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60 Millionen für neues Museum in Görlitz

An der Bahnhofstraße entsteht ein Forschungscampus. Dienstag war erster Spatenstich für das Vorhaben.

Spatenstich für den Neubau des Senckenberg Museums für Naturkunde in Görlitz.
Spatenstich für den Neubau des Senckenberg Museums für Naturkunde in Görlitz. © Nikolai Schmidt

Willi Xylander hat zwei Steine mitgebracht. Granit. Aus dem Görlitzer Untergrund, wie der Direktor des Naturkundemuseums Görlitz sagt. Wahrscheinlich stammen sie ja aus den Baugruben zwischen Bahnhofs- und Jakobstraße. Auf jeden Fall sollen die beiden Steine Glück bringen und erinnern. Erinnerung zum einen für den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer,  an seine Heimat Görlitz, Glück bringen dem Sächsischen Immobilien- und Baumanagement. "Damit weiter alle Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden", sagt Willi Xylander. 

Ein guter Wunsch. Denn bisher lief es offensichtlich nicht ganz so nach dem zunächst ausgedachten Plan für den Neubau des Senckenberg-Areals. Oder wie es jetzt heißt: des Senckenberg-Campus. Klingt ein bisschen wie Forschung und Schule, ist es auch. Zum Teil jedenfalls. Von den ursprünglichen Zeitplänen ist nicht mehr viel übrig. Sicherlich nicht überraschend angesichts des Vorhabens. 2015 hieß es noch, dass der  neue Museums- und Forschungskomplex 2021 fertig sein, ein Jahr später der Einzug folgen sollte.

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Jaroslaw Golaszewski (links) vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement stellte das Bauvorhaben Senckenberg vor.
Jaroslaw Golaszewski (links) vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement stellte das Bauvorhaben Senckenberg vor. © Nikolai Schmidt

Bauarbeiten bis 2023

Nun steht das Datum 2023. Willi Xylander rechnet damit, dass der neue Komplex 2024 genutzt werden kann. Bis dahin sollen 60 Millionen Euro an der Görlitzer Bahnhofstraße verbaut werden - von Haus A direkt an der Bahnhofstraße bis Haus C an der Jakobstraße. Haus B verbindet, Haus E steht frei. "Das Geld steht bereit", sagt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ohne weitere Details zu nennen. Bisher stand die Summe 20 Millionen im Raum. Aber das, so heißt es vom SIB heute, war eher früheren Planungen eines Sammlungsgebäudes an der Sattigstraße geschuldet. 4.000 Quadratmeter sollte das groß sein. Der neue Campus umfasst knapp 8.400 Quadratmeter.

Mit dem neuen Senckenberg-Campus will die Gesellschaft ihren Standort in Görlitz konzentrieren. Von den sieben derzeitigen Standorten sollen am Ende zwei übrig bleiben: neben dem Neubau das Museum am Marienplatz. 

Im neuen Campus werden unter anderem 6,5 Millionen Sammlungsobjekte, Labore, die Bibliothek und ein Vortragssaal untergebracht. Senckenberg gilt als wichtigste außeruniversitäre Forschungseinrichtung in Ostsachsen. 

Das SIB hat sich den Umbau auf dem Gelände nicht einfach gemacht.  Baugrund, der sich als widerspenstig erwies, Gebäude in schlechtem Zustand und die doch stehenbleiben sollten - Herausforderungen. Pferdestall, Schmiede und Speicher werden in das neue Ensemble einbezogen.  Im Erdgeschoss des alten Speichers beispielsweise wird es eine Kantine geben - öffentlich zugänglich.  

Museum am Marienplatz bleibt

Verwaltung, Werkstätten werden am neuen Standort unter anderem untergebracht. Am Marienplatz kann sich das Museum künftig komplett auf Ausstellungen konzentrieren. 125 Mitarbeiter und rund 100 Studenten werden auf dem neuen Senckenberg-Campus künftig tätig sein.

Museumsdirektor Willi Xylander ist sehr froh darüber, dass es nun den ersten Spatenstich gab. "Ich bin seit über 25 Jahren hier. Das hätte ich mir nicht träumen lassen", sagt er. Eigentlich, so war seine Hoffnung noch 2015 gewesen, hatte er den ersten Umzugskoffer noch in die neuen Räumlichkeiten tragen wollen. Damals war er gerade 60 geworden.

Im Moment braucht es noch etwas Phantasie, sich hier an der Görlitzer Bahnhofstraße einen 60-Millionen-Euro-Neubau vorzustellen.
Im Moment braucht es noch etwas Phantasie, sich hier an der Görlitzer Bahnhofstraße einen 60-Millionen-Euro-Neubau vorzustellen. © Nikolai Schmidt

Nun also der neue Forschungscampus, mit seinen neuen Häusern, viel Glas an den Fassaden, hinter den sich Arbeits- und Forschungsräume befinden, weniger an denen der Sammlungen. Die Heizung wird an die Fernwärmeversorgung der Stadt angeschlossen. Strom und Wasser liefern die Stadtwerke. Ein Blockheizkraftwerk ist noch im Gespräch, ein Notstromaggregat schon geplant. Zudem gibt es Pläne für die Gestaltung des Innenbereiches der Anlage, zum Teil öffentlich begehbar. Die Oberlausitz soll sich darin wiederfinden, das Zittauer Gebirge ebenso wie die Heidelandschaft.

Zukunftsmusik. "Der Neubau ist eine der großen baulichen Investitionen im Forschungsbereich. Das traditionsreiche Forschungsmuseum erhält damit hervorragende Zukunftsperspektiven", so Sachsens Wirtschaftsminister Sebastian Gemkow. Wenn denn der Zeitplan mitspielt. Bereits im Herbst sind auf dem Gelände Tiefbauarbeiten vorgesehen - der scharfe Start für das 60-Millionen-Projekt in der Stadt.

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