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Darum hat Görlitz ein Müllproblem

Stinkende Biotonnen und Pappe, die nicht mehr abgeholt wird - was läuft derzeit schief bei der Abfallentsorgung in der Stadt und dem Umland?

Pappe auf Görlitzer Straßen: Der Landkreis holt nichts mehr ab, was nicht in der blauen Tonne steckt.
Pappe auf Görlitzer Straßen: Der Landkreis holt nichts mehr ab, was nicht in der blauen Tonne steckt. © Landratsamt Görlitz

Roland Skupin ist sauer. Seine Biotonne wird immer kleiner. Gefühlt jedenfalls. "Der Dreck klebt an und es passt weniger in die Tonne rein", hat der Görlitzer festgestellt. Ganz schlimm sei es mit Katzenstreu. Das verklumpt und der Bioabfallbehälter verliert an Volumen, weil es bei der Leerung einfach nicht raus will.  Vom penetranten Geruch, der aus dem Behälter strömt, ganz abgesehen.

Roland Skupin hat sich inzwischen kundig gemacht und zum Telefonhörer gegriffen. "Die Tonnen wurden schon mal gereinigt. Warum passiert das nicht mehr?", fragt er sich und den Hausmeister. Björn Ruhland ist der Chef des Hausmeisterdienstes Immobil. Er kennt das Problem zur Genüge. "Seit zwei Jahren kämpfe ich darum, die Tonnen reinigen zu lassen", sagt er. Passiert sei nichts beziehungsweise nicht viel. An die 30 E-Mails hat Björn Ruhland inzwischen an die zuständige Entsorgungsgesellschaft Görlitz-Löbau-Zittau (EGLZ) in Lawalde geschrieben. 

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Tonne saubermachen kostet extra

"Ich glaube, mein Name ist dort schon ziemlich bekannt", sagt Björn Ruhland. Die Auskunft der Gesellschaft, die vom Kreis beauftragt wird, sei gewesen: Wir können diesen Service anbieten, müssen es aber nicht. "Ich habe sehr viele Objekte im Bereich der Gastronomie, gerade in der Altstadt. Da sind die nicht vollständig geleerten Biotonnen schon ein Problem", sagt Björn Ruhland.

Ja, heißt es derweil bei der Entsorgungsgesellschaft, die Biotonnen können gereinigt werden. Das kostet allerdings. 16 Euro pro Tonne werden fällig, wenn sie in Lawalde auf dem Hof der Gesellschaft ausgespült werden. Von Großvermietern, gerade auch aus Görlitz, werde der Service rege genutzt, heißt es von der EGLZ. Häufig werde aber auch die Tonne einfach ausgetauscht: alte, nicht gereinigte weg, neue hingestellt. Dann muss aber auch der zugehörige Chip neu aktiviert werden. 

Was nicht in die blaue Tonne passt, bleibt liegen

Stinkende Biotonnen, die immer kleiner zu werden scheinen - ein Problem. Das andere ist aus Pappe. Aus viel Pappe. An Görlitzer Straßen ist sie in diesen Tagen im wahrsten Sinne des Wortes haufenweise zu sehen. Abgeholt wird sie nicht. "Vor allem wenn es regnet, ist das problematisch. Wir dürfen dann die pitschnasse schwer Pappe wieder zurück aufs Grundstück schleppen", sagt Björn Ruhland.  

Der Landkreis Görlitz hat bei der Pappe-Entsorgung die Reißleine gezogen. Was nicht in der blauen Tonne steckt, bleibt liegen.  Nur die gefüllten und angemeldeten Papierbehälter werden geleert, heißt es aus dem Amt. Und: "Der Verursacher der Berge aus Papier und Pappe ist verpflichtet, diese auch wieder auf sein Grundstück zu nehmen." 

Ein Grund für die Flut an Pappe und Papier ist, wenig überraschend, Corona. Bestellungen über das Internet und die zugehörige Verpackung der Waren überraschten die Entsorger. "Es kam fast schlagartig mit dem Lockdown", erinnert sich Mirko Simmank vom Recycling Center Görlitz auf der Leschwitzer Straße. Wohin mit der Pappe - eine Frage, die das Unternehmen an Kapazitätsgrenzen brachte. "Pappe nimmt bei der Lagerung viel Platz weg, ähnlich wie Styropor", sagt Mirko Simmank. Zudem gab es einen Preisverfall beim Ankauf von Altpapier. Die Konsequenz: Seit dem 1. Oktober nimmt das Recycling Center keine Pappe mehr an, Altpapier aber schon. Vier Cent pro Kilo gibt es dafür, in Vor-Corona-Zeiten waren es fünf Cent. 

Ein Grund für die Pappe-Flut ist Corona

Der Landkreis erklärt die Pappe-Misere so: Eine Reihe privater Entsorger sei nicht mehr bereit, für die Entsorgung des Papiers und der Kartonagen Geld zu zahlen beziehungsweise sie gratis abzuholen. Somit hätten sie vielen gewerblichen Kunden ihre Verträge gekündigt. Die wiederum, teilt das Landratsamt mit, versuchen jetzt ihr Altpapier über den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger, also den Landkreis, loszubekommen.

Aber auch der könne das Altpapier nicht zum Nulltarif entsorgen. Ein Teil der Sammelkosten werde über die Festgebühr getragen. Bei Haushalten sind diese an die Person gekoppelt und bei Gewerbebetrieben an den Restabfallbehälter. Möglich sei es, Tonnen zusätzlich zu ordern. Aber auch da gebe es Probleme, so das Landratsamt. Denn gerade in Städten wie Görlitz oder Zittau gebe es nicht Stellflächen ohne Ende. Hier würden zuerst die Wohngrundstücke berücksichtigt, da der Landkreis hier die Entsorgungspflicht habe. Gewerbebetriebe können nur soweit mit eingebunden werden, wie sie ordnungsgemäß angeschlossen sind, teilt das Landratsamt mit.

Ob das Recycling Center Görlitz in naher Zukunft wieder Pappe annehmen wird, ist offen. Mirko Simmank wagt keine Prognose. "Als Rohstoff ist Pappe derzeit eher schwierig einzustufen", sagt er. Möglich also, dass den Görlitzern die großen Haufen an den Straßen oder auch auf den Grundstücken noch eine ganze Weile erhalten bleiben.

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