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Görliwood erhält ein neues Filmbüro

Die Mitteldeutsche Medienförderung gibt das Geld fürs Personal, Görlitz stellt die Räume. Damit kündigen sich Drehs fürs neue Jahr in Görlitz an.

Auf Filmgrößen wie Emma Thompson und Brendan Gleeson (links im Bild ist Regisseur Vincent Perez) beim Dreh zu "Jeder stirbt für sich allein" freut sich Görlitz.
Auf Filmgrößen wie Emma Thompson und Brendan Gleeson (links im Bild ist Regisseur Vincent Perez) beim Dreh zu "Jeder stirbt für sich allein" freut sich Görlitz. © nikolaischmidt.de

4,15 Millionen Menschen verfolgten am Montagabend zur besten Sendezeit die Künstlerbiografie "Werk ohne Autor" über den Maler Gerhart Richter in der ARD, die in Görlitz und Zittau gedreht wurde. Nur Günter Jauch fesselte zur selben Zeit bei "Wer wird Millionär" 400.000 Menschen mehr.

Tom Schilling als Kurt Barnert im Film "Werk ohne Autor", der am Montag mehr als vier Millionen Zuschauer in der ARD fesselte.
Tom Schilling als Kurt Barnert im Film "Werk ohne Autor", der am Montag mehr als vier Millionen Zuschauer in der ARD fesselte. © ARD Degeto/Wiedemann & Berg/Nadj

Damit auch künftig solche Filme in Görlitz gedreht werden, nimmt ab Februar ein neues Filmbüro seine Arbeit auf. Darauf verständigten sich die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM) GmbH, an der die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, der MDR und das ZDF beteiligt sind, und die Stadt Görlitz. Der Deal sieht so aus: Die MDM gibt das Geld für das Personal und den Unterhalt des Büros, die Stadt Görlitz stellt die Räume bei der Europastadt Görlitz/Zgorzelec zur Verfügung.

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Und auch wenn Görliwood am Montag den Kürzeren gegen Günter Jauch zog, ganz ohne den Filmort an der Neiße kommt auch der Talkmaster nicht aus.
Und auch wenn Görliwood am Montag den Kürzeren gegen Günter Jauch zog, ganz ohne den Filmort an der Neiße kommt auch der Talkmaster nicht aus. © SZ

1,5 Stellen wird das neue Filmbüro haben

1,5 Stellen wird das Büro haben. Eine Stelle ist bereits ausgeschrieben worden, befristet zunächst bis 31. Dezember. Die andere halbe Stelle kann die Stadt besetzen. Mit wem, teilt die Stadt noch nicht mit. In der Vergangenheit äußerte sich Oberbürgermeister Ursu wertschätzend über die Görlitzer Filmbeauftragte Kerstin Gosewisch. Sie war noch unter OB Paulick, deren Pressesprecherin sie war, in diese Rolle gewachsen. Nach ihrem Wechsel ins Görlitzer Stadtmuseum behielt sie die Aufgabe als Filmbeauftragte bei. Anfragen für Castings und von Drehort-Scouts landen meist bei ihr. Es würde jetzt niemanden überraschen, wenn sie einen Teil ihrer Arbeitszeit künftig im Filmbüro verbringt.

Dass die Medienförderung das Geld für ein solches Filmbüro gibt, stellt nach Ansicht der Stadt Görlitz erneut unter Beweis, dass sich Görlitz als Drehort für Filmproduktionen etabliert und dafür auch einen Namen in Sachsen und darüber hinaus hat. Von den Drehteams werden die vielen Möglichkeiten und Motive in der Stadt gelobt, um Filme sehr verschiedener Genres und über sehr unterschiedliche Zeiten zu drehen. Praktisch vom Mittelalter bis zur modernen Krimiserie. Zudem sind die Görlitzer bei allem Ärger über kurzfristige Straßensperrungen doch ein filmfreundlicher Gastgeber.

Manche Görlitzer, wie die Enkelin von Eberhard Nier, haben auch solche Transparente aus lauter Görliwood-Begeisterung gestaltet.
Manche Görlitzer, wie die Enkelin von Eberhard Nier, haben auch solche Transparente aus lauter Görliwood-Begeisterung gestaltet. © Eberhard Nier

Filmbüro soll in Corona-Zeiten Produzenten helfen

Mit dem Filmbüro reagiert die Medienförderung auf die Corona-Pandemie. Hygieneregeln und Kontaktverringerung haben das Filmgeschäft ins Mark getroffen. Massenszenen, Liebesmotive - die sind in Corona-Zeiten gar nicht so leicht zu drehen.

Im Frühjahr stoppte Corona sogar kurzzeitig gänzlich die Filmbranche, es gibt jetzt noch Serien die einen solchen Drehrückstand haben, dass sie auch zwischen den Jahren gearbeitet haben.

Da Corona auch im kommenden Jahr nicht von der Welt verschwunden sein wird, soll das neue Filmbüro in Görlitz gerade bei diesen Fragen unterstützen. Damit steigen auch die Chancen, dass im nächsten Jahr wieder große Produktionen in Görlitz gedreht werden. Denn sonst wäre das Büro ja nicht nötig. Im Gespräch sind schon seit längerem zwei Projekte: Eine große Serie des Produzenten Stefan Arndt, über die er auch schon Andeutungen beim Neujahrsempfang Ursus machte, sowie ein zweiter Film eines namhaften Produzenten. Da aber noch nichts ganz in sicheren Tüchern ist, gibt es auch noch keine Einzelheiten.

Sächsische Filmakademie ist startklar

Seit diesem Jahr kurvt auch der Görliwood-Entdecker-Bus eines Privatunternehmens durch die Stadt.
Seit diesem Jahr kurvt auch der Görliwood-Entdecker-Bus eines Privatunternehmens durch die Stadt. © Nikolai Schmidt

Für Ursu endet damit das Jahr mit einem Paukenschlag bei der Stärkung von Görliwood als Filmstandort - und es begann auch mit einem solchen. Denn bei seinem Neujahrsempfang kündigte er an, eine Filmakademie in Görlitz zu etablieren. Produzent Stefan Arndt erläuterte an jenem Abend, zusammen mit Vertretern der Mitteldeutschen Medienförderung, wie realistisch das sei.

Auch in den Wochen danach trafen sich alle Beteiligten, neue - wie die Hochschule oder das Senckenberg-Museum - kamen hinzu. Im November konnte die Prorektorin der Hochschule, Sophia Keil, bereits die Grundzüge einer Sächsischen Filmakademie vor dem Görlitzer Stadtrat vorstellen. So sollen künftige Produktionsassistenten in sechsmonatigen Weiterbildungen an der Hochschule vertiefte Kenntnisse in Planung, Finanzierung von Filmen, von Rechtsfragen im Filmgeschäft, kurzum über alles vermittelt bekommen, was bei einem Film beachtet werden muss.

In Görlitz gibt es einen "Walk of Görliwood", Schaufenster in der Stadt, die auf Drehorte und Filmproduktionen hinweisen.
In Görlitz gibt es einen "Walk of Görliwood", Schaufenster in der Stadt, die auf Drehorte und Filmproduktionen hinweisen. © Nikolai Schmidt

Filmgrößen stehen hinter Görlitzer Ambitionen

Möglicherweise könnte der erste Kurs - falls der Freistaat die Anschubfinanzierung ermöglich - bereits im Herbst starten. Weitere Angebote für die Bereiche Ausstattung, Bild, Licht und Ton sollen folgen. Da Filmproduzenten wie Peter Hartwig, Stefan Arndt, Felix von Boehm oder Ingelore König das Projekt unterstützen, könnte Görlitz und seine Marke "Görliwood" in der Filmbranche tatsächlich nächstes Jahr einen großen Schritt nach vorn tun.

Wenn der SZ-Treffpunkt wieder offen hat, dann gibt es dort auch Einkaufsbeutel und T-Shirts mit dem Görliwood-Motiv.
Wenn der SZ-Treffpunkt wieder offen hat, dann gibt es dort auch Einkaufsbeutel und T-Shirts mit dem Görliwood-Motiv. © Pawel Sosnowski/80studio.net

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