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Landesrabbiner untersucht Görlitzer Thora-Fragmente

Kurz vor Weihnachten übergab der Görlitzer Pfarrer Uwe Mader Reste einer Thorarolle aus der Synagoge Görlitz. Jetzt gibt es einen Fahrplan seitens der Jüdischen Gemeinde, wie es weitergeht.

Von Sebastian Beutler
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Die geretteten Fragmente einer Thora-Rolle aus der Görlitzer Synagoge.
Die geretteten Fragmente einer Thora-Rolle aus der Görlitzer Synagoge. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Erstmals haben sich jetzt die Vertreter der Jüdischen Gemeinden in Sachsen zu den Thora-Fragmenten geäußert, die im Dezember vom früheren Pfarrer Uwe Mader an die Stadt Görlitz übergeben worden waren.

Mit Freude, so heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, haben der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden, die Jüdische Gemeinde zu Dresden und der sächsische Landesrabbiner Zsolt Balla zur Kenntnis genommen, dass noch Reste einer Thorarolle aus der früheren Görlitzer Synagoge vorhanden sind. Zugleich kündigt Balla an, die Fragmente zu prüfen und anschließend darüber zu entscheiden, ob es möglich ist, die Fragmente in einer neu herzustellenden Thorarolle wiederzuverwenden.

Geprüft wird auch Wiederverwendung der Fragmente

Das wird als eine Möglichkeit der künftigen Verwendung der vier Teile angesehen, die in der Nacht der Reichspogromnacht der Vater von Uwe Mader geborgen und anschließend von verschiedenen Görlitzern vor den Zugriffen der totalitären Herrschaften versteckt worden waren. Zuletzt hatte Uwe Mader die Fragmente seit 1969 in Verwahrung genommen. Erst jetzt entschloss er sich, das Geheimnis preiszugeben und die Fragmente der Stadt Görlitz zu übergeben.

In ersten Reaktionen hatten sich Vertreter der in Aufbau befindlichen Jüdischen Gemeinde in Görlitz einerseits erfreut über die Dokumente gezeigt, andererseits aber auch Kritik geäußert. Und zwar sowohl am Verhalten der Stadt Görlitz, keinen jüdischen Vertreter zur Übergabe der Fragmente einzuladen, als auch am Verhalten von Uwe Mader, dessen Geschichte der jüdische Musiker Alex Jacobowitz als unglaubwürdig bezeichnete. Selbst die evangelische Kirche kritisierte ihren eigenen Pfarrer.

Gespräche zwischen Stadt und jüdischen Vertretern geplant

Nun schlagen die jüdischen Vertreter aus Dresden einen versöhnlicheren Ton öffentlich an. Die Jüdische Gemeinde zu Dresden ist Rechtsnachfolger der früheren Synagogengemeinde Görlitz vor 1945. Sie will nun, so erklärt ihr Vorsitzender Michael Hurshell, in den kommenden Wochen gemeinsam mit dem Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu und Vertretern der sich im Aufbau befindenden jüdischen Gemeinde Görlitz das weitere Vorgehen abstimmen. Ursu hatte eine Dauerausstellung über die Geschichte der Thora-Fragmente in der Synagoge angeregt, zeigte sich aber vor Weihnachten bereits für weitergehende Vorstellungen der jüdischen Seite offen.