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Lausitz-Festival holt Stars

Und bietet ein starkes Programm an zahlreichen Orten Ostsachsens und Südbrandenburgs. Manche Stars vom letzten Mal kommen im September wieder.

Pressekonferenz zum Lausitz-Festival 2021 in der Stadthalle mit Sarah Alberti, Ministerpräsident Michael Kretschmer, Intendant Daniel Kühnel und Maria Schulz vom Görlitzer Kulturservice (v.l.n.r.).
Pressekonferenz zum Lausitz-Festival 2021 in der Stadthalle mit Sarah Alberti, Ministerpräsident Michael Kretschmer, Intendant Daniel Kühnel und Maria Schulz vom Görlitzer Kulturservice (v.l.n.r.). © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Das Lausitz-Festival soll die Menschen noch weiter zusammenbringen, soll sie stark machen und selbstbewusst, soll ihnen klarmachen, welche Schätze, welchen Reichtum ihre Heimat birgt, und dass das auch anderen gefällt.

Als Daniel Kühnel, der Intendant des noch jungen Festivals, am Freitag bei der Pressekonferenz in der Görlitzer Stadthalle gefragt wurde, wie er es schaffe, so zahlreiche international bekannte Künstler in die Lausitz zu holen, antwortete er, das sei gar keine so große Zauberei.

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Warum große Künstler in die Lausitz wollen

Wenn man den größten, bekanntesten, berühmtesten Künstlern, aber auch vielen anderen von der Lausitz, von deren Vielfalt und den Herausforderungen erzähle, denen die Menschen sich hier nach der Braunkohle stellen müssten, dann seien viele berührt. "Dann fühlen sie sich in ihrem Kunstmachen ernstgenommen und sagen: Da will ich hin." Das zeige sich auch darin, dass manche Künstler, die 2020 da waren, in diesem Jahr wiederkommen. "Sie sagen: Hier ist es gut, hier ist es schön, hier gibt es etwas zu sehen, das man nicht erwartet", sagt Kühnel. "Aber wenn wir und die ganze Region nicht so gastfreundlich wären, dann würden sie nicht kommen."

80 Veranstaltungen an 50 Orten

So zeigt sich dieses zweite Lausitz-Festival, das vom 25. August bis zum 18. September an 50 verschiedenen Orten zwischen Zittau und Guben, zwischen Zgorzelec und Doberlug-Kirchhain stattfindet, noch vielfältiger als bei der ersten Auflage im vergangenen Herbst. Aus den damals 50 Veranstaltungen sind jetzt knapp 80 geworden. Theaterstücke sind dabei, Konzerte mit klassischer und Weltmusik, Jazz, Liederabende, Literaturveranstaltungen von Lesung bis Spoken Word, Gesprächsrunden mit Philosophen, Filme und Ausstellungen.

Martha Argerich ist wieder dabei

Zu den Künstlern, die 2020 schon begeistert vom Festival waren und nun wiederkommen, gehört die argentinisch-schweizerische Pianistin Martha Argerich, die diesmal am 9. September im Görlitzer Theater auftritt, im Rahmen eines Liederabends mit Mussorgskis "Liedern und Tänzen des Todes" und Strawinskys "Frühlingsopfer". Zwei Tage später dann im Staatstheater Cottbus mit den dortigen Philharmonikern. Zu den bekannten Künstlern, die erstmals beim Lausitz-Festival auftreten, gehören die Schauspielerin Iris Berben und ihr Kollege Burghart Klaußner, die jeweils im Theater Cottbus lesen. Ganz neu in diesem Jahr ist die Sparte Film, in der zum Beispiel alle zehn Teile von Krzystof Kieslowskis Dekalog Eins bis Zehn gezeigt werden, in dem jedes der zehn Gebote in einer eigenen Geschichte aus dem 20. Jahrhundert erzählt wird.

Die weltberühmte Pianistin Martha Argerich, die 2020 in der Görlitzer Synagoge, im Bankettsaal der Stadthalle und der Dorfkirche Cunewalde auftrat, kommt auch in diesem Jahr wieder zum Lausitz-Festival.
Die weltberühmte Pianistin Martha Argerich, die 2020 in der Görlitzer Synagoge, im Bankettsaal der Stadthalle und der Dorfkirche Cunewalde auftrat, kommt auch in diesem Jahr wieder zum Lausitz-Festival. © Pawel Sosnowski/Archiv

Wie das Fest zu den Menschen kommt

Maria Schulz, Geschäftsführerin des Görlitzer Kulturservice, der das vom Bund mit jährlich vier Millionen Euro geförderte Festival organisiert, sagte am Freitag, es sei faszinierend, wie das Festival nicht nur Kunst in die Lausitz bringe, sondern auch die Menschen der ganz verschieden geprägten einzelnen Regionen verbinde.

Um für Veranstaltungen geeignete Orte zu finden, sei das Team in kleinen Dorfkirchen, in Schlössern, an ehemaligen Industriestandorten gewesen, die selbst in der Lausitz Beheimatete nicht immer kennen. "Dann treffen wir denjenigen, der uns eine kleine Kirche öffnet, lernen das Team einer Gedenkstätte kennen oder einen Theaterintendanten", sagt sie. Wenn dann später auch das Publikum an die verschiedenen Veranstaltungsorte fahre, sorge das Festival für eine große Vernetzung innerhalb dieser großen Region.

Wie die Menschen zum Festival kommen

Dass die Menschen dafür mobil sein müssen, um das Lausitz-Festival in seiner Gänze zu erleben, ist allerdings klar. Daniel Kühnel sagt, zwischen Senftenberg und Guben, wo im September drei Tage lang "Rein Gold" von Elfriede Jelinek aufgeführt wird, gebe es zwar einen Shuttlebus. Aber für jede einzelne Verbindung zwischen allen Orte könne man das leider nicht einrichten, noch nicht.

Wie Kunst und Wirtschaft zusammenhängen

Bei der großen Ankündigung des Festivals in der Görlitzer Stadthalle waren auch die beiden Schirmherren, die Ministerpräsidenten der Länder Sachsen und Brandenburg zu Gast: Michael Kretschmer persönlich, Dietmar Woidke per Bildschirm. Woidke sagte, er sei zuversichtlich, dass das Lausitz-Festival eine große Strahlkraft nach außen entwickeln werde. Das könne vielleicht in diesem Jahr spürbarer werden als 2020, als pandemiebedingt nur relativ wenige Besucher zugelassen waren.

Die Zeiten, dass man Kultur als weniger wichtig gegenüber der wirtschaftlichen Entwicklung einer Region sehe, seien zum Glück vorbei. Heute wisse man, dass Unternehmen bei Ansiedlungen nicht nur nach günstigen Gewerbeflächen, der Höhe der Gewerbesteuer und Förderungen fragten, sondern schauten, wie attraktiv eine Region für die Mitarbeiter sei. Dafür seien Kunst und Kultur, mit denen sich die Menschen vor Ort identifizieren, enorm wichtig.

Wie Kunst und Demographie zusammenhängen

Das betonte auch Michael Kretschmer. Wenn mancher sage, das Problem der Lausitz sei nicht der Struktur-, sondern der demographische Wandel, dann müsse man eindeutig sagen: Das eine hänge mit dem anderen zusammen. Eine Region, die innovativ sei, zu Veränderung bereit und so viel Potenzial habe wie die Lausitz, könne auch wieder junge Menschen anziehen. Und ein Festival, dass ein solch großes Gebiet im Ganzen erfasse, sowohl mit internationalen Künstlern als auch mit vielen Akteuren vor Ort, die seit Langem künstlerisch arbeiten, könne dazu einen enorm wertvollen Beitrag leisten.

Höhepunkte aus dem Programm

Theater (insgesamt 6)

  • 9. bis 11. September Elfriede Jelinek: Rein Gold – ein Bühnenessay
  • 18./19. September Unendlicher Falstaff

Konzert (insgesamt 20)

  • 29. August Tango. Astor Piazolla zum 100. Geburtstag
  • 31. August Gidon Kremer und Kremerata Baltica
  • 2. September Piotr Anderszewski: Wandelkonzert mit Bach über Fluss
  • 4./5. September: Klassischer indischer Gesang
  • 8./10. September Orientalische Zwischentöne
  • 11. September Martha Argerich, Cottbuser Philharmoniker
  • 16. September Klingende Zwischenräume, Bach und Pergolesi

Jazz (insgesamt 6)

  • 26. August Shai Maestro: Zwischenspiele
  • 12. September John Zorn im New Masada Quartett
  • 15. September Avishai Cohe Quartett

Liederabend (insgesamt 6)

  • 25. August Elina Garanca
  • 1. September Italienisches Liederbuch
  • 4. September Tagebuch eines Verschollenen
  • 8. September Die schöne Müllerin
  • 9. September Totentanz und Frühlingsopfer, mit Martha Argerich

Literatur (insgesamt 7)

  • 26. August Burghart Klaußner liest "Die Reisen Benjamins des Dritten"
  • 28. August/17./18. September Spoken Word
  • 2. September Iris Berben liest "Da geht ein Mensch"

Gespräch (insgesamt 9)

  • 25. August Welche Rente brauchen Arbeiter*innen?
  • 26. August Gottes Gebote
  • 2./3. September Pluralität
  • 16. September Arbeiten: Fluch oder Segen?

Film (insgesamt 17)

  • 27. August Der fremde Vogel, Stummfilm mit Musik
  • 30. August bis 17. September Dekalog, Eins bis Zehn, Krzysztof Kieslowski

Vollständiges Programm auf www.lausitz-festival.eu

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