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Görlitzer Fotografen lassen die Stadt erstrahlen

Dunkel muss es sein. Dann machen sich Felix Leda und Thomas Hurny auf den Weg, um Görlitzer Besonderheiten in Szene zu setzen.

Die Parkeisenbahn in Bunt. Es ist auch ein Mensch im Bild - aber den sieht man am Ende nicht.
Die Parkeisenbahn in Bunt. Es ist auch ein Mensch im Bild - aber den sieht man am Ende nicht. © Felix Leda/Thomas Hurny

Mitten in der Nacht öffneten die Görlitzer Verkehrsbetriebe (GVB) ihre Türen für die Fotografen. Ihr Ziel: ein historischer Wagen. Der wurde früher von einem Pferd gezogen. Anfang der 1880er Jahre ging die Pferdebahn in Görlitz in Betrieb und im Depot der GVB steht noch heute ein historischer Wagen. Ihn zu fotografieren, "war ein Herzenswunsch von uns", erzählt Felix Leda, einer der Fotografen. Als sie fertig waren, zog erneut ein Pferd den Wagen. Eines aus Licht. Lightpainting nennt man diese spezielle Art der Fotografie.

Das Pferd wurde nicht im Nachhinein hinzugefügt. Es ist mit einer Taschenlampe "gemalt".
Das Pferd wurde nicht im Nachhinein hinzugefügt. Es ist mit einer Taschenlampe "gemalt". © Gunnar Heilmann

Felix Leda arbeitet hauptberuflich bei der Wohnungsgenossenschaft Görlitz (WGG), ist Wirtschaftsingenieur. Nebenbei fotografiert er. Ein Hobby, ein Ausgleich, vor allem eine Möglichkeit, die Stadt, die man schon ewig kennt, mit neuem Blick zu sehen. Vor einem Jahr wurde sogar ein Nebenjob daraus. Anfangs reichte Leda noch das Handy, vor rund fünf Jahren kaufte er sich eine richtige Kamera. Und vor rund zwei Jahren lernte er bei einem Fotoprojekt am Schaufelradbagger in Hagenwerder zwei Berliner Fotografen kennen, Sven Gerard und Gunnar Heilmann.

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"Von ihnen habe ich unheimlich viel gelernt", erzählt Leda. Die beiden arbeiten den Angaben auf ihren Internetseiten nach schon seit Jahren mit Lightpainting. Und sind manchmal in Görlitz. Hier ist Felix Leda auch oft mit dem Fotografen Thomas Hurny unterwegs: In den sozialen Netzwerken veröffentlicht das Duo seine Bilder als "Lightpainters Görlitz".

Felix Leda (32) fotografiert in Görlitz und im Umland seit einigen Jahren unter dem Namen "Ferpixelt". Seit einiger Zeit spezialisiert er sich auf das Lightpainting, Lichtmalerei.
Felix Leda (32) fotografiert in Görlitz und im Umland seit einigen Jahren unter dem Namen "Ferpixelt". Seit einiger Zeit spezialisiert er sich auf das Lightpainting, Lichtmalerei. ©  privat

Ob mit den Berlinern oder Thomas Hurny - "alleine geht Lightpainting nicht", sagt Felix Leda. "Es ist immer eine Gruppenarbeit." Lightpainting bedeutet Lichtmalerei oder auch Lichtkunstfotografie. Eine Grundlage ist eine lange Belichtungszeit durch die Kamera. "Es gibt nach oben eigentlich keine Grenze", erklärt Leda. Zweite Bedingung ist Dunkelheit. Und es braucht Taschenlampen.

Mithilfe der Lampen und verschiedener Techniken wird das Bild vor der Kamera in Szene gesetzt. "Eine Taschenlampe kann man beispielsweise durch Glasfaserröhren verlängern." Mithilfe der Glasfasern lässt sich etwa die Illusion von Flammen oder Funkenflug auf dem Bild erzeugen. Oder: An einem Stab wird an beiden Enden eine Taschenlampe befestigt. Mit diesem Stab, erklärt Felix Leda, dreht man sich vor der Kamera zum einen um die eigene Achse - und außerdem den Stab um sich selbst herum: Den Menschen sieht man am Ende nicht - nur eine mannshohe Kugel, Orb genannt.

Auf einem seiner jüngeren Bilder sieht man eine solche Kugel - neben der bunt angestrahlten Görlitzer Parkeisenbahn. Am "Rostigen Nagel", ein Aussichtsturm in Senftenberg, waren die Fotografen schon, an der Bismarcksäule auf der Landeskrone, die Burg Oybin haben sie mehrfach in Szene gesetzt, den Görlitzer Viadukt, den Berzdorfer See und die Cristalica-Pyramide ins Licht gerückt. Ebenfalls jenseits jeder Öffnungszeit waren sie in der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften.

Im Sommer entstand das Bild aus der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften. Auch hier: Mitten in der Nacht.
Im Sommer entstand das Bild aus der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften. Auch hier: Mitten in der Nacht. © Felix Leda/Ferpixelt

"Wir hatten einfach angefragt, ob wir das dürfen", erzählt Felix Leda. Er ist gebürtiger Görlitzer und hat sich inzwischen auch als Fotograf ein Netzwerk aufgebaut, durch das manche Idee zustandegekommen ist. "Und dann fragt man an, ob es möglich ist." Manchmal, in besonders kostbaren Szenerien, habe es auch schon einen Vertrag vorab gebraucht, eine Ablehnung gab es aber bislang nicht.

Bei der Parkeisenbahn zum Beispiel hatten Mitarbeiter offenbar Bilder der "Lightpainters Görlitz" gesehen, und bei ihnen angefragt, ob sie in die Görlitzer Südstadt kommen würde, um auch die Bahn in Szene zu setzen. Im Oktober war das. Die Corona-Krise hat auch aufs Lightpainting Einfluss. Derzeit fotografiert Felix Leda höchstens am früheren Abend draußen und alleine.

In einer Technikhalle bei Cristalica in Döbern: Sieht man dem Foto nicht an, war aber technisch eines der einfacheren, erklärt Felix Leda.
In einer Technikhalle bei Cristalica in Döbern: Sieht man dem Foto nicht an, war aber technisch eines der einfacheren, erklärt Felix Leda. © Felix Leda/Thomas Hurny

Auch das Pferd im GVB-Depot ist bereits vor einigen Monaten entstanden, im Juli. Einer der beiden Berliner Fotografen ist auch U-Bahn-Fahrer, liebe historische Bahnen, erzählt Felix Leda. "Als wir ihm von dem Pferdewagen bei den Görlitzer Verkehrsbetrieben erzählt haben, wollte er ihn unbedingt sehen." Und fotografieren. Die GVB machte mit. Das Pferd ist tatsächlich gemalt. Mit einer Lampe mit schmalem Lichtstrahl hat der Berliner Fotograf Gunnar Heilmann es in die Luft gezeichnet.

"Es gilt im Lightpainting, dass im Nachhinein nichts bearbeitet wird, es wird auch nichts zusammengefügt", erklärt Leda. Heißt, "vermalt" man sich, geht es von vorne los. Das Pferd vorm Pferdewagen - zwei, drei Anläufe brauchte es. Bei dem Bild kamen noch weitere Elemente dazu: Die Bahn selbst ist beleuchtet, die Schienen auch. Stimmt etwas nicht in der Szenerie - geht es von vorne los. "Das kann schon mal paar Stunden dauern."

Was die Leute, die die Fotografen einlassen, erstmal sehen: "Ein dunkler Raum, in dem jemand mit Taschenlampen herumhampelt", erzählt Leda. "Wenn sie dann das erste Ergebnis sehen, ist das Staunen meistens sehr groß, was da gerade passiert ist."

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