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Corona bremst Polen-Böller aus

Zwar knallt's in und um Görlitz heftig. Aber so schlimm wie in den Vorjahren ist die Vor-Silvesterknallerei nicht. Im schlimmsten Fall droht doppelter Ärger.

An der Altstadtbrücke war Pyrotechnik zu Silvester schon im vergangenen Jahr verboten.
An der Altstadtbrücke war Pyrotechnik zu Silvester schon im vergangenen Jahr verboten. © Matthias Wehnert Photos

Eigentlich schreibt sich Michael Engler so ab etwa Ende November die Finger wund. Dann gibt es fast täglich Meldungen über verbotene Böller, die in und um Görlitz gefunden oder gezündet wurden. Eigentlich. Bis zum vergangenen Jahr jedenfalls. 2020 hat der Sprecher der Bundespolizei in Ludwigsdorf erst eine Meldung zum Thema verfasst, veröffentlicht am 14. Dezember.

Knall und Blitze hatten eine Streife der Bundespolizei am vorhergehenden Sonnabend aufmerksam gemacht. In der Nähe der Pomologischen Gartenstraße zündeten zwei junge Männer, 20 und 22 Jahre alt, Feuerwerkskörper, ihrer Meinung nach legale. Allerdings fanden die Beamten kein Prüfzeichen. Am Ende standen zwei Anzeigen: eine, wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz, eine wegen Ordnungswidrigkeit, weil ein Knaller dieser Kategorie zu dieser Zeit nicht ohne Genehmigung hätte gezündet werden dürfen.

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Bundespolizei registriert weniger Böller-Fälle

Eine Ausnahme? Ja, man hört es in Görlitz in diesen Tagen und Nächten immer wieder in der Stadt rumsen. Aber im Vergleich zu den Vorjahren halten sich die vorsilvesterlichen Knallereien offensichtlich in einem kleinen Rahmen. "In diesem Jahr ist tatsächlich deutlich weniger los", bestätigt Michael Engler. Ob es nun tatsächlich nur an Corona oder der Aufklärungsarbeit der Bundespolizei liegt, so ganz genau kann er es nicht erklären. "Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus Beiden", sagt Michael Engler.

Auch die Kollegen der Landespolizei bestätigen den Trend. "Bislang wurden keine illegalen Polen-Böller beschlagnahmt oder Straftaten gemäß Sprengstoffgesetz im Bereich Görlitz registriert", so Franziska Schulenburger, Sprecherin der Polizeidirektion Görlitz. Die Polizei verstärke seit geraumer Zeit die Kontrollen hinsichtlich der Einhaltung der Corona-Schutzverordnung. "Damit einher gehen ebenso die Kontrollen in Bezug auf die Einfuhr und Verwendung illegaler Pyrotechnik", so Frau Schulenburger.

Deutschlandweit gilt mittlerweile ein Verkaufsverbot für die Silvesterknallkörper. In Sachsen gibt es, mit Ausnahme von Dresden, zwar kein generelles Feuerwerksverbot. Aber Görlitz beispielsweise hat bereits wieder das Böllern an der Altstadtbrücke verboten. Das gilt auch für die Uferstraße, die Hotherstraße und die Neißstraße. Wer dagegen verstößt, der ist nicht nur Böller und Raketen los, sondern es droht auch noch eine Geldbuße von bis zu 1.000 Euro.

Wer schmuggelt, dem drohen Anzeige und Quarantäne

Für Görlitz ist das eigentlich nicht sonderlich neu, ein Böllerverbot an und auf markanten Straßen und Plätzen gab es schon in der Vergangenheit. Nun kommt auch noch Corona hinzu. Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) bittet darum, möglichst ganz auf die Knallerei zu verzichten, um Kontakte zu reduzieren.

Dennoch, es wird geknallt werden, auch zu Corona-Silvester. "Zum einen gibt es ja sicherlich noch Altbestände an Feuerwerk", sagt Michael Engler. Zum anderen will er nicht ausschließen, dass aus Polen "frische Ware", ob nun in Deutschland zugelassen oder als die verbotenen "Polen-Böller" ins Land kommen. Die Grenze ist nicht dicht. "Ohne jemanden etwas unterstellen zu wollen: Aber es sind ja auch noch die Berufspendler unterwegs", so Michael Engler. Die könnten, rein theoretisch jedenfalls, Böller mitbringen.

Haupteinfallstrecke im Kreis für die Knallerei aus Polen ist der Grenzübergang Bad Muskau. Auch wenn es noch keine genauen Zahlen gibt, nennenswerte Funde gibt es ebenfalls nicht. Das betreffe auch die tschechische Grenze und die Nachbarn, etwa im Erzgebirge und an der A 17, so der Bundespolizei-Sprecher.

"Vielleicht gibt es ja auch diejenigen, die sich extra zum Böllerkauf ins Auto setzen oder über die Brücken wandern, nur um Böller zu kaufen", so Michael Engler. Wer dann mit illegaler Ware erwischt wird, für den wird es doppelt teuer. Zum einen, wer nicht beruflich oder aus sonstigen wichtigen Gründen Reisen darf, verstößt gegen die Quarantäneregeln, es gibt eine Meldung an das Gesundheitsamt. Zum anderen: Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz. Aber auch in Polen wird es schwieriger, an Böller zu kommen. Vom 28. Dezember bis zum 17. Januar wird der Lockdown verschärft. Geschäfte in Einkaufszentren müssen schließen, mit Ausnahme von Lebensmittelläden, Apotheken und Drogerien.

Polnische Online-Shops bieten Böller an

Wer unbedingt Polenböller haben will, bekommt sie aber so oder so. Im Internet gibt es eine ganze Reihe polnischer Shops, die ihre Dienste anbieten. Mancher bietet einen besonderen Service: Polenböller verkauft aus Deutschland. Die Knaller werden zunächst über die Grenze gebracht und dann hier ganz einfach verschickt, ohne zusätzliche Kontrollen.

Für die Bundespolizei ist eine Dauerkontrolle an den Grenzübergängen schlicht nicht machbar. "Es wäre etwas anderes, wenn wir durchgängige Grenzkontrollen hätten. Aber wir sind noch weit unter dieser Schwelle", sagt Michael Engler.

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Der Sprecher der Ludwigsdorfer Bundespolizei kann nur wie jedes Jahr mahnen: "Finger weg von polnischen Böllern ohne deutsche Zulassung". Egal, auf welchem Weg sie über die Grenze gekommen sind und egal, wann und wo sie gezündet werden.

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