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Wie die 900-Jahr-Feier in Görlitz ablief

Der Historische Markt zog die Görlitzer vor 50 Jahren magisch an - sozusagen als Vorläufer späterer Altstadtfeste.

Backwaren nach alten Rezepturen und in ungewohnter Vielfalt waren ein Renner auf dem Historischen Markt.
Backwaren nach alten Rezepturen und in ungewohnter Vielfalt waren ein Renner auf dem Historischen Markt. © Rainer Kitte

Vom 12. bis 20. Juni 1971 feierte das damals 900-jährige Görlitz seine große Festwoche. Diesem Stadtjubiläum widmen wir nach Mitwirkung vieler Leser gleich vier Ausgaben der Heimatgeschichtsseiten. Nach dem Auftakt über die üppigen Kulturangebote (SZ vom 9. Juni) geht es heute thematisch um den Historischen Markt.

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Sozusagen als Vorläufer späterer Altstadtfeste war dieser Handels- und Veranstaltungsplatz auf dem Untermarkt angelegt als Zeitbild im Stil des Biedermeier. Die gesamte Festwoche über war täglich von 15 bis 22.30 Uhr geöffnet. Den Schwerpunkt bildeten 35 Stände mit vom Theater aufwendig historisch gekleideten Verkäuferinnen, Ausrufern, Stadtwächtern und Kaufleuten sowie Wirten, die unter den Laubengängen für Speis und Trank sorgten. Staatlicher und privater Handel sowie das Handwerk warteten mit Extraprodukten auf – besondere Backwaren, Wurstkreationen, Obst und Gemüse ebenso wie Spielzeug und Kunstgewerbe.

Töpferwaren stießen auf reges Interesse der Görlitzer sowie der Marktbesucher aus dem Görlitzer Umland.
Töpferwaren stießen auf reges Interesse der Görlitzer sowie der Marktbesucher aus dem Görlitzer Umland. © Wilfried Rettig

Auf großen Fässern war eine Gauklerbühne aufgebaut, auf der sowohl Moritatenerzähler und Bänkelsänger als auch Musikgruppen aller Genre ebenso auftraten wie „Meister Nadelöhr“ vom DDR-Kinderfernsehen sowie Magier, Feuerschlucker und sonstiges „fahrendes Volk“. Es gab eine historische Druckerei und einen Scherenschneider, Kinder konnten eine uralte Feuerspritze erobern, die Älteren zogen Topfstände vor wie es später ein ganzer „Tippelmarkt“ tut.

Angeboten wurden auch nach einer Art Linienfahrplan zwei- und vierspännige Postkutschenfahrten vom Schwibbogen aus über den Untermarkt und die Elisabethstraße zum Stadtpark. Der Fahrpreis betrug einen halben Taler, was manche beim Abkassieren überraschte, die an 50 Pfennig dachten. Von wegen: Ein Taler galt als drei Mark, also waren für den Fahrspaß 1,50 Mark zu berappen. Dafür bekam man beim gemütlichen Wirt am Braunen Hirsch immerhin drei kleine Pils serviert…

Festwochensplitter

  • Während der Festwoche gab es nicht nur täglich von 15 bis 24 Uhr Musik und Tanz mit Kapellen in acht Görlitzer Gaststätten, sondern die Einrichtung 13 weiterer Lokalitäten in historischen Gebäuden, zum Beispiel in der Halle des Flüsterbogens.
  • In der Festwoche gaben sich im Görlitzer Standesamt im Rathaus am Untermarkt 40 Paare das Ja-Wort.
  • Der Hauptgewinn der ständigen Tombola am Marienplatz war nicht wie sonst je Quartal üblich ein PKW Typ Trabant, sondern anlässlich der Festwoche ein viertüriger Wartburg vom Typ 353 (Limousine). Das Gewinnerlos zog ausgerechnet ein Gast aus Frankreich. Was er mit dem rund 20.000 Mark der DDR teuren Auto machte, ist leider nicht überliefert.

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