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Lohnt sich der Einkauf in Polen jetzt noch?

Die Inflation in Polen in fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Das zwingt Kaufland dort zu ungewöhnlichen Maßnahmen.

Von Matthias Klaus
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Im Kaufland in Zgorzelec gibt es jetzt Butter mit Diebstahlsicherung.
Im Kaufland in Zgorzelec gibt es jetzt Butter mit Diebstahlsicherung. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Butter mit Diebstahlsicherung: Kaufland greift derzeit in Polen zu drastischen Maßnahmen. Kleine weiße Plättchen pappen auf der Verpackung. Bei dem, der das Stück nicht bezahlt und durch die Kassen geht, wird ein Alarm ausgelöst. Kaufland betreibt unter anderem eine Filiale in Zgorzelec.

Die Kette wisse sich offenbar nicht anders zu helfen gegen eine Welle von Ladendiebstählen, schreibt das Branchenblatt "Wiadomości Handlowe", die "Handelsnachrichten". Das Problem müsse enorm sein, heißt es dort.

In Polen wurden, wie auch zuweilen in manchen deutschen Supermärkten zu sehen, nur sehr teure Spirituosen auf diese Art und Weise gesichert. Auch Fleisch wie Rumpsteak bekam im Nachbarland schon mal eine Diebstahlsicherung. Der Schutz kostet pro Stück Butter rund einen Złoty, also nach aktuellem Umrechnungskurs 21 Cent.

Inflation ist bei den Nachbarn ebenso wie auf dieser Seite der Neiße ein großes Thema, und damit verbunden steigen die Fälle von Ladendiebstahl in Polen. Das belegt die Kriminalitätsstatistik der polnischen Polizei. Die Zahl der schweren Ladendiebstähle mit einem Warenwert von über 500 Złoty, also etwa 105 Euro, ist im ersten Halbjahr 2022 um 27 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gestiegen. Die Statistik erfasst allerdings nur angezeigte Diebstähle. Der größte Teil der Langfinger wird wohl allerdings nicht erwischt.

Die Inflation lag in Polen im Juni 2022 bei über 15 Prozent. Das war etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Die Preise vieler Lebensmittel sind derweil über das Inflationsniveau gestiegen. Lohnt sich für Deutsche der Einkauf in Polen noch?

Das kommt darauf an. Bei polnischen Eigenmarken kann man derzeit noch etwas sparen, bei Markenprodukten, wie sie auch in Deutschland im Supermarkt stehen, ist es in Polen meist teuer. Beispiel Butter: Zwischen sieben und 13 Złoty kostet ein Stück bei den Nachbarn, also etwa zwischen 1,50 und 2,78 Euro. In Deutschland liegt die Spanne meist zwischen 2,15 und 2,49 Euro, geht aber auch schon über drei Euro.

Die Internet-Plattform Global Prices hat die Kosten für Lebensmittel in Polen und Deutschland verglichen. Das Ergebnis: Bei vielen Grundnahrungsmitteln lohnt sich der Einkauf, vor allem, wenn man in unmittelbarer Grenznähe wohnt. Ansonsten müssen unter anderem Fahrtkosten, etwa für Sprit, eingerechnet werden und natürlich der zeitliche Aufwand.

Einige Beispiele, Stand Juni dieses Jahres: Ein Kilo Mehl kostet in Polen im Schnitt 0,72 Euro, in Deutschland 1,58 Euro. Deutlich ist auch der Preisunterschied für Milch: In Polen kostet ein Liter Vollmilch 0,59 Euro, in Deutschland 1,09 Euro, Stand Anfang Juli.

In Polen gibt es natürlich auch Internetportale, über die man sich Lebensmittel bequem nach Hause liefern lassen kann. Manche haben sich speziell auf in Polen hergestellte Produkte eingestellt. Lohnt sich dort der Kauf? Ein Beispiel ist das Portal Polskie Sklep. Das wirbt damit, die polnische Küche auf deutsche Tische bringen zu wollen und bietet dazu auch die entsprechenden Grundnahrungsmittel an.

Sind sie hier womöglich günstiger zu haben? Sobik Butter Extra kostet hier 1,84 Euro. Klingt erst einmal nach einem vernünftigen Preis. Allerdings liegt die Tücke im Detail. Denn statt 250 Gramm wie in Deutschland üblich sind es hier nur 100 Gramm. Laciate Butter, 200 Gramm, kostet 2,83 Euro, auch nicht gerade ein Schnäppchen. Ein Liter Milch kostet 1,52 Euro. Auch im Online-Shop Poloniamarket sieht es nicht günstiger aus. 200 Gramm Butter, Laciate, kosten hier sogar aktuell 3,49 Euro. Das Portal bewirbt sie als "Bestseller". Ein Liter Milch vom selben Hersteller kostet hier 1,59 Euro.

Drogerieartikel, Kaffee und Süßigkeiten sind in Deutschland günstiger, dafür kämen Polen hierher, heißt es vom Deutsch-Polnischen Verbraucherinformationszentrum in Brandenburg. Zahlen sollte man mit der Kreditkarte, und zwar in Złoty. Mit der EC-Karte könnten, abhängig von der Bank, Zusatzgebühren anfallen. In Euro zu zahlen, ist die teuerste Variante.