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Kreis Görlitz: Bittere Niederlage für die CDU

Die AfD wiederholt ihr Ergebnis im Kreis von 2017. Der Direktkandidat ist dabei nicht im Landkreis vor Ort.

Verbitterung: CDU-Kreisvorsitzender Florian Oest schaut sich die Ergebnisse der Wahl an.
Verbitterung: CDU-Kreisvorsitzender Florian Oest schaut sich die Ergebnisse der Wahl an. © Martin Schneider

Es ist der Oderwitzer CDU-Landtagsabgeordnete Stephan Meyer, der die krachende Niederlage der Union verkündet. 21 Uhr, Görlitz, eine Pizzeria: Hier haben sich die Anhänger des Direktkandidaten Florian Oest aus Görlitz versammelt. Er ist mit Familie da, und Stephan Meyer sagt: "Man kann sich diesen Tag nicht schönreden."

Noch bitterer als 2017 sei die sich abzeichnende Niederlage. Zu diesem Zeitpunkt steht schon fest, dass der Landkreis an die AfD gehen wird. Florian Oest die Schuld zu geben, dass macht Stephan Meyer nicht, im Gegenteil. Der Görlitz habe alles getan, um das Programm der CDU unter die Wähler zu bringen, habe sich in vielen Gesprächen bewährt.

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"So wie es jetzt ist, müssen wir uns in Demut erneuern", sagt Stephan Meyer, auch mit Blick auf das Bundesergebnis der Partei. "Aus der Opposition heraus erneuern", ergänzt er. Offensichtlich, sagt Stephan Meyer, sei es wohl egal, wer regiere und meint damit Sachsen. "Wir hängen uns mit solchen Wahlergebnissen ab", sagt Stephan Meyer. Sachsen habe die blaue Laterne.

Gleichzeitig warnt er davor, alle AfD-Wähler als extrem einzustufen. "Viele haben einfach Protest gewählt", sagt er. Die CDU, so Stephan Meyer, muss wieder als Kümmerer wahrgenommen werden. Dies sei in den vergangenen Jahren nicht gelungen. Zwar war die Auszählung der Wahlergebnisse zu diesem Zeitpunkt nicht abgeschlossen. "Aber wir wissen schon, dass die Mehrheit nicht von der CDU überzeugt werden konnte", so Meyer.

Florian Oest ist sichtlich enttäuscht von der Wahl. "Wir wollen eine Volkspartei sein. Das passt mit dem Wahlergebnis nicht zusammen", sagt er am Sonntagabend. Er gibt sich dennoch kämpferisch, wolle sich nicht entmutigen lassen." Auch wenn es schwer sein wird, sich zu motivieren: Wir haben jetzt den Sommer 2022 im Blick", sagt Florian Oest. Dann wird im Kreis der Landrat gewählt.

Es ist eine merkwürdige Wahlnacht in Görlitz. Der große Gewinner des Abends, Tino Chrupalla (AfD) ist nicht vor Ort, sondern in Berlin unterwegs. Es gibt in der Kreisstadt auch keine Wahlparty der Partei. Nur in Löbau, wo gleichzeitig der neue Oberbürgermeister gewählt wird, treffen sich Parteimitglieder und Anhänger. Die SZ erreicht Sebastian Wippel, AfD-Landtagsabgeordneter, telefonisch bei der Wahlparty in Löbau. "Für unsere Region, für Sachsen, für den Kreis Görlitz, sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden", sagt er. Und es habe sich gezeigt, auch wenn die Auszählung zu dem Zeitpunkt im Kreis noch nicht ganz abgeschlossen sei: "Wir sind gekommen um zu bleiben."

Die Linke wiederum, deren Direktkandidat Marko Schmidt ebenfalls nicht in Görlitz ist, feiert derweil vor dem Wahlladen an der Schulstraße. Auf dem Fußweg flattert die Regenbogenfahne, es sind Stühle aufgestellt.

Gleich um die Ecke haben die Grünen ihr Büro an der Jakobstraße. Annett Jagiela, Direktkandidatin, freut sich bereits über die ersten Ergebnisse des Bundes. "Ein sehr gutes Ergebnis", sagt sie. Am späten Abend sah es allerdings nicht danach aus, dass sie in den Bundestag einziehen könnte. Auf der sächsischen Landesliste stand sie auf Platz fünf. „Aber es ist okay“, sagt sie. „Wir haben jetzt viele Wochen um Vertrauen geworben.“ Ein Stück habe sich das ausgezahlt. „Wir haben in vielen Gemeinden ein bisschen Plus gemacht. Das hört sich banal und nach nicht viel an. Aber das sind die kleinen Schritte, die wir offenbar gehen müssen.“ Das haben die Grünen nun wohl mit der CDU im Landkreis gemeinsam.

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