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Altes Stasi-Ferienheim wird neues Kloster

Im Bistum Görlitz entsteht ein neues Zisterzienser-Kloster. Jetzt ist klar, wo. Die Mönche sind froh über die neue Klarheit.

Zisterziensermönch Pater Simeon Wester steht vor dem Gebäude des verlassenen Forsthauses Treppeln, wo das neue Kloster entstehen soll.
Zisterziensermönch Pater Simeon Wester steht vor dem Gebäude des verlassenen Forsthauses Treppeln, wo das neue Kloster entstehen soll. © Foto: Patrick Pleul, dpa

Es ist ein weiterer wichtiger Schritt für ein neues Kloster im Bistum Görlitz. Die Stiftung Stift Neuzelle verkauft den Zisterziensern ein Waldgrundstück für 219.200 Euro. Es umfasst das frühere Forsthaus Treppeln sowie 75 Hektar Wald und liegt rund zehn Kilometer entfernt vom früheren Kloster Neuzelle. Das beschloss am Mittwoch der Stiftungsrat der Stiftung Stift Neuzelle.

Die historische Klosteranlage von Neuzelle aus der Vogelperspektive. Das neue Kloster entsteht rund zehn Kilometer entfernt.
Die historische Klosteranlage von Neuzelle aus der Vogelperspektive. Das neue Kloster entsteht rund zehn Kilometer entfernt. © Foto: Patrick Pleul, dpa-Zentralbild

Es handelt sich zunächst wie Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) erklärte, um ein notarielles Kaufangebot. Damit verpflichtet sich das Land, das Areal zu verkaufen. Die Zisterzienser haben nun fünf Jahre Zeit, die Voraussetzungen für den Bau des neuen Klosters an dieser Stelle zu schaffen. Erst dann wird der Kaufpreis fällig. Nehmen sie das Angebot nicht an, fällt das Grundstück nach Ablauf der fünf Jahre wieder an Brandenburg beziehungsweise das Stift Neuzelle.

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Mönche wollen das Angebot annehmen

Pater Kilian machte für die Zisterzienser aber deutlich, dass der Orden aber nun alles für die Errichtung des Klosterbaus vorbereiten wird. Ein Bauplanverfahren wurde bereits im vergangenen Jahr eröffnet, eine Artenschutzuntersuchung vorgenommen. Selbst ein nicht näher bezeichnetes Architekturbüro ist bereits gefunden. "Sobald Gewissheit besteht, dass wir hier bauen dürfen, werden wir das Angebot annehmen", sagte Pater Kilian, der Stellvertreter des Leiters des Neuzeller Priorats ist. Das war 2018 in Neuzelle neu gegründet worden, nachdem das Kloster 1817 geschlossen worden war.

Die Rückkehr der Zisterzienser nach Neuzelle geht auf eine Initiative des Görlitzer katholischen Bischofs Wolfgang Ipolt zurück. Anlässlich des 750-jährigen Gedenkens an die Gründung des Klosters 2017 bat er die Zisterzienser-Abtei Heiligenkreuz bei Wien, Mönche zu entsenden, um das Kloster wiederzubeleben. Ipolt dankte in einem Videobeitrag am Mittwoch dem Heiligenkreuzer Abt Maximilian, dass er dieser Bitte entsprochen und junge Mönche gesandt hat, die sich dieser Aufgabe annehmen. Darunter ist von Anfang an Pater Kilian und der Leiter des Priorats Neuzelle, Pater Simeon Wester.

Künftiges Kloster war zu DDR-Zeiten Stasi-Ferienheim

Ursprünglich wollten sich die Zisterzienser direkt in der historischen Klosteranlage, unweit der Oder, wieder ansiedeln. Tatsächlich zogen sie in das dortige Pfarrhaus, übernahmen auch die Seelsorge in Neuzelle und Eisenhüttenstadt. Aber die Klosteranlage gehört heute der staatlichen Stiftung Stift Neuzelle, in den Gebäuden sind ein Museum, ein freies Gymnasium, Teile der Stiftsverwaltung untergebracht. Und das barocke Klostergelände ist heute eine der meistbesuchtesten Sehenswürdigkeiten in Brandenburg. Das bringt viel Unruhe mit sich - zu viel für ein Leben der Mönche.

Deswegen suchten sie nach einer Alternative. Und fanden sie im rund zehn Kilometer entfernten Treppeln. Dort befindet sich mitten im Wald das frühere Forsthaus Treppeln, das der DDR-Geheimdienst Staatssicherheit als Feriendomizil nutzte. Das Aral ist völlig heruntergekommen. Der Geschäftsführer der Stiftung Stift Neuzelle, Norbert Kannowsky bezeichnete es als "gruselig, es sieht fürchterlich aus". So müssen zahlreiche Gebäude abgerissen und das Gelände beräumt werden. Angesichts dieser Kosten wurde der Verkaufspreis auch nicht so hoch angesetzt. Trotzdem zeigte sich Kannowsky genauso wie Frau Schüle überzeugt davon, dass das neue Kloster ein "ganz besonderer Ort wird, an dem christliche Werte vermittelt und erfahrbar gemacht werden und der für die Gäste eine Tankstelle für die Seele werden wird."

Zisterziensermönch Pater Kilian Müller steht im Chorgestühl der katholischen Kirche des historischen Klosters von Neuzelle.
Zisterziensermönch Pater Kilian Müller steht im Chorgestühl der katholischen Kirche des historischen Klosters von Neuzelle. © Foto: Patrick Pleul, dpa-Zentralbild

Der Heiligenkreuzer Abt Maximilian kündigte an, dass die Liegenschaft "Schritt für Schritt in einen wiedergefundenen Ort verwandelt wird". In der ersten Ausbaustufe soll Platz für zehn Mönche und zehn Gäste sein. Das Ziel, so erklärte Pater Kilian, könnte Platz für 50 Mönche sein. Allerdings hänge das auch vom Wachsen der Mönchsgemeinschaft im neuen Kloster ab. Wie teuer der Bau wird, darauf wollte sich der Zisterzienser nicht festlegen lassen. Derzeit stünden Gelder des Bistums Görlitz und Spenden des Freundeskreis zur Verfügung. Der Bau soll aber vor allem über Spenden aus aller Welt finanziert werden.

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