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Lausitzer Eiscafé hat kolumbianische Spezialität

Für kurze Zeit gibt es im Reichenbacher Eiscafé Berndt eine kalte Schleckerei aus einer Frucht, die es vermutlich in keinem europäischen Supermarkt zu kaufen gibt.

Das „Lulo“-Eis wirkt rein optisch betrachtet eher unscheinbar, hat es aber vom Geschmack her in sich. Die unverarbeitete Frucht enthält besonders viel Vitamin C.
Das „Lulo“-Eis wirkt rein optisch betrachtet eher unscheinbar, hat es aber vom Geschmack her in sich. Die unverarbeitete Frucht enthält besonders viel Vitamin C. © Constanze Junghanß

Mehr als 9.000 Kilometer reiste Familie Kuhn letztes Jahr. Zielort: Kolumbien. Von da brachte das Ehepaar einen kleinen „Schatz“ mit, der auf den ersten Blick keinesfalls außergewöhnlich erscheint: Ein Glas Marmelade ist das. Rotbraun-orange in der Farbe.

Auf dem Glas aus Cartagena steht handschriftlich das Wort „Lulo“ drauf. „Lulo“ ist eine Frucht. Sie wächst nicht in Europa. „Und im Supermarkt gibt es diese Früchte auch nicht zu kaufen“, erzählt Hartmut Kuhn, der im Eiscafé Berndt für die Produktion der kalten Süßspeise zuständig ist. Michaela Kuhn, die mit ihrem Mann zusammen ins ferne Land auf den südamerikanischen Kontinent reiste, hat „Lulo“ da ebenfalls kennengelernt. „In einer Eisdiele“, wie die beiden lachend erzählen. Das sei die beste Eisdiele Kolumbiens gewesen, die sogar „Weltmeister“ in einer Eissorte gewesen sei.

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Die Frucht – die in Kolumbien als Königin der Früchte gelte – erinnert rein optisch an eine mit einer Tomate gekreuzten kleinen Orange. „Sie ist sehr gesund und hat besonders viel Vitamin B und C sowie Kalzium“, erzählt Hartmut Kuhn. In Kolumbien wird „Lulo“ für Milchmischgetränke, Marmeladen und eben für die Herstellung von Speiseeis verwendet. Eine Spezialität, die es da überall zu kaufen gebe. Nur nicht in Europa. „Da werden die Früchte nicht angeboten“, so die Erfahrung des Reichenbachers.

„Schlesisches Quarkknödel-Pflaumen-Eis“ kam gut an

Allerdings experimentiert Hartmut Kuhn gern. Immer wieder sorgt die Eisdiele gegenüber der Grundschule an der Gersdorfer Straße für kulinarische Überraschungen. Der Eismacher erfand in der Vergangenheit unter anderem das „Schlesische Quarkknödel-Pflaumen-Eis“ – das bestens bei den Gästen ankam. Neuerdings findet sich die Sorte „Zitrone-Basilikum“ im Sortiment. Und das Einhorn-Eis ist bei den Kindern der absolute Renner unter den immer wieder wechselnden Eiskreationen, von denen etwa 16 bis 18 verschiedene Sorten im Angebot sind. Warum nicht auch mal das exotische „Lulo“ Eis aus Übersee anbieten, dachte sich der 60-Jährige. Ein Hauch von Kolumbien ins beschauliche Kleinststädtchen holen?

Das Glas Lulo-Marmelade aus Kolumbien. Der Inhalt wird zur Verzierung der ungewöhnlichen Eissorte verwendet.
Das Glas Lulo-Marmelade aus Kolumbien. Der Inhalt wird zur Verzierung der ungewöhnlichen Eissorte verwendet. © Constanze Junghanß

Doch so einfach war das nicht. Das Glas mit der Marmelade – zum Verzieren der Eiscreme - war zwar schon da. Doch reicht so ein kleines Glas nicht für die Eisproduktion. Lange hat Hartmut Kuhn herumtelefoniert, recherchiert und letztendlich über einen Messe-Händler eine einzelne Packung Fruchtpüree besorgen können. Und losgelegt: Rund 25 Liter Lulo-Eis kann er nun in dieser Saison produzieren. Eine begrenzte Eismasse also. Auch wenn die Eiskugeln farblich mit einem hellen braunorangen Ton unscheinbar aussehen, hat es der Geschmack in sich: ein Mix aus Zitrusfrüchten mit einer Note Rhabarber und Erdbeere sowie einem Hauch Guave – ein fruchtiger Cocktail. Auf seiner Facebookseite hat der Eismann das Ergebnis eingestellt. Zu seiner Freude reagierte der Eismacher aus Kolumbien, bei dem die Kuhnts ihr erstes „Lulo“ probiert hatten. Er schreibt da: „Fantastisch“ und das „Lulo unglaubliche Früchte“ seien.

Aktuell sind in Kolumbien unruhige Zeiten. Kuhnts verfolgen das Geschehen in den Nachrichten. Das Auswärtige Amt informiert, dass ein Ende der Ausschreitungen bisher nicht absehbar sei. Auf einer künftigen Urlaubsliste steht das Land bei den Reichenbachern nicht noch einmal. Doch wenn Corona es zulasse, wollen die Eheleute irgendwann mal wieder auf Reisen und in einem fremden Land unbekanntes Eis essen gehen. Vielleicht holt Hartmut Kuhn dann die nächste exotische Spezialität in die Kleinstadt.

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