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Sorben lehnen Orchesterfusion ab

Das neue Theatergutachten für die Oberlausitzer Theater erntet weitere Ablehnung. Das Kunstministerium gibt zudem eine vage Zusicherung.

Die Lichter sollen im Görlitzer Musiktheater nicht ausgehen. Das ist das Fazit der derzeitigen Diskussion über die Oberlausitzer Theaterlandschaft.
Die Lichter sollen im Görlitzer Musiktheater nicht ausgehen. Das ist das Fazit der derzeitigen Diskussion über die Oberlausitzer Theaterlandschaft. © Danilo Dittrich/Archiv

Gegenwind für das neueste Theater-Gutachten kommt nun auch aus Bautzen.

So lehnen die Stiftung für das sorbische Volk und das Sorbische Nationalensemble (SNE) die Fusion der Neuen Lausitzer Philharmonie mit dem Orchester des Nationalensembles ab. „Wir haben mit dem Aufführen sorbischer Bühnenmusik wie dem Spielen sorbischer Instrumente eine besondere Spezifik", erklärt der Direktor der Stiftung des sorbischen Volks, Jan Budar, "eine reine Fusionierung würde die Leistungsfähigkeit des SNE nachhaltig einschränken.“

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Das Gutachten des Münchner Beratungsunternehmens actori hatte eine solche Fusion und dafür die Gründung einer eigenen GmbH vorgeschlagen. Entstehen würde dadurch ein größerer Klangkörper, der höher eingestuft wird - deswegen kostet dieser Vorschlag mehr Geld als der derzeitige Status quo. Zuvor hatten bereits die sächsischen Orchester eine solche Fusion heftig kritisiert.

Bautzen sieht sein Theater gut finanziert

Die Bautzener Theater und Ensemble sowie der Landkreis Bautzen sehen auch keinen Grund für weitere Einsparungen. „In Bautzen wurden Musiktheater, Orchester und das Ballettensemble aufgegeben oder abgewickelt. Diese Strukturmaßnahmen haben bis heute eine stabile Finanzierung unseres Theaters ermöglicht“, sagt Michael Harig.

Diana Wagner, Geschäftsführerin des Sorbischen Nationalensembles, verweist auf den massiven Stellenabbau in allen Sparten beim SNE in den vergangenen Jahren und zeitgleich auf keinerlei Signale des Geldgebers für erneute Sparzeiten. Von Jan Budar erhält sie Rückendeckung: „Durch die Erhöhung der Zuwendungen für die Stiftung für das sorbische Volk für die Jahre 2021 bis 2025 besteht kein Grund, über Haustarifverträge beim SNE nachzudenken.“

Nachdem zuvor bereits eine Abwicklung des Görlitzer Musiktheaters auf das Veto der Stadt Görlitz gestoßen ist, bleibt von dem Gutachten von actori nicht mehr viel übrig. Wenigstens erhält Landrat Bernd Lange Unterstützung seines Amtskollegen Michael Harig aus Bautzen, wenn es um die Motivation für das Gutachten geht, nämlich das Auslaufen des Kulturpakts, der bis 2022 gilt. Harig sagt: "Jedem im Kulturkonvent war klar: Die Finanzierung ist ohne Kulturpakt ab 2023 nicht möglich." Deswegen wurde das Gutachten in Auftrag gegeben, um eine Diskussionsgrundlage zu haben.

Kunstministerin: Freistaat will Theaterpakt fortführen

Auch das Kunstministerium in Dresden versteht die Sorgen des Görlitzer Landrats, "der sich vor vielfältigen Herausforderungen bei knappen Ressourcen sieht". Das Ministerium vermeidet beim derzeitigen Stand der kommunalen Diskussion auch jede eindeutige Festlegung. Immerhin erklärt Pressesprecher Jörg Förster gegenüber der SZ aber: "Wir haben mit Freude die Haltung des Landrats aufgenommen, das Theater in Görlitz erhalten zu wollen und dafür jetzt die Grundlagen gemeinsam in der Region zu schaffen."

Im Ministerium sieht man einerseits, dass Theater und Orchester hohe Ausgaben verursachen. "Diese stehen aber auch für Arbeitsplätze, Identitätsstiftung und Standortqualität", erklärt der Sprecher. "Wir sind sicher, dass die Akteure im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien eine gute Lösung finden werden."

Dazu gehört auch, so kündigt der Sprecher von Ministerin Barbara Klepsch an, dass der Freistaat den Kulturpakt über 2022 erhalten will - so steht es im Koalitionsvertrag -, um die Theaterlandschaft zu erhalten. "Wie uns das gelingt, darüber werden wir beraten müssen, wenn es um den nächsten Doppelhaushalt 2023/2024 geht." Bis Ende 2022 ist der Kulturpakt aber finanziell abgesichert und damit auch die Etats der Oberlausitzer Theater, Orchester und Ensemble.

Bautzens Intendant: Ich trete nie für die Schließung von Theatern ein

Auch Bautzens Theaterintendant Lutz Hillmann kündigt an, als Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen des Deutschen Bühnenvereins niemals für die Schließung von Theatern oder von Sparten einzutreten.

Daniel Morgenroth, ab August Generalintendant des Gerhart-Hauptmann-Theaters, appellierte an die Gesellschafter, den Landkreis sowie die beiden Städte Görlitz und Zittau, ihm und seinem Team zwei Jahre Zeit zu geben. Morgenroth sieht darin auch Möglichkeiten, die Einnahmen und die Einwerbung von Sponsorenbeträgen zu erhöhen und damit einen Teil der künftigen Personalkostensteigerungen abzudecken. Das Angebot auszubauen, die Sparten zu bewahren und die Effizienz zu steigern - darin sieht Morgenroth seinen Beitrag, um die Finanzierung des Theaters absichern zu helfen.

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