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So sicher lebt es sich in der Oberlausitz

Die Zahl der Straftaten ist 2020 in etwa auf Vorjahresniveau. Große Unterschiede gibt es aber zwischen den beiden Kreisen Bautzen und Görlitz.

Hilft die Videoüberwachung in Görlitz bei der Kriminalitätsbekämpfung? Ja, sagt die Polizei
Hilft die Videoüberwachung in Görlitz bei der Kriminalitätsbekämpfung? Ja, sagt die Polizei © Nikolai Schmidt

Die Oberlausitzer leben sicher. Zu dieser Einschätzung kommt die Polizeidirektion Görlitz nach einer Auswertung der Straftaten für das Jahr 2020. Die Zahl der Straftaten blieb im Vergleich zu 2019 fast unverändert - ähnlich wie es im gesamten Freistaat registriert wurde. In der Oberlausitz gibt es allerdings große Unterschiede zwischen den Kreisen Bautzen und Görlitz.

Im Landkreis Bautzen wohnen zwar mit rund 300.000 Einwohnern fast 50.000 mehr als im Kreis Görlitz. Aber die Anzahl der erfassten Fälle ist dort deutlich geringer. Im vergangenen Jahr zählte die Polizei im Nachbarkreis 14.470 Fälle, im Kreis Görlitz 18.863. Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man sich anschaut, wie viele Straftaten auf 100.000 Einwohner im vergangenen Jahr kamen: Bautzen 4.927, Görlitz 7.464. Der Durchschnitt liegt in der Polizeidirektion bei 6.033.

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Zweitbester Wert in der Statistik seit 1990

Immerhin: Insgesamt liegt die Zahl der registrierten Straftaten in den 110 Städten und Gemeinden innerhalb der Polizeidirektion insgesamt 19 Prozent niedriger als noch vor sechs Jahren. Es handelt sich damit um den zweitniedrigsten Wert in der Statistik in der Region seit 1990, heißt es von der Polizei. Und: Immer mehr Fälle werden demnach aufgeklärt. Die Quote liegt bei 63,5 Prozent und damit knapp fünf Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt.

Schwerpunkt der Arbeit der Beamten bleibt weiterhin die Eigentumskriminalität, also Diebstahl. Dabei sank ihre Zahl im vergangenen Jahr um etwa 700 Fälle, ein Rückgang von fast sechs Prozent. Diebstahl betrifft vor allem die Grenzgemeinden und dabei die an der polnischen Grenze stärker als an der tschechischen. Knapp 3.800 Fälle gab es demnach an der Neiße, an der Grenze zu Tschechien knapp 790. An der Spitze der betroffenen Orte steht Görlitz, gefolgt von Hoyerswerda, Zittau, Seifhennersdorf, Weißwasser und Ostritz.

Weniger gestohlene Autos im Jahr 2020

Im Bereich der Polizeidirektion Görlitz wurden im vergangenen Jahr 37 Kraftfahrzeuge weniger gestohlen, als im Jahr zuvor, ein Rückgang um 8,2 Prozent. Ein leichtes Minus verzeichnet die Polizei zudem auch bei Diebstählen in und aus Wohnungen. Die Zahl sank um 21. Das entspricht 3,7 Prozent. Fahrraddiebstähle gingen ebenfalls zurück, deutlich um 363 Fälle oder 18, 1 Prozent.

Seit Ende vergangenen Jahres gibt es allerdings eine deutliche Diebstahl-Häufung in Zittau und Umgebung. Der kommt in der aktuellen Bilanz so noch nicht zum Tragen. Dabei handele es sich vor allem um Kfz-Diebstähle, Diebstähle aus Gartenanlagen, Gewerbegebieten und Kellern. Auf diese Häufung habe die Polizeidirektion inzwischen reagiert. Die Sonderkommission Argus bearbeite derzeit über 50 Ermittlungsverfahren. Zudem gebe es Einsätze der Soko gemeinsam mit der Kriminalpolizeiinspektion Görlitz und dem Revier Zittau-Oberland, offen und verdeckt. Dabei seien bereits Tatverdächtige ergriffen worden.

Trotz Corona, den damit verbundenen Einschränkungen: Die Zahl der Gewalttaten im häuslichen Bereich in der Oberlausitz sank im vergangenen Jahr leicht um 3,6 Prozent. Insgesamt gab es aber in den Kreisen Bautzen und Görlitz noch knapp 1.340 derartige Gewaltstraftaten. Zum Vergleich: sachsenweit waren es reichlich 9.200 Fälle.

Sonderkommission und Video helfen

Insgesamt hatte es die Polizei in Ostsachsen im vergangenen Jahr mit 33.333 Straftaten zu tun, 2019 waren es 33.287. Rund ein Drittel davon betrifft den Diebstahl, gefolgt von sonstigen Straftaten wie etwa Brandstiftung, Beleidigung und Sachbeschädigung. An dritter Stelle stehen die sogenannten Rohheitsdelikte, also etwa Körperverletzung.

Die Arbeit der Sonderkommission Argus wird von der Polizeidirektion in ihrer Bilanz besonders gewürdigt, ebenso die Videoüberwachung in Görlitz. Das Pilotprojekt startete im August 2019, die Soko nahm dann im November desselben Jahres ihre Arbeit auf.

Im vergangenen Jahr schloss die Soko Argus 338 Fälle ab und legte sie der Staatsanwaltschaft vor. Vier von fünf Ermittlungsverfahren beschäftigten sich mit Diebstahl. Einige der 77 ermittelten Verdächtigen waren dabei Wiederholungstäter. Der Gesamtschaden in den Verfahren liegt bei rund 700.000 Euro. Neben einer intensiven Zusammenarbeit mit den benachbarten Dienststellen in Polen, habe es auch Einsätze mit den hiesigen Revieren gegeben. Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Görlitz wurden Belohnungen in Höhe von 38.000 Euro für Hinweise ausgelobt. Zwei dieser Zeugenaufrufe waren hilfreich. Die Aufklärungsquote der Soko liegt bei reichlich 60 Prozent.

Gemeinsame Einsätze von Polizei, Soko und Zoll

Gemeinsam mit der Bereitschaftspolizei war die Soko im Grenzgebiet zu 119 Einsätzen unterwegs, sechs davon zudem mit Hilfe von Bundespolizei und Zoll. 15.300 Personen und etwa 8.600 Fahrzeuge wurden dabei kontrolliert, 180 Straftaten und 1.400 Ordnungswidrigkeiten zwischen Sohland/Spree und Bad Muskau festgestellt.

Derartige Überwachungen und Kontrollen im Grenzgebiet werde es auch in Zukunft geben, kündigt die Polizeidirektion an. Der Görlitzer AfD-Landtagsabgeordnete und innenpolitische Sprecher der Partei in Sachsen begrüßt die Grenzkontrollen. Der Rückgang der Straftaten im Bereich der sächsischen Außengrenze sei "zweifelsohne auf die vermehrten Grenzkontrollen und Grenzschließungen zurückzuführen", teilt er mit. Die AfD fordere auch in Nicht-Corona-Zeiten eine "dauerhafte Grenzsicherung mit selektiven Kontrollen".

Positiv bewertet die Polizei die Videoüberwachung in Görlitz an den fünf Standpunkten. Die Ergebnisse, die die Kameras liefern, seien aus der Arbeit der Ermittler nicht mehr wegzudenken. Das System, dass in der Vergangenheit für Kritik sorgte, werde fortlaufend weiterentwickelt und an die Bedürfnisse der Görlitzer Kriminalitätslage angepasst.

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