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Mülltourismus, nein danke!

Die Pläne zur Erweiterung der Deponie Kunnersdorf bei Görlitz stoßen auf Widerstand. Nicht nur bei Landwirten.

Die Deponie des Ravon in Kunnersdorf ist umgeben von Feldern. Die Böden sind sehr ertragreich. Bis zu zehn Hektar könnten verschwinden, wenn die Deponie vergrößert wird.
Die Deponie des Ravon in Kunnersdorf ist umgeben von Feldern. Die Böden sind sehr ertragreich. Bis zu zehn Hektar könnten verschwinden, wenn die Deponie vergrößert wird. © André Schulze

Wenn fruchtbare Felder zu einer Deponie umgenutzt werden sollen, dann regt sich Widerstand. Es ist Unruhe ins Schöpstal gekommen, seitdem die Pläne des Regionalen Abfallverbandes Oberlausitz-Niederschlesien (Ravon) in der Öffentlichkeit bekannt wurden. Der Verband betreibt die Deponie Kunnersdorf und hat damit großes vor.

Valentin Klepatzki ist mit der Landwirtschaft groß geworden und hilft auch jetzt im Betrieb der Eltern. Denn in seiner Gaststätte in Kunnersdorf gibt es für den Gastronomen durch die Corona-Pandemie nicht viel zu tun. Er weiß, dass um Kunnersdorf fruchtbare Böden liegen. Davon würden zehn Hektar verschwinden, wenn die Deponie erweitert wird. "Das Vorhaben des Ravon betrifft nicht nur die Landwirte, sondern alle Bürger im Schöpstal", sagt der junge Mann und fordert eine sofortige Beteiligung der Bürger. Das macht der Gastwirt vom Gerichtskretscham mit einem Faltblatt deutlich, das er an die Haushalte verteilt hat. Er kritisiert den Abfallverband aufgrund fehlender Informationen an die Bevölkerung und den beabsichtigten "Flächenfraß" von zehn Hektar Landwirtschaftsfläche ohne Prüfung alternativer Standorte.

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Deponie für Erdaushub und Bauschutt

Ravon-Geschäftsführer Roman Toedter spricht von einer Fläche von rund sieben Hektar auf der die Erweiterung der bestehenden Deponie geplant wird. Darauf sollen mineralische Abfälle gelagert werden, also gering belasteter Erdaushub und Bauschutt und vergleichbare mineralische gewerbliche Abfälle. Mit dieser Erweiterung wird die Deponie aus einem Körper, aber zu drei Teilen bestehen: dem geplanten, dem genutzten und dem geschlossenen.

Valentin Klepatzki bezweifelt, dass dort nur der hiesige Abfall gelagert wird. Um die Deponie wirtschaftlich auszulasten, wird mehr Abfall gebraucht. Das bedeutet wiederum, dass mehr Lkw unterwegs sind. Schlechtes Beispiel, so Klepatzki, ist die Abfallverbrennungsanlage in Lauta, die auch dem Ravon gehört. Dort wird inzwischen auch der Müll aus der Stadt Dresden verbrannt.

Valentin Klepatzki sorgt eingentlich für gutes Essen und abwechslungsreiche Unterhaltung im "Gerichtskretscham" in Kunnersdorf. Jetzt muss er seine Gaststätte geschlossen halten und kocht nur für außer Haus.
Valentin Klepatzki sorgt eingentlich für gutes Essen und abwechslungsreiche Unterhaltung im "Gerichtskretscham" in Kunnersdorf. Jetzt muss er seine Gaststätte geschlossen halten und kocht nur für außer Haus. © SZ_Archiv/Constanze Junghanß

Planung im zweiten Quartal

Zum Zeitablauf sagt der Geschäftsführer, dass der Verband in der Vorplanung steckt. Beteiligte und Betroffene können sich zum Vorhaben äußern und die Stellungsnahmen werden ausgewertet. Im zweiten Quartal soll die Deponie bis zur Genehmigungsreife geplant werden. "Erst dann können wir die Kosten für das Deponiebauprojekt schätzen", sagt der Geschäftsführer. Gegenwärtig ist von zehn- bis 15 Millionen Euro die Rede. Das bestätigt Toedter nicht: "Erst wenn das Vorhaben genehmigt und europaweit ausgeschrieben ist, können die Baukosten der Erweiterung exakt ermittelt werden."

Die Gemeinde hat die Zeit genutzt, um sich nicht nur mit dem Vorhaben vertraut zu machen, sondern auch ihre Meinung dazu schriftlich abzugeben. Bürgermeister Bernd Kalkbrenner betont, dass es sich dabei nicht nur um eine Zusammenstellung der Hinweise, Kritiken und Vorschläge des Bürgermeisters und des Gemeinderates handelt, sondern auch der Einwohner von Schöpstal. "Es ist uns wichtig, frühzeitig die Bürger mit einzubeziehen", sagt Kalkbrenner. Das Fazit heißt, die Gemeinde lehnt ein Vergrößern der Deponie ab.

Eingriff in Natur und Lebensqualität

Was sind die Gründe, die Schöpstal veranlassen, das Vorhaben abzulehnen? Im Flächennutzungsplan der Gemeinde ist die Vorhabensfläche als "Fläche für Landwirtschaft" ausgewiesen. Und das nicht ohne Grund, liegen die Bodenwertzahlen über 50. "Der Landwirtschaft gehen damit ertragreiche Böden verloren", so der Bürgermeister. Seine Bedenken richten sich auch an den Untergrund. Die Deponie ist nicht nur von der postalischen Anschrift her Am Kalkwerk, sondern steht auf einem früheren Bergbaugelände. Das heißt, dass die Erweiterungsfläche von unterirdischen Hohlräumen durchzogen ist. Daher wird bezweifelt, dass der Untergrund der künftigen Last gewachsen ist.

Was die Wahl des Standortes betrifft, sagt Ravon-Chef Toedter: "Der Deponiestandort Kunnersdorf wurde bereits zu Beginn der 1990er-Jahre für den Bau einer dreistufigen Anlage vorgesehen. Das Grundstück für die Erweiterung ist daher von Beginn an im Besitz des Ravon." Solange davon nicht Gebrauch gemacht wird, ist die Fläche an die Landwirtschaft verpachtet. Seit einem Jahr beschäftigt sich der Abfallverband konkret mit der Erweiterung. Bis die Deponie nutzbar wird, braucht es schätzungsweise noch fünf bis acht Jahre. Entscheidend ist dabei das Genehmigungsverfahren und wie lange es dauert, so der Geschäftsführer.

Weitere offene Fragen für die Schöpstaler sind zum Beispiel das Einleiten des Deponiewassers. Der vorgesehene Schwarzbachgraben speist Fischteiche und ist dafür nicht geeignet. Ebenso wird die Staubbelastung genannt. Nicht nur beim Verkippen auf der Deponie, sondern auch beim Transport dorthin. Es wird mit einem erheblich größeren Lkw-Verkehr gerechnet und die Befürchtung ist groß, dass die Deponie zum Ziel eines Mülltourismus wird, wenn sie nicht genügend Abfall aus dem Verbandsgebiet bekommt. Das heißt aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz. Das wollen die Schöpstaler auf keinen Fall, betont Bernd Kalkbrenner. "Das Gebiet und die Menschen sind durch die bereits vorhandene Deponie, die Ferkelaufzuchtanlage, die Windräder und die Autobahn schon stark genug belastet."

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