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Berggasthöfe: Mit diesen Ideen läuft es

Die Landeskrone ist der Hausberg der Görlitzer. Doch das Lokal auf dem Berg wird stark kritisiert. Wie es besser laufen könnte, machen Baudenwirte vor.

Anna Starke betreibt die Bergwirtschaft auf dem Bieleboh. Seither hat sie viel investiert - auch in neue Ideen.
Anna Starke betreibt die Bergwirtschaft auf dem Bieleboh. Seither hat sie viel investiert - auch in neue Ideen. © Matthias Weber

Anna Starke ist seit fünf Jahren die Inhaberin der Berggaststätte auf dem Bieleboh. Dieser Berg unweit von Löbau ist mit 499 Metern genau 79 Meter höher als die Landeskrone bei Görlitz. Der Gastwirtschaft auf dem Bieleboh stellen die Gäste aus dem Umland ein viel besseres Zeugnis aus, als es die Görlitzer für das Gasthaus auf der Landeskrone tun. Was machen Frau Starke und ihr Team besser?

Sächsische.de und Sächsische Zeitung hörten sich um bei den Nachbarn und wollten wissen, wie die Berggasthöfe zu einem guten Image kommen.

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Auf der Landeskrone bei Görlitz befindet sich eine Gaststätte mit Hotel. Doch das Image der Einrichtung ist angeschlagen, Gäste bemängeln Sauberkeit, Service und fehlende Innovationen.
Auf der Landeskrone bei Görlitz befindet sich eine Gaststätte mit Hotel. Doch das Image der Einrichtung ist angeschlagen, Gäste bemängeln Sauberkeit, Service und fehlende Innovationen. © André Schulze

Nicht alles auf einmal, sondern nach und nach

Anna Starke ist eine Frau vom Fach. Nachdem die Hotelfachfrau eine entsprechende Ausbildung absolvierte, sammelte sie Erfahrungen in der Branche in mehreren Ländern, darunter in der Schweiz. Mit Hilfe ihrer Familie und ihres Lebenspartners Juan Bächi krempelte sie den Berggasthof auf dem Bieleboh um - zum Naturressort Bieleboh. Sie eröffnete zunächst das Lokal, revitalisierte und modernisierte den Imbiss, baute einen Festsaal an, schuf einen attraktiven Spielplatz für Kinder und ein familienfreundliches Bettenhaus für Übernachtungsgäste.

Für Gäste, die nicht so gut zu Fuß sind, ist es ein Vorteil, dass sie mit dem Auto auf den Bieleboh fahren können. Die Burggaststätte auf der Landeskrone dagegen liegt in einem Naturschutzgebiet - hier sind Fahrzeuge nur mit Ausnahmegenehmigung unterwegs.

Am Wochenende reichen die Parkplätze auf dem Bieleboh oft nicht aus, so dass mitunter für Fahrzeuge gesperrt werden muss. Von einem großen Wanderparkplatz am Bergfuß ist der Aufstieg für Wanderer aber ohne Probleme zu bewältigen. Für Menschen mit Gehbehinderung findet sich immer eine Lösung, sagt die Gastwirtin.

Die Beckenbergbaude Eibau ist der erste Bio-Berggasthof in Sachsen.
Die Beckenbergbaude Eibau ist der erste Bio-Berggasthof in Sachsen. © Matthias Weber

Gäste wollen schönes und sauberes Ambiente

Nahezu alle Bergbauden sind vom Wetter abhängig. "Ist es schön, ist der Bieleboh ein beliebtes Ziel für spontane Ausflüge", erklärt Anna Starke und bietet für Wanderer, die nicht die große Speisekarte mit internationalen Spezialitäten wollen, einen Imbiss im Freien an. Wanderer sind auf dem Bieleboh ebenso willkommen wie Gäste zu Familienfeiern. Sogar die Trauung ist auf dem Berg möglich.

Für Anna Starke spielt nicht nur gutes Essen eine wichtige Rolle. "Der Gast muss sich wohlfühlen", sagt sie, "Sauberkeit, Ordnung und eine schöne Gestaltung des Lokals und des Außenbereiches werden intensiv wahrgenommen, freundliche Mitarbeiter sowieso." Blumen auf den Tischen, Sonnenschirme, Kissen auf den Stühlen draußen, hübsche Details und grüne Gestaltung des Areals kommen gut an. "Ich freue mich immer, wenn die Gäste im Sommer unsere blühenden Hortensien fotografieren, die sind als Fotomotiv sehr beliebt", berichtet die Bergwirtin.

Andere ins Boot holen

Der gusseiserne Turm - hier im Winter - ist das Wahrzeichen von Löbau und ein sehr beliebtes Ausflugsziel.
Der gusseiserne Turm - hier im Winter - ist das Wahrzeichen von Löbau und ein sehr beliebtes Ausflugsziel. © Matthias Weber

Um den Aussichtsturm auf dem Bieleboh kümmert sich der gleichnamige Verein, mit dem Anna Starke eng zusammenarbeitet. Eigene Veranstaltungen, Brunches und Kinderfeste organisiert Anna Starke selbst. Der Beiersdorfer Bürgermeister Hagen Kettmann schätzt die innovativen Ideen der Bergwirtin sehr. "Wir als Gemeinde sind sehr froh, dass die Bergwirtschaft so gut in Schwung gekommen ist - mit viel Engagement und einem stimmigen Konzept."

Das hat auch André Meyer, Inhaber der Baude auf dem Beckenberg bei Eibau. Er betreibt den ersten Bio-Berggasthof in Sachsen und wirbt mit diesem Alleinstellungsmerkmal unter dem Motto "regional - saisonal - anders". Das macht neugierig und lockt Gäste an. Meyers Kochschule dürfte unter den Baudenwirten in der Oberlausitz wohl einmalig sein.

Wanderwegweiser auf dem Czorneboh sind vor allem für Ortsfremde eine gute Hilfe.
Wanderwegweiser auf dem Czorneboh sind vor allem für Ortsfremde eine gute Hilfe. © Uwe Soeder

Immer mal was Neues

Ines Koch betreibt seit 1994 die Turmgaststätte direkt neben dem Gusseisernen Turm auf dem Löbauer Berg. 2017 eröffnete sie das sanierte Berghäusel, das liegt etwa 200 Meter von der Turmgaststätte entfernt. Dort können Gäste einen herrlichen Ausblick bis ins Zittauer Gebirge genießen, feiern und übernachten.

Besonders willkommen sind Ines Koch und ihrem Team Schulklassen bei Wandertagen. "Wenn sie sich anmelden, können wir uns mit einem Imbissangebot, das ja von Klassen bevorzugt wird, auf die Schüler gut einstellen", erklärt die Wirtin. Aber auch unangemeldet müssen Gruppen nicht hungrig oder durstig von dannen ziehen. "Jeder freut sich doch, wenn er nach dem Aufstieg auf den Berg und dann auf den Turm sich mit Essen und Trinken belohnen kann", erklärt die Wirtin und betont, dass alle Gäste gleich behandelt werden. Bislang hatte die Gaststätte keinen Ruhetag, sodass Gäste nie vor verschlossener Tür standen oder sich umständlich nach Öffnungszeiten erkundigen mussten.

Auch Ines Koch arbeitet mit Vereinen zusammen, darunter einem Löbauer Laufsport- und einem Radsportverein. Wenn nicht gerade so vieles wegen der Corona-Pandemie abgesagt ist, unterstützt die Turmgaststätte Sporthöhepunkte der Vereine.

Stadt Bautzen sanierte auf dem Czorneboh

Auch auf dem Gipfel des 566 Meter hohen Czorneboh bei Cunewalde gibt es eine Ausflugsgaststätte. Durchgehend warme Küche und Wildgerichte haben sich als Spezialität herumgesprochen. Vor einigen Jahren sanierte die Stadt Bautzen das Gebäude auf dem Czorneboh und investierte 1,2 Millionen Euro, ohne dass dabei der Baudencharme verloren ging. Der Aussichtsturm auf dem Czorneboh - der älteste in der Oberlausitz - und das Gaststättengebäude gehören seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Stadt Bautzen.

Wanderern dürfte der Aufstieg auf den Czorneboh trotz mehrfacher Ausflüge nicht langweilig werden: Es führen mehrere gut ausgeschilderte Wanderwege - auch überregionale - von verschiedenen Startpunkten aus auf den Berg. Motorisiert gelangt man nur in Ausnahmefällen auf den Czorneboh. Autos können auf dem Wanderparkplatz abgestellt werden.

Der Turm der Bergbaude auf dem Czorneboh bei Cunewalde ist der älteste Aussichtsturm in der Oberlausitz.
Der Turm der Bergbaude auf dem Czorneboh bei Cunewalde ist der älteste Aussichtsturm in der Oberlausitz. © SZ/Uwe Soeder

Ideen am runden Tisch ausbrüten - und umsetzen

Wenn demnächst auf Initiative der Europastadt Görlitz-Zgorzelec GmbH (EGZ) Vertreter der Stadt Görlitz, der Pächter der Landeskrone - Johannes Daume -, die Gaststätten- und Hotel- Konzessionärin Alicja Formantowicz, Vertreter von Wandervereinen und andere am runden Tisch ausloten wollen, wie Kritik an Burghotel und Gaststätte auf der Landeskrone ausgeräumt werden kann, sollten Baudenwirte aus der Region vielleicht mit eingeladen werden. Von ihren Erfahrungen lässt sich profitieren.

Denn den Görlitzer Hausberg mit seiner Gaststätte viel mehr als bisher in das touristische Angebot der Stadt einzubeziehen, tut not. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen der Inlandtourismus boomt, könnte Görlitz neben seiner Altstadt und dem Hollywoodbonus auch den Trumpf des Hausbergs ausspielen - wenn es dort Veränderungen und viel mehr Innovationen gibt, darunter mehr Ordnung, Sauberkeit und Veranstaltungen mit Alleinstellungsmerkmal - Erfahrungen und kompetente Partner dafür gibt es in Görlitz nämlich schon.

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