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Leere Läden am Görlitzer Demianiplatz

Die coronabedingte Schließung von Geschäften verstärkt den Eindruck vom Leerstand. Doch hinter den Kulissen ist Bewegung.

Eins von mehreren leer stehenden Geschäften am Görlitzer Demianiplatz.
Eins von mehreren leer stehenden Geschäften am Görlitzer Demianiplatz. © Martin Schneider

Nicht nur die Berliner Straße als Haupteinkaufsmeile von Görlitz vermittelt derzeit einen trostlosen Eindruck: Wegen der hohen Inzidenz sind die Läden zu. Alles wartet auf ein Sinken der Zahlen und die Wiederöffnung der Geschäfte. Doch nicht jede Ladentür wird aufgeschlossen.

Eine ganze Reihe von Läden speziell am Görlitzer Demianiplatz bleibt zu. Fast alle sind sogar schon länger geschlossen und stehen leer.

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Corona verschiebt geplantes Arbeitstreffen

Ein trauriges Bild bietet sich zwischen Kaufhaus und Humboldt-Apotheke: ein leerer Laden am anderen. Seit die Drogerie dm auszog, steht dieser Gewerberaum leer. Und auch das so zuversichtlich gestartete Beratungs- und Kompetenzzentrum der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS) in den Räumen einer ehemaligen Apotheke am Demianiplatz scheint nicht nur coronabedingt vor Problemen zu stehen. Von einem Wasserschaden im Gebäude ist die Rede. Zu einer Auskunft war die VZS nicht bereit.

Der Leerstand von Gewerberäumen nicht nur am Demianiplatz macht der Europastadt-Görlitz Zgorzelec GmbH (EGZ) und dem Görlitzer Rathaus Sorgen. Deswegen hatte die Stadtentwicklung in Zusammenarbeit mit der EGZ im September 2020 Inhaber von Gewerbeobjekten in der Innenstadt angeschrieben, um bei einer Beratung gemeinsam Lösungen gegen den Leerstand zu finden. "25 Interessenten sagten ihre Mitarbeit zu", informiert EGZ-Geschäftsführerin Andrea F. Behr.

Die Pandemie verhinderte bislang jedoch ein Arbeitstreffen. Online über Videokonferenz sei das aber nicht zu machen, sagt Frau Behr.

Hier verkaufte einst die Drogerie dm. Interessenten für den Laden gab es schon. Den einen aber ist die Fläche zu groß, den anderen zu klein.
Hier verkaufte einst die Drogerie dm. Interessenten für den Laden gab es schon. Den einen aber ist die Fläche zu groß, den anderen zu klein. © Martin Schneider

Kaufhaus als Magnet

Nun hoffen sowohl Stadtentwicklung als auch EGZ auf den Sommer und persönliche Treffen bei Beratungen. Dann soll es vordergründig um die Wiederbelebung am Demianiplatz gehen. Dafür, so Frau Behr, müsse es jedoch gelingen, für ein viel besseres Einkaufsflair zu sorgen. "Der Kunde möchte nicht nur schnell im Geschäft den Einkauf erledigen, sondern verweilen und schlendern", erklärt sie. Derzeit rege dafür nicht viel am Demianiplatz an.

Hier hofft die Geschäftsführerin der EGZ auf die Wiederbelebung des Görlitzer Jugendstilkaufhauses. "Das könnte ein Kundenmagnet werden, von dem auch die umliegenden Geschäfte profitieren", erklärt Frau Behr. Und so mancher Händler würde dann vielleicht auch den Demianiplatz als Handelsplatz viel eher ins Auge fassen.

Mit dem "Walk of Görliwood" werden Schaufenster in Görlitz belebt. Der Filmpfad ist ein Projekt der Europastadt Görlitz-Zgorzelec GmbH (EGZ). Die für das Stadtmarketing verantwortliche Gesellschaft möchte die Filmstadt Görlitz damit in Szene setzen und fi
Mit dem "Walk of Görliwood" werden Schaufenster in Görlitz belebt. Der Filmpfad ist ein Projekt der Europastadt Görlitz-Zgorzelec GmbH (EGZ). Die für das Stadtmarketing verantwortliche Gesellschaft möchte die Filmstadt Görlitz damit in Szene setzen und fi © EGZ Görlitz

Bislang weniger Geschäftspleiten als befürchtet

Trotz der Pandemie gehen bei der EGZ jede Woche mehrere Nachfragen zu geeigneten Gewerbeobjekten ein, beispielsweise von einem großen Lebensmittelhändler. "Hier konnten wir auch Räume am Demianiplatz zeigen", erklärt Frau Behr. Eine Entscheidung des Lebensmittelhändlers, sich in Görlitz anzusiedeln, gibt es aber noch nicht. Dass die Mehrzahl der leeren Gewerbeobjekte bald vermietet sein wird, glaubt die Geschäftsführerin aber nicht, auch wenn die EGZ sie anpreist wie die sprichwörtliche warme Semmel.

Frau Behr befürchtete viel eher, dass coronabedingt so mancher Geschäftsinhaber aufgeben wird und der Leerstand sogar noch größer wird. Doch bislang sehe es nicht danach aus, lediglich zwei, drei Firmen hätten sich bei der EGZ erkundigt, wie sie helfen könne, weil Überbrückungshilfen auf sich warten ließen.

Dass Inhaber von Gewerbeobjekten Händlern in der Pandemie unter die Arme greifen und den Mietpreis mindern, davon hat die Geschäftsführerin noch nichts gehört. Lediglich von Stundungen, also dass der Mietzins ausgesetzt und später beglichen wird, habe sie von ganz wenigen Geschäftsinhabern erfahren.

Makler und Eigentümer von Gewerberäumen werben in den Schaufenstern um neue Mieter.
Makler und Eigentümer von Gewerberäumen werben in den Schaufenstern um neue Mieter. © Martin Schneider

Der Handel muss sich wandeln

Die Pandemie ist offenbar ein Anlass für kreative Änderungen im Handel. So liegt der EGZ ein Angebot für die Errichtung von Handels-Lagerboxen im Stadtgebiet Görlitz vor. Kunden könnten online bei Händlern aus der Region bestellen und die Ware schließlich aus der Lagerbox abholen. Aber noch ist dazu nichts konkret und spruchreif.

Klar ist dagegen, dass der Handel neue Wege gehen muss, um coronabedingt ans Internet verlorene Kunden zurück zu gewinnen. EGZ, Stadtentwicklung und Citymanagerin arbeiten dafür gemeinsam, Händler und Vereine wie der Aktionsring Handel springen auf den Plan auf und realisieren ihn selbst mit. Sobald es möglich ist, sollen beispielsweise an zwei Sonnabenden im Monat die Görlitzer und Gäste aus dem Umland zum "schönen Samstag" gelockt werden. Lange, einheitliche Öffnungszeiten und besondere Aktionen sollen dabei im Mittelpunkt stehen.

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Andrea F. Behr hegt kaum Zweifel am Erfolg derartiger Verkaufsaktionen. Nach langer Ladenschließzeit wollen Görlitzer bald wieder in ihren angestammten Lieblingsgeschäften einkaufen, ohne vorher im Internet zu bestellen oder einen Termin zu vereinbaren. Der Zuspruch zur Naschallee, die am vergangenen Sonnabend erstmals in diesem Jahr stattfand, war riesig und macht Hoffnung, dass die Menschen ihre Ladengeschäfte vor Ort bald vielleicht sogar noch mehr wertschätzen als vor der Pandemie.

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