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Chaoten lassen Görlitzer Rentner den Angelteich ab

Schreck für Karl-Heinz Neumann: Nicht nur sein Gewässer in Weinhübel war plötzlich weg, auch alle Fische. Mit ungebetenen Gästen hatte er dabei schon oft zu tun.

Das Grundstück von Karl-Heinz Neumann in Weinhübel: rechts die geöffnete Schleuse.
Das Grundstück von Karl-Heinz Neumann in Weinhübel: rechts die geöffnete Schleuse. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Diese Mücken in Weinhübel! Immer wieder surren die stechfreudigen Weibchen heran. „Also so schlimm habe ich sie im vorigen Sommer nicht erlebt“, sagt Karl-Heinz Neumann. Da habe er noch ganz entspannt vor seinem Angelteich gesessen. Doch jetzt nerven die Mücken – und von dem Gewässer ist wenig übrig.

Karl-Heinz Neumann ist ein netter älterer Herr mit einem Hobby. Er hat sich in Weinhübel ein Grundstück zugelegt, recht groß, zwei Hektar mit einem Teich, etwa 3.500 Quadratmeter. "Ich wollte das schon immer. Ein bisschen angeln, ganz in Ruhe", erzählt er. Aber wenn er zu seinem Grundstück kam, musste er sich zuweilen auf Überraschungen gefasst machen, die Ruhe war dahin. Nun die Krönung: Der Angelteich war weg, beziehungsweise das Wasser darin samt Fischen.

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2005 hatte Karl-Heinz Neumann, damals kurz vor dem Renteneintritt, das Grundstück übernommen. Seither gab und gibt es immer wieder Scherereien. Seit Jahren, so erzählt er, gibt es immer wieder ungebetene Gäste. Gut, eine besondere Lage hat die Fläche schon. Man muss sie wirklich kennen, um dort hinzukommen. Das Kühlhaus ist ein Nachbar. Zu dem pflegt Karl-Heinz Neumann eine gute Beziehung, wie er betont.

"In den vergangenen Jahren gab es immer mal wieder illegale Feuerstellen auf dem Grundstück. Gegenstände wurden in den Teich geworfen." Karl-Heinz Neumann deutet auf zwei leere Bierflaschen, "Stara Cervisia", ein Billigbier aus Tschechien, das die neuesten "Gäste" wohl mitgebracht hatten. Die Pullen liegen am Teichrand.

Inzwischen hatte sich Karl-Heinz Neumann mit der Situation engagiert, aber der jüngste Akt von Vandalismus geht ihm doch über die Hutschnur. Als er jetzt zu seinem Teich kam, war der nicht mehr da. Jemand hatte die Schleuse geöffnet, die zum benachbarten Bach führt. "Der Teich war komplett leer, kein Fisch mehr da", sagt Karl-Heinz Neumann. Die Fische hatte er selbst eingesetzt, Karpfen, etwa 60 bis 70 Stück. Um die 100 Euro kostet das den Rentner.

Inzwischen ist wieder etwas Wasser in den Teich gelaufen. Ein halber Meter ungefähr, schätzt Karl-Heinz Neumann, sei der aktuelle Stand. Die Schleuse hat er noch nicht repariert, das wird aber noch.

Eine große Teichmuschel hat den Wassermangel nicht überlebt, wie viele ihrer Art, die Karl-Heinz Neumann zeigt.
Eine große Teichmuschel hat den Wassermangel nicht überlebt, wie viele ihrer Art, die Karl-Heinz Neumann zeigt. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Neben den Fischen hat der Wassermangel noch eine weitere Tierart hart getroffen: Teichmuscheln. Karl-Heinz Neumann hat einen ganzen Eimer davon eingesammelt. Sie haben eine stattliche Größe und waren nicht mehr zu retten.

Früher, erzählt der Rentner, habe er sich viel mehr um das Grundstück gekümmert, es in Schuss gehalten. Heute macht er nur das Nötigste, mäht den Zugang zum Teich und ein bisschen drumherum. "Ich lass die Brennnesseln stehen. Vielleicht schrecken die ja ab", sagt er mit Galgenhumor. Und dann ist da noch sein metallener Geräteschuppen. "Zum Glück ist der sehr schwer. Sonst wäre er wohl auch schon im Teich gelandet", sagt Karl-Heinz Neumann.

Drin hat er längst nichts mehr von Wert. Spaten, Schubkarre, Rechen. Auch die musste er schon aus dem Wasser fischen. Das Schloss hat er X-Mal gewechselt, inzwischen lässt er es. Auch an dem eisernen Eingangstor zum Grundstück ist kein Schloss mehr, nur ein Draht. "Ich habe es mit Verbotsschildern versucht, ,Betreten der Teichanlage verboten'. Die waren ganz schnell wieder weg, geklaut", erzählt er.

Einige Male habe er die Polizei über die Umtriebe auf dem Grundstück informiert. "Die waren auch sehr nett, kamen, machten Fotos. Und ein paar Wochen später bekam ich dann ein Schreiben: Verfahren eingestellt", so Karl-Heinz Neumann. Deshalb hat er den jüngsten Vorfall auch gar nicht mehr gemeldet.

Das Schloss am Geräteschuppen bleibt inzwischen gleich offen Drin ist eh nichts von großem Wert.
Das Schloss am Geräteschuppen bleibt inzwischen gleich offen Drin ist eh nichts von großem Wert. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Vandalismus, Sachbeschädigung in Weinhübel, ist das ein Görlitzer Problem? Die hiesige Polizeidirektion sieht das nicht so. Man habe "keinen signifikanten Anstieg derartiger Straftaten in Weinhübel registriert", so Polizeisprecher Sebastian Ulbrich. Das Gebiet sei daher kein Schwerpunkt für polizeiliche Ermittlungen.

Karl-Heinz Neumann jedenfalls will sich den Spaß an seinem Angelteich nicht nehmen lassen. "Ich behalte das Grundstück", sagt er. Ob er wieder Fische einsetzt - abwarten. "Wenn, dann im Frühjahr", sagt er und sammelt die leeren Bierflaschen am Teichrand ein.

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