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Zahl der Corona-Kritiker in Görlitz sinkt

Laut Polizei trafen sich etwa 80 Personen Montag zur Corona-Demo auf dem Sechsstädteplatz. Die Themen der Redner, ein Mischmasch.

Jochen Stappenbeck, Autor, war einer der Redner auf dem Sechsstädteplatz.
Jochen Stappenbeck, Autor, war einer der Redner auf dem Sechsstädteplatz. © Mattias Wehnert

Frank Liske ist dieses Mal nicht mit dabei. Der frühere AfD-Kreissprecher und Autohändler hatte zwei Versammlungen zwar für den Montagabend in Görlitz angemeldet: Postplatz und Sechsstädteplatz. "Aber er ist verhindert", lässt einer der Mitorganisatoren wissen. Einen Grund nennt er nicht. Frank Liske war in der Vergangenheit immer wieder Anmelder der wöchentlichen Versammlungen auf dem Postplatz und auf dem Untermarkt. Das Thema dieses Abends: " Wahrung der Grundrechte - gegen Politfaschismus".

Auftakt auf dem Postplatz

18.30 Uhr, die Stimmung auf dem Postplatz ist entspannt. Die Polizei hält sich angesichts der Versammlung der Corona-Maßnahmen-Kritiker im Hintergrund oder besser gesagt am Rand. Eine Frau wird angesprochen, sie trägt keine Maske. Prompt legt sie ein entsprechendes Attest vor. Ob der Abstand zwischen den einzelnen Personen eingehalten wird - Ansichtssache. Sieht in manchen Fällen nicht danach aus. Zur Begrüßung werden auch mal Hände geschüttelt.

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Der Postplatz, er ist eigentlich nur der Auftakt zu einer Versammlung auf dem Sechsstädteplatz. Nach nur ein paar Minuten, Flyer verteilen und aufmunternden Worten werden die Versammlungsteilnehmer zum Weiterziehen aufgefordert. Coronakonform, nicht als großer Aufbruch, sondern eher als Gang in kleinen und kleinsten Gruppen. Über die Jakobstraße und die Berliner Straße ziehen sie ab. "Etwa 80 Personen nahmen an der Versammlung auf dem Postplatz teil", sagt Sebastian Ulbrich, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz. Auf dem Weg zum Sechsstädteplatz habe es keine Vorfälle gegeben, heißt es von der Polizei.

Nur etwa 80 Teilnehmer auf dem Sechsstädteplatz

Wenig später treffen sich die Leute vom Postplatz auf dem Sechsstädteplatz wieder. Der Ort ist eine Premiere für die Organisatoren und die Teilnehmer. Bisher fand die zweite Versammlung immer in der Nähe des Rathauses statt. Auch hier auf dem Sechsstädteplatz: Die Polizei behält die Situation zwar im Blick, hält sich aber ansonsten eher im Hintergrund. Kurz nach sieben, die Versammlung beginnt offiziell. Die Themen der Rednerinnen und Redner sind die altbekannten, haben zuweilen wenig mit Corona zu tun. Karin, eine Juristin, wie sie selbst sagt, wettert gegen Impfungen.

Ein anderer Redner möchte alle Parteien abschaffen, weil sie irgendwann sowieso "Teil des Systems" werden und lieber eine freiheitliche Demokratie einführen. Wie die genau aussehen soll, lässt er offen. Aber es gibt dafür Beifall. Manche Teilnehmer haben (LED)-Kerzen dabei.

Vielleicht liegt es ja am Wetter, aber auch auf dem Sechsstädteplatz kommen am Montagabend nur rund 80 Leute zusammen. Überhaupt, die Resonanz auf Frank Liskes Aufrufe war in der Vergangenheit sehr unterschiedlich. Vor Ostern zählte die Polizei etwa 300 Teilnehmer, nach Ostern rund 120. Zuvor waren es meist unter 100, so wie nun auch wieder.

"Staatsmedien" in der Kritik

Inzwischen arbeiten sich die Redner an den "Staatsmedien" ab, auch die SZ wird zitiert und bekommt vereinzelte Buhrufe ab. Einer der Redner auf dem Sechsstädteplatz ist Jochen Stappenbeck. Er ist laut Organisatoren Lektor und Buchautor, sein Buch trägt den Titel "Quellenquiz" und den Untertitel bedeutungsschwanger: "Bedeutsame Worte und Gedanken zur Meisterung der Umbruchszeit". Am Ende gibt es Gedichte vom Band, und der Rasen auf dem Sechsstädteplatz hat sichtbar gelitten. Dann löst sich die Versammlung langsam aber sicher auf.

"Insgesamt gingen die Veranstaltungen in Görlitz sauber über die Bühne", so die Bilanz der Polizeidirektion Görlitz. Zwei Ordnungswidrigkeiten wurden ausgesprochen wegen fehlendem Mund-Nasenschutz, also Masken, teilt Sprecher Sebastian Ulbrich mit.

Die Organisatoren kündigen derweil die nächste "Montagsdemo" an. Auch sie soll wieder auf dem Postplatz starten und dann auf dem Sechsstädteplatz fortgesetzt werden. Gern würde die Versammlung ja auch mal in andere Stadtteile gehen. Aber gehen ist gerade das Problem: Denn die Ziele müssten in einigermaßen zumutbarer Zeit fußläufig erreichbar sein. Im Visier ist auch der Lutherplatz.

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