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Hilft Click & Collect Görlitzer Händlern in Corona-Zeiten?

Das Abholen von Ware im Geschäft wird schon als die Heilslösung für Geschäfte betrachtet. Doch nur wenige Branchen profitieren davon.

So funktioniert Click & Collect: Der Kunde holt die bestellte Ware im Geschäft ab.
So funktioniert Click & Collect: Der Kunde holt die bestellte Ware im Geschäft ab. © dpa

Ganz Deutschland bestellt in lokalen Geschäften per Internet und Telefon und holt die Ware dort ab. Ganz Deutschland? Nicht ganz. Im Osten hat sich ein Bundesland noch nicht dazu durchringen können, das System Click & Collect für alle Geschäfte anzubieten. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), sagte jetzt allerdings der Bild-Zeitung, dass er sich das Anklicken und Abholen von Waren für die Geschäfte im Freistaat durchaus ab 15. Februar vorstellen könnte.

Er wolle auf Nummer sicher gehen, so Michael Kretschmer. Zu schnell habe man in den vergangenen Wochen erleben müssen, wie das Infektionsgeschehen mit dem Corona-Virus außer Kontrolle geraten könne. Gemeinsam mit Lockerungen für Friseure und "der vorsichtigen Öffnung von Kitas und Grundschulen" wolle man nun auch Click & Collect in Sachsen Mitte des Monats erlauben. Vielleicht.

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Internet ist die große Konkurrenz

Die Frage ist: Wer braucht es? So schlimm die Situation für die hiesigen Geschäfte in und um Görlitz auch ist: Wer dringend etwas benötigt, bekommt es auch. Das Internet ist ein großes Warenhaus und nimmt keine Rücksicht auf lokale Befindlichkeiten.

Click & Collect - eine kleine Umfrage der SZ bei Einzelhändlern in Görlitz und Umgebung sieht diese dann auch eher zwiegespalten. Modegeschäfte haben unter anderem das Problem, dass die Kunden die Ware nicht vor Ort anprobieren können. "Wir müssten dann sozusagen mehrere Größen ein und desselben Produktes verkaufen und am Ende einen Großteil wieder zurücknehmen", sagt eine Verkäuferin eines Görlitzer Geschäftes.

Dieses Problem sieht man auch bei der Görlitzer Händlervereinigung Aktionsring. "Für einen Teil unserer Händler würde Click & Collect einen Umsatzgewinn bringen", sagt Schatzmeister Frank Reimann. Aber gerade kleinere Modegeschäfte würde das wohl nicht betreffen. Click & Collect sei sehr abhängig von der jeweiligen Branche.

Baumärkte könnten profitieren

"Für einen Baumarkt würde ich das System eindeutig mit einem Ja versehen", sagt Frank Reimann. Das Problem: Baumärkte sind in der Regel große Ketten. Wer dort etwas bestellt und genau weiß, was er möchte, sei es bei Obi oder Hornbach, bekommt es über das Internet auch. Noch dazu nach Hause geliefert, Click & Collect - auch hier wohl für Ottonormalbaumarktbesucher eher eine Nischenerscheinung.

"Für Click & Collect muss ein Händler ordentlich vorbereitet sein", sagt Frank Reimann. Unter anderem werde ein Übergabepunkt benötigt, der den aktuellen Hygieneregeln angepasst ist.

Ein weiterer Fakt, der zu beachten sei: Dem Einzelhandelsgeschäft entstehen Kosten. "Der Händler muss zum Beispiel einen oder mehrere Mitarbeiter bezahlen, wenn das Geschäft für einen bestimmten Zeitraum geöffnet ist", sagt Frank Reimann. Zudem sei es auch schwierig zu vermitteln, wenn Kunden nur zu bestimmten Zeiten bestellt werden können.

"Jeder Händler muss sich dann fragen: Lohnen sich die erhofften Umsätze im Vergleich zu den Kosten, die anstehen?", so Frank Reimann. Ein weiteres Problem: Wie wirkt sich der Umsatz aus auf Überbrückungshilfen? "Die Regeln sind ja sehr eng gefasst", sagt Frank Reimann. Wenn man ein wenig Umsatz mache und dafür keine Hilfe mehr bekommt, sei das zu überlegen. "Das Ganze kann sich dann schnell ins Negative entwickeln", so Frank Reimann.

Händler müssen Kosten und Nutzen gegenüberstellen

Grundsätzlich sehe der Händlerverein Aktionsring Görlitz das derzeit bestehende Click & Collect -Verbot in Sachsen kritisch. "Wenn Händler von der Regelung Gebrauch machen möchten, sollte es auch tun", sagt Frank Reimann. So wie es derzeit bestehe, sorge es für Ungleichheit und stifte Unfrieden.

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Übrigens: Wer es sich traut, kann auch im Nachbarbundesland Brandenburg mit Click & Collect einkaufen. Ein anonymer SZ-Test bei Baumärkten im Süden Brandenburgs ergab: Niemand interessiert sich dafür, woher der Kunde kommt. Click & Collect - kein Problem.

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