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Corona: So gehen Veranstalter mit Lockerungen um

Die Inzidenzen sinken, Kultur ist in Görlitz wieder möglich. Doch viele Feste sind längst abgesagt. War das etwa voreilig?

Im August 2019 fand das bisher letzte Altstadtfest in Görlitz statt – mit viel Livemusik. Dieses Jahr fällt das Fest ganz klein aus.
Im August 2019 fand das bisher letzte Altstadtfest in Görlitz statt – mit viel Livemusik. Dieses Jahr fällt das Fest ganz klein aus. © Nikolai Schmidt

Ein bisschen wiederholt sich gerade die Szenerie vom Vorjahr: Viele große Höhepunkte wie Altstadtfest, Viathea oder Braufest sind abgesagt oder finden nur in sehr kleinen Varianten statt – und plötzlich sinken die Corona-Inzidenzen deutlich. Im Landkreis Görlitz sind sie seit Donnerstag im einstelligen Bereich angekommen. Fast genauso schnell beschließt die Politik nun eine Lockerung nach der anderen. Wie gehen die großen Kulturveranstalter mit der veränderten Situation um? Und: Waren die Absagen vielleicht sogar voreilig? Die SZ hat sich bei Veranstaltern umgehört.

Kulturservice: Gute Hoffnungen für Tippelmarkt und Wintersaison

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Benedikt Hummel, Geschäftsführer beim städtischen Kulturservice, bereut die Verkleinerung des Altstadtfestes auf eine Mini-Variante nicht: „Nach wie vor ist unklar, wie es mit Großveranstaltungen weitergeht.“ Da beginne die Diskussion gerade erst: „Das kommt für uns zu spät.“ Stattdessen freut er sich, dass das Mini-Altstadtfest jetzt unbeschwerter stattfinden kann als gedacht. Gut möglich ist auch, dass der Tippelmarkt am 17./18. Juli jetzt noch um zusätzliche Gastronomie-Angebote erweitert wird: „Das werden wir in dieser Woche besprechen.“

Zudem steige nun die Wahrscheinlichkeit für eine gute Wintersaison. Unter anderem plant der Kulturservice den Christkindelmarkt: „Der soll mit der gesamten Angebotspalette stattfinden.“ Der neue Weihnachtsmarkt am Postplatz, der 2020 seine Premiere haben sollte und dann wegen Corona ausfallen musste, sei in erster Linie vom städtischen Haushalt abhängig: „Wenn die Stadträte das Geld nicht streichen, soll er ebenfalls stattfinden.“

Theater: Viathea unmöglich, aber mehr Karten fürs Sommertheater

Das Viathea abzusagen, war die vollkommen richtige Entscheidung, sagt Philipp Bormann vom Gerhart-Hauptmann-Theater: „Besucherkapazitäten werden das ganze Jahr eine Rolle spiele, es braucht klare Richtlinien und Kontrollmechanismen.“ Das Viathea hingegen sei „ein völlig kontrollloses Format“ – und lebe ja gerade davon. Dennoch freut sich Bormann über die Lockerungen: Sowohl beim Viathea-Ersatz „Plan B“ als auch beim Sommertheater werden mit Sicherheit mehr Besucher zugelassen: „Die Frage ist nur, wie viele.“

Beim Sommertheater im Stadthallengarten zum Beispiel dürfen nach dem bisherigen Konzept knapp 200 Besucher kommen. „Künftig werden es mindestens 400 sein“, sagt Bormann. Exakte Zahlen sollen im Laufe der Woche ermittelt werden, aber schon ab Dienstag werden an der Theaterkasse mehr Karten verkauft. Das betrifft nach Aussage von Bormann alle Veranstaltungen ab sofort, unter anderem die Evita-Vorstellungen ab Freitag und das „Junge Konzert“ am Sonntag um 10 und 14 Uhr.

Landskron-Brauerei: Public Viewing statt großem Braufest

Landskron-Chef Uwe Köhler mag über kein „Hätte, wäre, wenn“ nachdenken. Gerade für das Braufest brauche es sechs bis neun Monate Vorbereitungszeit. Diese Zeit stand diesmal wegen Corona einfach nicht zur Verfügung: „Deshalb bereue ich auch nicht, dass wir es abgesagt haben.“ Stattdessen freue er sich über das, was jetzt möglich ist. So seien gleich zur Wiedereröffnung des Besucherzentrums am Freitag die ersten Besucher gekommen und für die Fußball-EM habe Landskron sehr kurzfristig ein Public Viewing organisiert. „Alles andere ist, wie es ist“, sagt Köhler. Beim Braufest hoffe er auf 2022. Aber selbst das will er nicht versprechen, vor allem wegen der bisherigen Größe des Festes: „Wir sind da vorsichtig geworden.“

Kulturinsel Einsiedel: 2021 keine Dinnershows, aber Folklorum

Die Kulturinsel Einsiedel hat alle Dinnershows für dieses Jahr abgesagt. Insel-Gründer Jürgen Bergmann bereut das nicht: „Der Aufwand ist enorm, es müssen Künstler gebucht werden und diese müssen lange proben.“ Finanziell würden sich das nur lohnen, wenn die Gäste langfristig buchen. Doch das sei nicht passiert. Selbst beim Folklorum, das auf jeden Fall vom 3. bis 5. September stattfinden wird, laufe der Vorverkauf bisher schleppend. Beim Folklorum hofft er, dass der Vorverkauf über den Sommer noch in Fahrt kommt, „aber bei den Dinner-Shows müssen wir Anfang des Jahres wissen, dass es funktioniert.“ Das Folklorum könne sogar weitaus besser werden als voriges Jahr: „Ich denke, dass die gefühlte Freiheit größer sein wird.“ Vielleicht funktioniere es diesmal ohne Masken, vielleicht seien auch wieder Innen-Veranstaltungen möglich. Letztere mussten voriges Jahr abgesagt werden. Zudem gibt es dieses Jahr erstmals eine Medienpartnerschaft mit MDR Kultur, die das Festival weitaus bekannter machen könnte.

Rabryka im Werk I: Auf Lockdown-Ende im Juni spekuliert und vorgeplant

Der Second-Attempt-Verein, der das neue Zentrum Rabryka im Werk I betreibt, hat Anfang April angefangen, wieder Veranstaltungen zu buchen – und zwar für die Zeit ab Juni. „Wir haben darauf spekuliert, dass dann Veranstaltungen wieder möglich sein werden“, sagt Geschäftsführer Christian Thomas. Genau so ist es nun tatsächlich gekommen: „Da haben wir also nichts falsch gemacht.“ Ursprünglich sei mit den Künstlern vereinbart worden, dass die Veranstaltungen entweder mit Publikum oder online stattfinden werden. Dass nun Ersteres möglich ist, freut Christian Thomas.

Auch für das Fokus Festival vom 13. bis 15. August lief die Planung völlig unbeirrt. Es wird im Rabryka-Gelände zwischen Bautzener Straße und Werk I sowie auf dem Lutherplatz stattfinden. Christian Thomas hofft, dass bis dahin die Testpflicht wegfällt und Mindestabstände verringert werden können. Im besten Fall könnte auch wieder eine Aftershowparty stattfinden, auf der getanzt werden darf. Darauf musste das Festival voriges Jahr verzichten.

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