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Nach neun Jahren: Erster Blick ins neue Jugendzentrum

Es hat lange gedauert und 4,4 Millionen Euro gekostet. Doch jetzt ist das Werk I in Görlitz fertig. Oder besser: Fast.

Von außen hat die frühere Furnierhalle ihren Industriecharakter behalten. Der Haupteingang ist behindertengerecht, links daneben befindet sich das Restaurant.
Von außen hat die frühere Furnierhalle ihren Industriecharakter behalten. Der Haupteingang ist behindertengerecht, links daneben befindet sich das Restaurant. © Nikolai Schmidt

Das hätte sich Siegfried Deinege Ende 2011 wohl nicht träumen lassen: Erst über ein Jahr nach dem Ende seiner siebenjährigen Amtszeit als Görlitzer OB wird das neue Zentrum für Jugend und Soziokultur „Werk I“ am Donnerstag offiziell eröffnet. Er war es, der ein solches Zentrum damals im OB-Wahlkampf ins Spiel gebracht hatte. 

Und die jungen Leute, die zu jener Zeit Anfang 20 waren und ein solches Zentrum nutzen wollten, sind jetzt um die 30.

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So sieht das neue Zentrum für Jugend und Soziokultur "Werk I" jetzt von innen aus: Oben gibt es Vereinsbüros, alles andere geht unten von einem langen Gang ab. Die blaue Tür ganz hinten ist der Haupteingang.
So sieht das neue Zentrum für Jugend und Soziokultur "Werk I" jetzt von innen aus: Oben gibt es Vereinsbüros, alles andere geht unten von einem langen Gang ab. Die blaue Tür ganz hinten ist der Haupteingang. © Nikolai Schmidt

Doch was von der ersten Idee bis zur Eröffnung fast neun Jahre gedauert und 4,4 Millionen Euro gekostet hat, soll künftig viele Nutzer haben: Aus der Idee eines bloßen Jugendzentrums wurde im Laufe der Jahre ein Zentrum für Jugend und Soziokultur. Der Verein Second Attempt, der in den vergangenen Jahren direkt nebenan die Rabryka aufgebaut hat, wird es betreiben. Viele andere – vom Bürgerrat bis zu Existenzgründern – können es mit nutzen.

Die SZ durfte sich diese Woche schon einmal exklusiv in dem Zentrum umschauen. Ein kleiner Anbau ganz vorn ist der Haupteingang. Vom Parkplatz kommen die Gäste so ins Gebäude – und dort zuerst in den Gastronomieraum, der auch für kleinere Veranstaltungen geeignet ist. Dahinter befinden sich Küche und Bar, dann der 170 Quadratmeter große Veranstaltungssaal, der Platz für 300 Leute bietet und teilbar ist – etwa für zwei Seminar- und Workshopräume. Dahinter schließen sich noch der Jugendtreff, die 95 Quadratmeter große Werkstatt, die freien Büroplätze für einzelne Projekte, Teeküche, Lager, Sanitärräume und einiges mehr an. Und ein kleiner Teil der Halle – hinten rechts – hat eine zweite Etage. Oben befinden sich ausschließlich die Büroräume der Betreiber.

Das ist der Veranstaltungssaal. Unter Nicht-Corona-Bedingungen soll er später Platz für 300 Besucher bieten. Gegenwärtig bauen die künftigen Nutzer die Bühne ein.
Das ist der Veranstaltungssaal. Unter Nicht-Corona-Bedingungen soll er später Platz für 300 Besucher bieten. Gegenwärtig bauen die künftigen Nutzer die Bühne ein. © Nikolai Schmidt

Was sofort auffällt: Richtig fertig wirkt kein einziger Raum. „Die Malerarbeiten übernimmt der Betreiber, das haben wir so vereinbart“, sagt Manuel Auster vom städtischen Bauamt. In manchen Räumen ist noch viel mehr zu tun, teilweise müssen noch Wände verputzt werden. Einige Räume, etwa die Küche, sind noch gar nicht ausgebaut. „Sie sind im Rohbau fertig, die Medien liegen an“, sagt Auster. Jetzt ist es am Verein, etwas daraus zu machen. Grenzen gibt es auch bei der Beheizung. Die einzelnen Räume, die wie Einbauten mit Wänden und Dächern in der früheren Waggonbau-Furnierhalle stehen, lassen sich richtig beheizen. Die Halle selbst dagegen kann im Winter maximal auf acht Grad Celsius erwärmt werden. Das spart Kosten.

Doch warum hat alles so lange gedauert und 4,4 Millionen Euro gekostet? Zunächst gab es lange Zeit große Probleme beim Finden des passenden Gebäudes. Drei Optionen auf dem Werk-I-Gelände wurden in Erwägung gezogen und wieder verworfen, bevor Anfang 2015 endlich feststand, dass das Zentrum im vierten Anlauf in der früheren Furnierhalle entstehen soll.

Im Ehrenamt: Harjit Kainth streicht eine Wand im künftigen Band-Proberaum neben dem Tonstudio. Solche Arbeiten muss der Second-Attempt-Verein selbst erledigen.
Im Ehrenamt: Harjit Kainth streicht eine Wand im künftigen Band-Proberaum neben dem Tonstudio. Solche Arbeiten muss der Second-Attempt-Verein selbst erledigen. © Nikolai Schmidt

Zu diesem Zeitpunkt rechnete Deinege mit Kosten von 2,6 Millionen Euro und einem Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2017. Verschiedene Schwierigkeiten führten wiederholt zu Verzögerungen, sowohl in der Planung als auch im Bau. Und zu höheren Kosten. Der Glücksumstand für die Stadt: Ihr finanzieller Eigenanteil stieg nur geringfügig. Am Ende hat das Land Sachsen den Großteil bezahlt: 2,8 Millionen Euro kamen als Stadtumbau-Mittel von der SAB, eine Million Euro als Investkraft-Förderung vom Freistaat, der städtische Eigenanteil liegt „nur“ bei 600.000 Euro.

Der eigentliche Bau begann im April 2018, die Eröffnung war für Frühling 2019 geplant. „Letztlich haben wir aber bis Juni 2020 gebaut“, sagt Auster. Dass sich die Bauzeit um über ein Jahr verlängert hat, lag aber nicht etwa an Corona. Stattdessen war der Zustand des anfangs teilweise einsturzgefährdeten Gebäudes noch schlechter als gedacht. „Wir mussten abschnittsweise arbeiten, um die Gesamtstatik nicht zu gefährden“, sagt Auster. Los ging es im April 2018 mit dem Teilabbruch, bei dem das komplette Dach und die Einbauten zurückgebaut sowie Außenwände gesichert und abgestützt wurden. Erst als das Dach drauf war, konnte der völlig marode und sehr unterschiedlich beschaffene Fußboden ausgebaut werden – Schritt für Schritt.

Ein langer Gang erschließt das Zentrum. Die einzelnen Räume stehen als Einbauten mit wärmeisolierten Dächern in der alten Furnierhalle. Die Wände müssen noch gestrichen werden.
Ein langer Gang erschließt das Zentrum. Die einzelnen Räume stehen als Einbauten mit wärmeisolierten Dächern in der alten Furnierhalle. Die Wände müssen noch gestrichen werden. © Nikolai Schmidt

Das andere Problem waren die Ausschreibungsergebnisse. „Im Schnitt hatten wir zwei Bewerber, oft auch nur einen“, so Auster. Waren die Preise sehr hoch, hatte die Stadt keine Wahl. Innenfenster und -türen mussten sogar dreimal ausgeschrieben werden, bis sich überhaupt ein Bewerber fand. Das kostete viel Zeit. Daran, dass es so teuer wurde, sind also nicht etwa die hohen Ansprüche der Nutzer Schuld. Das Planungsbüro hat viel Zeit damit verbracht, die Auflagen von Denkmal-, Brand- und Lärmschutz unter einen Hut zu bringen. Ob ein kompletter Neubau billiger geworden wäre, vermag Auster nicht abzuschätzen. „Immerhin haben wir jetzt eine Brache wieder nutzbar gemacht“, sagt er.

Im Juni war der Bau fertig. Dass der Verein erst jetzt starten kann, liegt laut Rathaus-Sprecherin Juliane Zachmann daran, dass der Vertrag verhandelt werden musste und die Eröffnung nicht in der Urlaubs- und Ferienzeit fallen sollte. Jetzt sind OB Octavian Ursu, Ex-OB Siegfried Deinege und die Stadträte wieder da. Am Donnerstag, 17 Uhr, steht der große Termin an.

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