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Jeden Tag eine gute Tat im Advent

Das Görlitzer Jugendhaus Ca-Tee-Drale musste wegen Corona vorerst schließen. Die Mitglieder machen weiter, überraschen nun mit Möbeltransporten - und Kuchen.

Vereinsmitglied Andy Rehle bei einem Transport der besonderen Art: Das Sofa wurde an ein älteres Ehepaar in Görlitz geliefert.
Vereinsmitglied Andy Rehle bei einem Transport der besonderen Art: Das Sofa wurde an ein älteres Ehepaar in Görlitz geliefert. © Cateedrale

Da werden sich Oma Hannelore und Opa Dieter bestimmt sehr gefreut haben. Am 11. Dezember wurde ihnen geholfen, geholfen beim Transport eines großen Sofas. Die Vereinsmitglieder vom Ca-Tee-Drale hatten sich der Sache angenommen. Wie kommt's? Der Sitzmöbeltransport ist nur ein Teil, einer ganzen Reihe von Aktionen des Vereins im Dezember, ein ganz spezieller Adventskalender der Hilfe.

Auf die Idee kamen die Vereinsmitglieder mehr oder weniger aus widrigen Umständen. Wegen Corona musste das Haus an der Christoph-Lüders-Straße, das ansonsten für Kinder und Jugendliche offensteht, zunächst einmal schließen. "Ja, wir hätten uns natürlich mit Büroarbeiten beschäftigen können", sagt Enno Deege vom Verein. Aber eigentlich hatten die Mitglieder vor, selbst etwas in die Hand zu nehmen, anderen zu helfen. So entstand die Idee des Adventskalenders.

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Suche nach Ideen begann im November

"Wir haben bereits Mitte November angefangen, Ideen dafür zu suchen", sagt Enno Deege. Relativ schnell fanden sich die auch. "Wir sind seit 30 Jahren in der Sozialarbeit in Görlitz tätig. Da kennt man sich schon etwas aus, weiß, wo Hilfe gebraucht wird."

Der Verein ist Mitglied im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz. Unter "normalen" Umständen bietet Ca-Tee-Drale Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche, Tagesfreizeitstätten, Jugendberatung und -betreuung und mehr. Dazu gehört beispielsweise eine soziale Fahrradwerkstatt. Junge Menschen, die zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt werden, unterstützen dieses Projekt. Und nun kam der Adventskalender hinzu.

Kekse für die Görlitzer Bahnhofsmission

Hinter dem ersten Türchen am 1. Dezember verbarg sich zunächst Unspektakuläres: ein Aufruf. Wer Lust hätte, zu Musizieren, der solle sich doch bitte beim Verein melden. Klingt nicht spannend, wird es aber am 24. Dezember sein. Tag für Tag stellte fortan der Verein seine guten Taten auf seine Facebook-Seite zum Nachlesen.

Die Tagespflege Gutsche wurde beispielsweise mit einem Schmand- Mandarinen-Kuchen überrascht, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Görlitzer Bahnhofsmission mit selbst gebackenen Keksen.

Normalerweise kommen Kinder des Kinderheimes Janusz Korczak in Weinhübel mit ihren Rädern zur Reparatur in die soziale Fahrradwerkstatt des Vereins. Durch die Ausgangsbeschränkungen ist das aber momentan nicht möglich. Deshalb übergaben die Vereinsmitglieder die benötigten Ersatzteile an einen Betreuer und stehen zumindest mit Rat zur Seite - ein weiteres Türchen im Adventskalender des Ca-Tee-Drale-Vereins.

Noch Platz für weitere Türchen

Müll sammeln im Quartier, die Montage einer Deckenlampe für eine ältere Dame, ein Kuchen für den SAEK, den hiesigen Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal, der vor einer unsicheren Finanzierung steht, eine kleine Wohnungsrenovierung und Anfeuer-Holz sowie ein kleiner Einkauf, der der über 80-jährigen Frau Heinze vor die Tür gestellt wurde, kontaktarm selbstverständlich - weitere Türchen des Adventskalenders des Vereins Ca-Tee-Drale.

Die Reaktionen in den sozialen Medien auf die Aktion des Vereins sind durchweg positiv. "Das habt ihr echt gut gemacht! Schön von den kleinen und größeren, ermutigenden Geschichten zu lesen, die Ihr an Menschen in Görlitz tut. Ich meine, es ist eine Form der Umsetzung jenes alten Wortes, aus dem Neuen Testament: ,Solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann'", schreibt zum Beispiel Tobias Walzok. Die Künstlerin Sabine Euler kommentiert auf Facebook: "Und euer Kalender hat anderen Lust gemacht, sich auch was auszudenken. Oh, wenn eines Tages alle was füreinander machen würden."

"Natürlich haben wir die Betroffenen vorher immer gefragt, ob sie Hilfe benötigen und wie sie aussehen könnte", sagt Enno Deege. Er hofft darauf, dass die Aktion ein Selbstläufer werden und in den kommenden Jahren Fortsetzungen finden könnte. Und bei den 24 Türchen bleibt es nicht. "Wir haben noch genug zu tun für ein 25., 26. und 27. Türchen", schmunzelt Enno Deege.

Selbst komponiertes Lied zum Abschluss

Am Mittwoch, dem 23. Türchen, ging es beispielsweise darum, eine junge Frau vorzustellen, die sich der Südamerika-Hilfe verschrieben hat. Ca-Tee-Drale unterstützt sie zudem noch mit einer Bücherspende.

Heiligabend wird es dann musikalisch, verrät Enno Deege. Dann kommt wohl auch der Aufruf aus dem ersten Türchen am 1. Dezember mit zum Zuge. "Wir haben ja eine offene Bühne im Jugendhaus", sagt er. Die Künstler wurden aufgerufen, sich an einem selbst komponierten Lied zu beteiligen. Das wird es am 24. Dezember dann zu hören geben, im Internet auf Facebook.

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Vielleicht schauen sich das Oma Hannelore und Opa Dieter dann auf ihrem vom Verein transportierten Sofa an. Ca-Tee-Drale hatte Opa Dieter zuvor schon als eine Art Mitarbeiter gewonnen: Er hatte hat als Zeitzeuge das diesjährige Geschichtsprojekt des Vereins zu Meyer Optik Görlitz unterstützt.

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