merken
PLUS Görlitz

Stöcker-Villen: Parkhaus ohne Abriss möglich

Eine Anlage wie die Häuser am Postplatz gibt es deutschlandweit wohl nur drei Mal. Das Landesamt begründet sein Nein zum Abriss.

Der Protest gegen den Abriss der beiden Villen war in der Vergangenheit nicht zu übersehen.
Der Protest gegen den Abriss der beiden Villen war in der Vergangenheit nicht zu übersehen. © xcitepress

Die Denkmalpflege in Dresden sagt Nein zum Abriss der beiden klassizistischen Villen am Görlitzer Postplatz. Kaufhaus-Investor Winfried Stöcker hatte das aber zur Bedingung für sein Engagement für das Kaufhaus und das City-Center gemacht. Jetzt erklärt das Landesamt für Denkmalpflege die Gründe für seine Entscheidung.

Sie sind inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes in die Jahre gekommen, und wer sich im Inneren umgeschaut hat - nun ja, schön ist es nicht. Die beiden Villen am Postplatz Nummer 5 und 6 spalten Görlitz. Erhalten oder abreißen zugunsten der Erweiterung des benachbarten Parkhauses des City-Centers, damit Investor und Inhaber Winfried Stöcker seine Pläne verwirklichen kann? Die Stadt steht eher auf Seiten des Investors. Das Landesamt für Denkmalpflege sieht es anders. Und begründet jetzt seine Ablehnung gegen den Abriss.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Vorbild war der Tiergarten in Berlin

Was macht die beiden Villen zu etwas Besonderem im Görlitzer Stadtbild? Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich der Stadtteil grundlegend, heißt es vom Landesamt. Für die stadtparknahen Grundstücke wurde im Baustatut von 1848 die Vorbildwirkung des "Gehheimratsviertels im Tiergarten Berlin" erwähnt. "Es ist davon auszugehen, dass die Gebäude am Postplatz inklusive ihrer Gartenanlagen den gestalterischen Prinzipien solcher romantischer Viertel folgten, von denen es wohl nur noch drei in Deutschland gibt", so Sabine Webersinke, Sprecherin des Landesamtes für Denkmalschutz. Neben Görlitz ist das demnach der Tiergarten in Berlin und das Grüne Viertel in Wiesbaden.

"Damit kommt den Gebäuden Postplatz 5 und 6 inklusive ihrer Vorgärten aus städtebaulicher Sicht eine besondere Bedeutung zu", so Frau Webersinke.

Telegraphenamt zog ein

Postplatz 4 musste bereits weichen. Laut Polizeiakten sind Nummer 5 und 6 in den 1860er-Jahren errichtet worden, als "von der Platzkante zurückgesetzte Häuser". Das Landesamt betont die Fassadengestaltung, Profilierungen, Bedachung und, und, und. "Beide Objekte weisen jeweils individuellen baugeschichtlichen Wert auf, wobei ihre gestalterischen Bezüge aufeinander hervorzuheben sind", so die Sprecherin des Landesamtes.

Interessant ist die Geschichte, die sich im Inneren der Häuser abgespielt hat. In Nummer 5 etwa gab es ein Königliches Telegraphenamt mit Telegraphenvorsteher und Obertelegraphen als Bewohner. Das Landesamt schätzt das als "stadtgeschichtlichen Zeugniswert" ein.

"Beide Gebäude besitzen einen hohen dokumentarischen Wert, da sie Bestandteil der Ursprungsbebauung des Postplatzes sind. Beide sind weitgehend in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten und gehören damit nicht nur zu den ersten Häusern am Postplatz, sondern generell der gesamten städtischen südlichen Stadterweiterung", so Sabine Webersinke.

Denkmalgerechte Sanierung ist möglich

Das Landesamt für Denkmalpflege hat sich beide Häuser angesehen. Eine denkmalgerechte Sanierung sei möglich, so das Urteil der Experten. Deshalb wurde dem Abriss nicht zugestimmt.

Die Stadt hatte daraufhin angekündigt, das Problem der Landesdirektion vorzulegen. Das sei inzwischen aber noch nicht passiert, heißt es auf Nachfrage der SZ in Dresden. Doch die Behörde geht von einer entsprechenden Nachfrage aus, so Holm Felber, Sprecher der Landesdirektion.

Investor Winfried Stöcker antwortete zwar auf eine entsprechende SZ-Anfrage, ob er sein Engagement in Görlitz zum Kaufhaus angesichts der Entwicklungen überdenke. Aber ein konkretes Ja oder Nein war seiner Antwort nicht zu entnehmen.

Das Landesamt in Dresden wiederum begrüße grundsätzlich die Absicht Winfried Stöckers, das historische Kaufhaus zu sanieren "und durch Verbindung mit dem jüngeren Einkaufszentrum funktionell zu stärken". "Gleichzeitig bedauert das Landesamt für Denkmalpflege die Verengung der Diskussion zum Gesamtvorhaben auf die Frage des Villenabrisses am Postplatz, denn es sieht durchaus Spielräume für eine Erneuerung und Kapazitätserweiterung des Parkhauses, die mit dem Erhalt beider Villen vereinbar wären", so Sabine Webersinke. Wie die genau aussehen könnte, bleibt offen.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz