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Lausitz-Festival schafft es aufs Land

Drei Wochen lang traten internationale Größen an verschiedensten Orten der Region auf. Die Veranstalter sind zufrieden, und die Künstler wollen wiederkommen.

Die weltberühmte Pianistin Marthe Argerich gab während des Lausitz-Festivals drei Konzerte: hier in der Dorfkirche Cunewalde mit der Neuen Lausitzer Philharmonie.
Die weltberühmte Pianistin Marthe Argerich gab während des Lausitz-Festivals drei Konzerte: hier in der Dorfkirche Cunewalde mit der Neuen Lausitzer Philharmonie. © Pawel Sosnowski

Sehr glücklich und dankbar sei er, sagt Daniel Kühnel, der nach drei Wochen Lausitz-Festival mit fast 50 kulturellen Veranstaltungen zwischen Görlitz und Plessa, Zittau und Cottbus, jetzt wieder zurück in Hamburg ist. "Es hat alles so gut geklappt, wie wir es uns gewünscht haben", sagt der Festival-Intendant. Nur eine einzige Künstlerin habe absagen müssen, sodass in Forst ein Vortrag ausfiel. "Aber sonst lief alles nach Plan", sagt er. "Das hätte in diesen Zeiten auch anders kommen können."

Das mit Bundesmitteln geförderte Festival hat sich zum Ziel gesetzt, den Wandel der Lausitz kulturell zu begleiten, zu reflektieren und so die internationale Aufmerksamkeit auf die Region und ihren kulturellen Reichtum zu lenken. National wie international bekannte Künstler traten dabei sowohl in etablierten Kulturstätten wie Theatern, Kirchen und Konzertsälen als auch in ganz neu erschlossenen Räumen im ländlichen Raum auf – im Osten Sachsens und im Süden Brandenburgs. 

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Das Lausitz-Festival bespielte die gesamte Lausitz drei Wochen lang mit fast 50 Veranstaltungen. Mit einer Klang-Bild-Performance eröffnete es am 25. September im Telux Weißwasser.
Das Lausitz-Festival bespielte die gesamte Lausitz drei Wochen lang mit fast 50 Veranstaltungen. Mit einer Klang-Bild-Performance eröffnete es am 25. September im Telux Weißwasser. © Pawel Sosnowski

Dass etwa die Konzerte der weltberühmten Pianistin Martha Argerich in Görlitz und Cunewalde ausverkauft sein würden, war beinahe zu erwarten. Die Übertragung ihres Konzerts in der noch geschlossenen, fast fertig sanierten Görlitzer Synagoge auf Klassik Radio und im Livestream erreichte Tausende von Zuhörern. Aber auch die  Liederabende in der Klosterkirche Doberlug, im Schloss Altdöbern oder ein Jazzabend im abgelegenen Kraftwerk Plessa waren sehr gut besucht bis ausverkauft. "Natürlich unter Coronabedingungen und dadurch mit begrenztem Platzangebot", sagt Daniel Kühnel, "aber dennoch: Die Räume waren voll und das Publikum begeistert." 

Es habe auch weniger gut besuchte Veranstaltungen gegeben wie etwa einen Liederabend in Seifhennersdorf, wo zu allem Überfluss auch noch die Heizung ausfiel. Aber auch an solchen Abenden hätten die Künstler den Zuspruch des Publikums genossen, das ihnen stehend applaudierte. 

77 Prozent Auslastung – unter Coronabedingungen

Mit einer Auslastung von 77 Prozent – die konkreten Besucherzahlen sind noch nicht ausgezählt – habe die erste Auflage des Festivals genau das erfüllt, was es sollte, sagt Kühnel. Denn zunächst gehe es darum, Festivalstrukturen aufzubauen, wo es noch keine gibt. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass das Lausitz-Festival erst ganz am Anfang stehe. 

Bis es in einer so verschiedenartigen Region mit ganz individuellen Städten, vielen Dörfern und einer "Riesenfläche" in der Breite etabliert sei, müsse man ihm vier bis fünf Jahre Zeit geben. "Mit einem Festival wie den Salzburger Festspielen sollte man nicht vergleichen", sagt der Intendant, "die sind so weltberühmt, auch weil sie schon 100 Jahre alt sind."

Um das Lausitz-Festival weiter zu verankern, brauche es Partner vor Ort wie etwa die Kirchengemeinde in Doberlug oder Gemeindeverwaltungen, Kulturamtsleiter, Vereine, Freundeskreise und andere Ansprechpartner, die in ihren Kreisen auf die Veranstaltungen aufmerksam machen und Begeisterung wecken. Erst nach und nach könne sich das Festival mit dieser Unterstützung vor Ort einen Namen machen. Dafür sei ein Anfang gemacht.

Festival unter erschwerten Bedingungen

Erschwerte Bedingungen hatte das Festival in diesem ersten Jahr, weil erst am 5. August der Bescheid der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien über die Fördermittel kam. Bis dahin hatte Daniel Kühnel zwar zahlreiche Vorgespräche mit Künstlern geführt, aber noch niemanden vertraglich binden können. Deshalb setzte auch die Werbung so spät ein. Und deshalb waren viele überrascht, als erst vor einigen Wochen die ersten Plakate auf das Festival hinwiesen.

Corona war ein weiterer erschwerender Faktor. Genau wusste man nicht, ab wann größere Veranstaltungen erlaubt sein würden. Einige Künstler seien zwar etwas flexibler buchbar gewesen als in Jahren mit normaler Auftragslage, sagt Kühnel. "Aber es haben auch nicht alle nur auf unseren Anruf gewartet." Konkret planen konnten er und die Görlitzer Kulturservicegesellschaft als organisierendes Team erst ab Anfang August, erst dann konnte auch der genaue Zeitraum festgelegt werden.

Künstler entzückt von Görlitz und anderen Orten

Umso dankbarer waren die Veranstalter, als dann die Menschen begannen, sich zu interessieren und Karten zu kaufen. "Es wäre schrecklich gewesen, wenn wir ein Festival geplant hätten und niemand es wahrgenommen hätte", sagt Daniel Kühnel. Auch die anfänglichen Irritationen bei den Kulturschaffenden der Lausitz, ob das neue Festival ihren eigenen Veranstaltungen Konkurrenz machen würde, seien zum Glück ausgeräumt. Während der Görlitzer Bachwoche zum Beispiel fanden in Görlitz bewusst keine Konzerte des Lausitz-Festivals statt. 

Nicht nur beim Publikum, auch bei den Künstlern kam die Lausitz sehr gut an. "Alle waren begeistert, sogar entzückt", sagt Daniel Kühnel, "vor allem von Görlitz, aber auch von Cottbus, von der Dorfkirche in Cunewalde und von vielen anderen Orten." Die genauen Gegebenheiten vor Augen, hätten viele Künstler konkrete Vorschläge für die Zukunft gemacht. "Das Ganze hat Fantasie in Gang gesetzt", sagt Kühnel. Deshalb gehe es jetzt darum, so schnell wie möglich die Finanzierung für das nächste Jahr zu sichern und das Lausitz-Festival 2021 zu planen. 

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