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"Das bleibt immer an uns hängen"

Jauernick-Buschbach steht unter Schock. Was ist dran an den Misshandlungsvorwürfen in der Kita „Berggeister“?

© Lausitznews

Einwohner im Dorf können sich kaum vorstellen, dass in ihrer Kita Kinder misshandelt sein sollen. Von einer „Hexenjagd“ spricht ein Mann stattdessen. Das eigene Enkelkind sei immer fröhlich in die Kita gegangen. Eine Frau – die ebenfalls namentlich nicht genannt werden möchte - sagt, sie habe nie irgendeine Kritik an der Kita gehört. Man kennt sich schließlich im Ort. Einem Anwohner, der bei der Kita wohnt, ist nichts aufgefallen. Bei Facebook schreiben zwei Mütter, ihre Kinder gingen gern in diese Kita. Ortsvorsteher Helmut Zaunick zeigt sich eher fassungslos. „Man hätte wohl erst einmal vernünftig miteinander reden sollen.“ Der Ortsvorsteher ist um den Ruf seiner Gemeinde besorgt. „Das bleibt doch immer an uns hängen“, befürchtet er.

Elternrat schweigt, Bürgermeister erklärt

Also alles komplett heiße Luft? So ist es auch nicht. Dass gegen zwei Erzieherinnen (49 und 59 Jahre) ermittelt wird, bestätigte am Freitag die Polizei gegenüber der SZ. Die Anzeige ging telefonisch am 14. Dezember 2020 bei der Polizei ein, einen Tag später wurde die Erstaussage zu Protokoll gebracht, wie Polizeisprecher Kai Siebenäuger sagt. „Aus den Aussagen ergab sich der Anfangsverdacht der Misshandlung von Schutzbefohlenen“, so der Polizeisprecher. Die beiden Erzieherinnen sollen mehrere Kinder „roh behandelt“ haben. Zwei Anzeigen von Eltern liegen vor. Die Zahl potenzieller Geschädigter werde noch ermittelt, ebenso die Art der Misshandlungen. Weitere Zeugenaussagen stünden noch aus.

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Schweigen herrscht beim Elternrat der Kita. Der besteht aus drei Mitgliedern. Man sei sich einig, sich nicht gegenüber der Öffentlichkeit zu äußern, sagt eine der Mütter am Telefon. Nach SZ-Informationen hat der Elternrat die Sache ins Rollen gebracht.

Markersdorfs Bürgermeister Thomas Knack betont dagegen: "Wir wollen nichts unter den Tisch kehren." Die Gemeinde ist Träger dieser und der anderen drei Kindereinrichtungen. „Es gab Beschwerden einzelner Eltern über die Erziehungsmethoden einer Mitarbeiterin“, berichtet er. Der Elternrat habe die Leiterin der „Berggeister“ aufgefordert, darüber die Gemeinde zu informieren und gegebenenfalls beim Landesjugendamt Anzeige zu erstatten. „Die Leiterin hat mich informiert“, so Thomas Knack.

Weitere Gespräche folgten Anfang Dezember dann beinahe täglich: mit Elternratsmitgliedern, mit Mitarbeitern der Kita und wenig später Zusammenkünfte zwischen Elternrat und Träger. „Aufgrund der Sachlage wurde entschieden, dass die Erzieherin ab sofort, vorerst nicht mehr alleine eine Gruppe beaufsichtigt. Diese Entscheidung wurde dann umgewandelt, dass sie nicht mehr in der Jauernicker Einrichtung eingesetzt wird“, sagt Thomas Knack. Ebenso sprach der Bürgermeister mit dem Görlitzer Jugendamt. Auch die Polizei informierte das Jugendamt.

Drei Vorwürfe an die Erzieherin

Der Frau werden einerseits Tätlichkeiten und andererseits ein "burschikoser Tonfall" vorgeworfen. Drei Kindern soll auch das Essen verweigert worden sein. Ob an den Vorwürfen was dran ist, muss die Polizei klären.

Fakt ist, dass am 10. Dezember ein Elternabend im Dorfgemeinschaftshaus Friedersdorf anberaumt wurde. Ein Teilnehmer, der anonym bleiben möchte, schildert den Abend so: „Fast alle Eltern waren da. Mit einigen wenigen konnte man nicht reden, sie waren sehr festgefahren in ihrer Meinung und aufgebracht.“ Der Großteil habe sich jedoch für die Kita ausgesprochen. Grundtenor des Abends sei gewesen, dass die Gemeinde sehr gut und ausreichend gehandelt habe, so der Bürgermeister. Er betont: „Es wurde bestätigt, dass keiner der Anwesenden direkt „Misshandlungen“ gesehen hat und auch kein Kind momentan Auswirkungen zeigt.“ Eine Meldung ans Landesjugendamt sei vonseiten der Gemeinde jedoch in die Wege geleitet worden.

Strafantrag überraschte die Gemeinde Markersdorf

Umso erstaunter zeigte sich die Gemeinde, dass nach allen Gesprächen und der Elternversammlung Strafantrag gegen die Erzieherin und die Einrichtungsleiterin gestellt wurde. Darüber wurde der Träger nach Angaben des Bürgermeisters durch den Elternrat informiert. „Durch den Strafantrag, der mindestens ein halbes Jahr bis zur Entscheidung in Anspruch nehmen kann, mussten wir die beiden betroffenen Mitarbeiter von der Arbeit komplett freistellen“, sagt Thomas Knack und auch, dass die Unschuldsvermutung gilt, solange keine Beweise für die Vorwürfe vorliegen. Bestätigen sich die Anschuldigungen, will die Gemeinde „mit aller Konsequenz notwendige Maßnahmen anwenden.“

Die Gemeinde hat für die verbleibenden Erzieherinnen der „Berggeister“ das Kriseninterventionsteam des DRK mit ins Boot geholt, das am Dienstag nach Jauernick kommt. Die Polizei informiert, dass durch die Rettungsleitstelle die Notfallseelsorge/Krisenintervention des Landkreises Görlitz alarmiert wurde.

„Solange hauptsächlich durch Aussagen von Vierjährigen, die komplette Arbeit von langjährigen Erziehern infrage gestellt wird, kann ich mich nur schützend vor alle unsere Erzieher stellen“, so der Bürgermeister. Zumal in der schwierigen Zeit der Corona-Pandemie Erzieher in den Kitas mit zu den Alltagshelden gehörten.

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