrer Wertschätzung für ihre damalige Heimatstadt Görlitz. "Und ein beeindruckendes Zeugnis dafür, was Bürgersinn zu leisten vermag."

Zu Gast waren auch Michael Hurshell und Rabbiner Akiva Weingarten von der Jüdischen Gemeinde zu Dresden. Hurshell, der die Gemeinde leitet, nannte "die Restaurierung dieser wunderschönen Synagoge ein Zeichen der Hoffnung, der Erneuerung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts" und freute sich, dass es in der kleinen ehemaligen Wochentagssynagoge wieder möglich ist, jüdische Gottesdienste zu feiern.

Michael Hurshell, Leiter der Jüdischen Gemeinde zu Dresden.
Michael Hurshell, Leiter der Jüdischen Gemeinde zu Dresden. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Rabbi Weingarten las Psalm 30 aus dem Alten Testament "zur Tempelweihe", der die Worte enthält: "Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel."

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Grund zur Freude haben auch alle, die in Zukunft im Kulturforum Görlitzer Synagoge Klavier spielen oder hören werden. Denn seit Kurzem gehört ein Steinway-Flügel hierher. Der 1938 in Görlitz geborene Friedrich Seibt, Sohn eines Pfarrers der Evangelischen Kreuzkirche und heute in Starnberg zu Hause, übergab sein Instrument am Montag mit den Worten: "In meiner alten Heimat findet mein Flügel nun eine neue Heimat." Die Brückepreisträgerin Bente Kahan und ihr Begleiter waren am Montag die Ersten, die damit Musik ins neue Kulturforum brachten.

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