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Berlinerin will weitere Häuser in Görlitz kaufen

Der Firma Thamm & Partner gehören hier schon 40 Gebäude, darunter 30 unsanierte. Was ist ihre Strategie?

Angela Thamm von der Thamm & Partner GmbH aus Berlin steht vor der früheren Konsul-Drogerie an der Konsulstraße 68/Ecke Postplatz 8 in Görlitz. Der Firma gehört das Haus, sie hat es sichern lassen.
Angela Thamm von der Thamm & Partner GmbH aus Berlin steht vor der früheren Konsul-Drogerie an der Konsulstraße 68/Ecke Postplatz 8 in Görlitz. Der Firma gehört das Haus, sie hat es sichern lassen. © Nikolai Schmidt

Der Text in der Sächsischen Zeitung hat Angela Thamm eher nicht so gut gefallen. „Berliner Eigentümer lassen Görlitzer Häuser verfallen“, hieß Ende September die Schlagzeile, die sich auf ihre Thamm & Partner GmbH bezog. Der gehören in Görlitz rund 40 Häuser. Zehn davon haben Thamm & Partner sehr hochwertig saniert, die anderen 30 sind allesamt unsaniert. So war es in dem Text zu lesen.

Jetzt ist Angela Thamm für ein Gespräch mit der SZ nach Görlitz gereist. Und sie bestätigt die Zahlen. Ja, es sind etwa 40 Häuser, darunter 30 unsanierte. Aber ganz so schlecht möchte sie dann doch nicht dastehen. Nicht nur, dass sie zwischen 2009 und 2014 acht Gründerzeithäuser und 2017/18 noch zwei Altstadthäuser in der Breite Straße saniert hat. Auch bei den  unsanierten Häusern habe sich einiges getan: „Wir haben mittlerweile viele Gebäude gesichert, damit sie nicht zusammenfallen.“

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Das Eckhaus Konsulstraße 68/Ecke Postplatz 8 ist ein markantes Gebäude im Stadtzentrum.
Das Eckhaus Konsulstraße 68/Ecke Postplatz 8 ist ein markantes Gebäude im Stadtzentrum. © Nikolai Schmidt

Als Beispiel führt sie die SZ zum Eckhaus Konsulstraße 68/Postplatz 8, der früheren Konsul-Drogerie. Sie hat das Haus von Herbst 2018 bis Frühling 2019 mit dem Görlitzer Planer Udo Mai von der Architektur Ingenieur Partnerschaftsgesellschaft (AIP) gesichert – nach eigener Aussage ohne Fördermittel. „Das hat 400.000 Euro gekostet“, sagt Angela Thamm. Der hofseitige Teil des Gebäudes sei komplett eingebrochen gewesen, das Haus nicht mehr zu betreten. Sie hat den Anbau im Hof komplett abgerissen, im Vorderhaus teilweise neue Decken eingezogen und vor allem einen neuen Dachstuhl errichtet. Jetzt verfällt das Haus erst einmal nicht weiter – und soll die nächste Zeit so stehenbleiben, wie es ist. „Wir wollen es irgendwann sanieren, aber ohne Zeitdruck“, sagt sie. Erst einmal wolle sie sich um die Häuser kümmern, an denen dringender etwas zu tun ist.

Angela Thamm schaut sich drinnen um. Das Haus ist komplett unsaniert, aber zumindest ist der Verfall gestoppt, es regnet nicht mehr ein.
Angela Thamm schaut sich drinnen um. Das Haus ist komplett unsaniert, aber zumindest ist der Verfall gestoppt, es regnet nicht mehr ein. © Nikolai Schmidt

Doch wer ist diese Frau und was ist ihre Strategie? Fakt ist: Sie weiß genau, was sie tut. Immerhin ist sie seit Jahrzehnten in der Immobilienbranche tätig. Angela Thamm wurde 1950 geboren und stammt aus München. Beruflich kommt sie aus der Steuerberatung, ist gelernte Steuerbevollmächtigte. Die Vorläuferfirma von Thamm & Partner besteht seit 1982. „Da haben wir unsere erste Altbausanierung in Westberlin gemacht“, erinnert sie sich. Ihr Büro hatte sie damals noch in München. Es ist erst 1990/91 nach Berlin gezogen.

Seit den 1980er Jahren auf dem Markt

Finanziell steht die Firma gut da. Auf ihrer Homepage schreibt sie: „Bei einer Bilanzsumme von über 75 Millionen Euro verfügt das Unternehmen über eine Eigenkapitalquote von circa 80 Prozent.“ Angela Thamm ist alleinige Geschäftsführerin. Weil die Firma als Bauträgerunternehmen seit den 1980er Jahren auf dem Markt ist, ist das Firmenkapital gewachsen. Zudem habe es schon immer Steuervorteile für Denkmale gegeben – und genau darauf hatte sie sich immer spezialisiert. Die Häuser kauft sie fast immer bei Versteigerungen – mit Firmenkapital von Thamm Immobilien. Die Sanierungen in Görlitz werden zu einem hohen Prozentsatz durch die Sächsische Aufbaubank (SAB) finanziert.

Zunächst war Angela Thamm in Berlin und Potsdam aktiv. Ihr erstes Haus in Görlitz kaufte sie 2009, später kam noch Leipzig hinzu. In anderen Städten ist die Firma nach ihrer Aussage nicht aktiv. Doch warum Görlitz? Sie habe mal etwas über die Stadt gelesen, sagt Angela Thamm: „Da bin ich dann hingefahren und habe mich sofort in die Stadt verliebt.“ Dass es in einer so kleinen Stadt eine solche Anhäufung von Denkmalen gibt, habe sie vorher nicht gewusst. Da sie ohnehin schon immer auf Denkmale spezialisiert war – auch wegen der steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten – erschien ihr diese Stadt perfekt.

Noch kein Haus weiterverkauft

Seit 2009 hat sie hier rund 40 Häuser gekauft – und will noch weitere erwerben. „Momentan ist der Markt aber ziemlich leergefegt“, beklagt sie. Sie will einen größeren Bestand aufbauen, „denn die Häuser sind so schön und so rar.“ Wieder verkauft hat sie bisher kein einziges: „Diese Frage stellt sich für mich gar nicht, wir sind keine Händler oder Spekulanten“, sagt sie.

Doch warum kauft sie in Görlitz immer mehr Häuser, wo sie doch schon 30 unsanierte hat? Und warum hat sie nach 2014 – bis auf die zwei Häuser auf der Breite Straße – in Görlitz nicht mehr saniert? Warum ist sie in anderen Städten deutlich aktiver? Angela Thamm begründet das in erster Linie damit, in Görlitz keine Baufirmen zu finden, die lückenlos an einem Haus bauen würden. „Vor allem an Gerüstbaufirmen scheitert es momentan“, erklärt sie.

Ziel sind zwei Sanierungen pro Jahr

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Eigentlich sei ihr Ziel, jedes Jahr zwei Gebäude in Görlitz komplett zu sanieren. Mehr nicht. Sie wolle nur so viele Mietwohnungen anbieten, wie der Markt für hochwertig sanierte Wohnungen aufnehmen kann. Oder anders gesagt: Sie will keine Leerstände in ihren Häusern – und das womöglich noch selbst verursacht haben, indem sie sich selbst Konkurrenz macht durch zu viel Angebot gleichzeitig. Doch bisher liegt sie vom Ziel – zwei Häuser pro Jahr – weit entfernt. In den vergangenen sechs Jahren zusammen hat sie zwei Häuser saniert. Selbst wenn sie zwei pro Jahr anginge, bräuchte sie schon jetzt 15 Jahre, um den aktuellen Bestand abzuarbeiten. Doch sie will noch mehr hinzukaufen.

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