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Vom Schiedsrichter zum Politiker

Martin Braun ist jetzt Chef der FDP in der Stadt. Der Student wurde von dem Angebot auf einem Parkplatz überrascht.

Martin Braun ist der neue Chef der FDP in Görlitz.
Martin Braun ist der neue Chef der FDP in Görlitz. © Matthias Wehnert

Zufall oder nicht? Man weiß es nicht. Jedenfalls war es der Parkplatz an der Jägerkaserne, der Martin Braun letztendlich zum Chef der Görlitzer FDP machte. Der 24-Jährige hatte einen Behördengang vor sich. Er benötigte ein Führungszeugnis fürs Studium.

"Als ich am Parkautomaten stand, sprach mich Frank Wittig an", schildert Martin Braun. "Wir kennen uns." Frank Wittig, 50, war bis dahin Chef der Görlitzer FDP, ist FDP-Kreisrat. Und er wollte von Martin Braun wissen: Könnte er sich vorstellen, künftig Chef der Görlitzer FDP zu sein?

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Angebot vor der Jägerkaserne

So überrascht und mit der Frage konfrontiert wollte sich Martin Braun aber nicht gleich zu einer Antwort auf dem Parkplatz hinreißen lassen. "Ich habe nicht ja oder nein gesagt", so Martin Braun. Vielmehr gab es dann in den folgenden Tagen ein Treffen. Das Ergebnis des Gesprächs: Martin Braun sagte ja zu dem Posten.

Der 24-Jährige ist Student. Gymnasialamt deutsch-französisch steht auf dem Lehrplan, er studiert in Dresden. Martin Braun ist ledig, gebürtiger Görlitzer. Und politikinterressiert. "Mir war klar, wenn ich etwas in dieser Richtung machen will, dann nur hier in der Heimat", sagt er.

FDP - warum gerade diese Partei? Es seien die Grundwerte, die er teile, so Martin Braun. Seit 2017 ist er dabei, die Idee reifte aber schon länger. "Die FDP ist hier in der Gegend, in Görlitz zu unauffällig, blass", sagt er. Das möchte Martin Braun ändern, für die FDP in Görlitz, im Kreis wieder Aufmerksamkeit schaffen.

FDP zu blass

Gerechtigkeit, ein Thema, das Martin Braun umtreibt. Vielleicht ja auch, weil er mal Schiedsrichter bei Fußballspielen war. "Ich habe mich entschieden, die Perspektive zu wechseln, vom Spieler zum Schiedsrichter", sagt er. Kein einfacher Schritt, sagt Martin Braun. Es sei ein Perspektivenwechsel gewesen.

Aber seit er sein Studium begonnen hat, 2016, steht er nicht mehr als Schiedsrichter auf dem Platz. Es ist einfach keine Zeit da. Die Zeit als Schiedsrichter, vermissen möchte er sie aber keinesfalls. "Ich kann diese Erfahrung nur jedem Heranwachsenden empfehlen", sagt Martin Braun. Und ein bisschen klingt durch, dass er dieser Zeit ein wenig hinterhertrauert. "Es hat wirklich Spaß gemacht", sagt er.

Nun also Görlitzer FDP-Chef statt Herr auf dem grünen Rasen. Parallelen kann Martin Braun durchaus ziehen. Der Gerechtigkeitsgedanke, der treibt ihn weiterhin an. "Der ist auch in der Politik wichtig. Man sollte generell normal miteinander sprechen können", findet er.

Stöcker erst mal machen lassen

Näher am Bürger sein, das ist eines seiner Ziele als Politiker. Das fehlte ihm auch ein bisschen bei der FDP in den vergangenen Jahren. "Wir müssen mehr mit den Leuten über ihre Sorgen und Ängste reden", sagt Martin Braun. Ja, sagt er auch, die Liberalen in Görlitz seien ein bisschen abgehangen vom Rest der Partei im Freistaat.

Inhalte schaffen für die Partei in Görlitz, das ist ein Ziel. Wie steht Martin Braun da beispielsweise zu den Plänen des Kaufhaus-Investors Winfried Stöcker? Der geplante Abriss der zwei Villen zum Ausbau des Parkhauses sorgt in der Stadt derzeit ja für heftige Debatten. Martin Braun ist offensichtlich zwiegespalten. "Man sollte doch erst einmal schauen, ob das Kaufhaus, so wie es geplant ist, tatsächlich funktioniert", sagt er. Wenn ja, kann man ja immer noch darüber nachdenken, die beiden Häuer abzureißen. "Aber man sollte nicht einen Schritt vor dem anderen machen", so Martin Braun.

Gedanken macht sich der neue Görlitzer FDP-Chef derweil auch um den Berzdorfer See. "Es ist immer noch nicht so richtig möglich, mit dem Fahrrad oder Inline-Skatern komplett herumzufahren", bemängelt er. Schotterpisten trübten das Fahrvergnügen. Darüber, so Martin Braun, sollte eher diskutiert werden, als darüber, ob der See nun Görlitzer See oder Berzdorfer See heißen soll.

Ja, sagt er, vieles hat nicht so viel mit der Politik zu tun, sondern mit dem gesunden Menschenverstand. Martin Braun hat kein Stadtratsmandat. Er möchte, dass wieder über und mit der FDP in Görlitz geredet wird. Das Ideal der freien Entscheidung, dass sei ihm wichtig, gerade auch bei der, neuer FDP-Chef in der Stadt zu werden.

Martin Braun löst nach zwölf Jahren den bisherigen Vorsitzenden Frank Wittig, 50, ab, der als Görlitzer FDP-Kreisrat dem neuen Vorstand als kooptiertes Mitglied, also als ergänzendes, weiterhin angehört.

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