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Kunststreit Görlitz: Künstlerin lehnt Werk-Änderung ab

Die Dresdner Studentin Lisa Maria Baier hält an ihrer Installation an der Stadthalle fest. Was nun aus ihrem umstrittenen Werk wird, ist unklar.

Eine besondere Kulisse: Auf dem Banner sind Plakate der protestierenden Frauen in Polen zu sehen.
Eine besondere Kulisse: Auf dem Banner sind Plakate der protestierenden Frauen in Polen zu sehen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Die Entscheidung ist gefallen: Lisa Maria Baier will ihre Installation "Kulisse", die seit wenigen Tagen an der Stadthalle steht, nicht verändern. Die Stadt hatte für diesen Fall den Abbau des Kunstwerks angekündigt. Wann, und ob es so kommt , ist noch nicht bekannt. Dabei ist die Görlitzer Art noch nicht mal eröffnet. Die Stadt plant die Eröffnung am Freitag um 11 Uhr auf dem Lutherplatz.

Lisa Maria Baier gehört zu den Meisterschülern der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und bewarb mit ihrer Installation "Kulisse" für die "Görlitzer Art", eine Kunstausstellung auf den Straßen und Plätzen der Stadt. Thema sollte Görlitz als Filmstadt sein. Nun steht deutlich mehr das Thema Frauenrechte, das Abtreibungsgesetz in Polen und die Gegenproteste im Mittelpunkt.

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Daraufhin hatte sich zunächst zwischen ihr und der Stadt, später auch in den sozialen Netzwerken ein Kunststreit entwickelt. In dessen Mittelpunkt stehen auch Fragen der Freiheit der Künste. Schon bei der ersten "Görlitzer Art" hatten die Kunstwerke teils heftige Diskussionen hervorgerufen, manche mussten gar wegen Beschädigung wieder abgebaut werden.

Streit schon vor Eröffnung

Dieses Mal liegt der Streit aber anders. Denn nun ist es die Stadt als Veranstalter selbst, die Anstoß an einer Installation nimmt, weil sie nicht mehr der entspricht, die die Stadt für die Ausstellung ausgesucht hatte. In der starken Veränderung sieht die Stadt einen Vertragsbruch. Und sie fühlt sich überrumpelt. Denn nicht nur die Künstlerin stehe für die veränderten Aussagen ihres Kunstwerkes, sondern durch den Rahmen der "Görlitzer Art" auch die Stadt selbst.

Nun hat sich auch der Studierendenrat der Hochschule für Bildende Künste zu Wort gemeldet und hinter seine Kommilitonin gestellt. Als Lisa Maria Baier ausgezeichnet wurde, sei der Werk-Standort noch nicht klar gewesen. Nun steht die Installation unmittelbar an der deutsch-polnischen Grenze, da habe sie Veränderungen vorgenommen, um sich von dieser Seite der Grenze mit den Frauen auf polnischer Seite zu solidarisieren.

Ob der Stadtrat entscheidet?

Kulturbürgermeister Michael Wieler warnt dagegen vor einer Bagatellisierung der Kunstfreiheit. Vor allem verweist er auf das Verhältnis zu Zgorzelec.

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Die Installation sieht er als Intervention, "die nicht der politischen und gesellschaftlichen Kommunikation entspricht, die wir seit 30 Jahren in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec betreiben." Wer jetzt über das Schicksal des Kunstwerks entscheiden wird, blieb am Dienstag offen. Einen Automatismus zum Abbau am Dienstag, wie er sich am Montag andeutete, gab es aber nicht. Michael Wieler sprach von der Stadt, die nun entscheiden muss. Das kann auch der Stadtrat sein. Dessen Verwaltungsausschuss kommt am 21. Juli zusammen, der Stadtrat selbst am 22. Juli.

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