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Genossenschaft baut Unikat in Königshufen

Aufzüge, große Balkone, zwei Bäder: Noch nie hat die Görlitzer Genossenschaft WGG mehr Geld in vier Häuser gesteckt.

Die WGG-Vorstände André Donath (links) und Simone Oehme (Mitte) sowie Prokurist Matthias Mühlberg stehen vor ihrer Baustelle An der Terrasse 17 bis 23 in Königshufen. Hier investiert die WGG 4,5 Millionen Euro.
Die WGG-Vorstände André Donath (links) und Simone Oehme (Mitte) sowie Prokurist Matthias Mühlberg stehen vor ihrer Baustelle An der Terrasse 17 bis 23 in Königshufen. Hier investiert die WGG 4,5 Millionen Euro. © Nikolai Schmidt

Matthias Mühlberg wirft einen prüfenden Blick in eines der neuen Bäder. „An dieser Stelle war früher das Treppenhaus“, erklärt der Prokurist der Wohnungsgenossenschaft Görlitz (WGG). Davon ist nichts mehr zu sehen: Der Großvermieter hat die vier Hauseingänge An der Terrasse 17 bis 23 in Königshufen komplett umgebaut und mit neuen Grundrissen versehen.

Weder von innen noch von außen ist erkennbar, dass es sich um einen alten IW-64-Block handelt. Die größte Veränderung von außen sind die neuen Treppenhäuser, die schräg vor drei der vier Hauseingänge stehen. „Das war eine Idee unseres Planungsbüros AIP aus Görlitz“, erklärt Mühlberg. Die alten Grundrisse seien nicht mehr zeitgemäß gewesen, über die neuen sei zigmal diskutiert worden. Dann kamen die Planer auf die Idee: Wir können Fläche gewinnen, indem wir die Treppenhäuser herausnehmen und schräg vor die Häuser stellen.

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Ein Haus einzurichten oder den Umzug in eine neue Wohnung zu organisieren, treibt so manchem Zeitgenossen die Schweißperlen auf die Stirn.

Dass es sich um einen alten IW-64-Block handelt, ist von außen nicht mehr zu erkennen – und von innen auch nicht.
Dass es sich um einen alten IW-64-Block handelt, ist von außen nicht mehr zu erkennen – und von innen auch nicht. © Nikolai Schmidt

Gesagt, getan. Und das gleich inklusive Aufzügen, die auf allen Etagen halten – sogar im Keller. Die Treppen führen rings um den Aufzug herum. Das Auffällige an den Treppenhäusern: Sie sind mit großen Glasflächen ausgestattet, durch die Licht nach drinnen kommt. Allerdings ist das Glas dick, farbig und lässt sich nicht wie ein Fenster öffnen. Das soll eine Überhitzung verhindern, erklärt WGG-Vorstand André Donath: „Außerdem ist es nicht durchsichtig, sodass man zwar nicht rausschauen kann, aber von draußen auch niemand beobachten kann, wer im Treppenhaus ist.“

Aus ehemals 55 Wohnungen sind jetzt 39 geworden. Früher gab es in drei Häusern jeweils drei Wohnungen pro Etage, jetzt sind es generell nur noch zwei – außer im Parterre des hinteren Hauses, wo aufgrund des Durchgangs nur Platz für eine Wohnung ist. In den beiden mittleren Häusern existieren ausschließlich Dreiraum-Wohnungen, weil der Wunsch danach am stärksten war. Die beiden äußeren Häuser hingegen haben jeweils Zwei- und Vierraum-Wohnungen erhalten.

Die Mieter können über Innentüren, Fliesen und Bodenbeläge selbst entscheiden. So ist jede Wohnung individuell.
Die Mieter können über Innentüren, Fliesen und Bodenbeläge selbst entscheiden. So ist jede Wohnung individuell. © Nikolai Schmidt

Für die WGG war es die größte Baustelle aller Zeiten. „Allerdings nicht von der Zahl der Häuser“, sagt André Donath: „Da hatten wir schon mehr.“ Stattdessen sei noch nie so viel Geld in vier Hauseingänge gesteckt worden – insgesamt 4,5 Millionen Euro Eigenmittel plus eine halbe Million Euro Fördergeld. Donath spricht von „unserem bisher komfortabelsten Bau“. Vorstand Simone Oehme ergänzt, dass die WGG zum ersten Mal in dieser Art und diesem Umfang gebaut habe. Die Fördermittel kamen von der Sächsischen Aufbaubank (SAB) für den seniorengerechten Umbau der Häuser, also zum Beispiel für Aufzüge und Schwellenfreiheit. Selbst zu den neuen Balkonen sind die Schwellen ganz niedrig.

Fünf behindertengerechte Wohnungen

Somit sind die Häuser jetzt barrierearm und seniorengerecht. Im letzten Haus, der Nummer 23, gibt es sogar fünf behindertengerechte Vierraum-Wohnungen mit breiten Türen und großen Bewegungsradien, sodass alle Räume für Rollstuhlfahrer geeignet sind. Die künftigen Mieter zahlen in allen vier Häusern knapp unter sieben Euro kalt pro Quadratmeter.

Vor Mietinteressenten konnte sich die WGG kaum retten. „Wir hatten in den vergangenen Jahren 130 bis 150 Anfragen für diese Wohnungsart“, sagt Simone Oehme. Inzwischen sind alle 39 Wohnungen vergeben, vier davon an Mieter, die vor der Sanierung schon hier gewohnt haben und jetzt zurückkehren. Die anderen sind bunt gemischt: Manche sind bereits WGG-Mieter, einige leben längst in Königshufen, andere kommen aus anderen Stadtteilen von Görlitz und manche sogar aus dem gesamten Bundesgebiet. Und es sind keineswegs nur Senioren. „Wir haben alles dabei, auch einige Familien“, sagt Donath. Der größte Teil seien aber Ehepaare.

Die neuen Balkone mit niedriger Schwelle sind 9,6 Quadratmeter groß und 1,80 Meter tief.
Die neuen Balkone mit niedriger Schwelle sind 9,6 Quadratmeter groß und 1,80 Meter tief. © Nikolai Schmidt

Woran die schnelle Vollvermietung liegt? „Wir orientieren uns an der Nachfrage“, sagt Simone Oehme. Die Aufzüge seien für viele Mieter das erste Kriterium. Wichtig seien aber auch ein guter Zuschnitt, die richtige Größe und Ausstattung, gute Erreichbarkeit und Verkehrsanbindung, öffentliche Parkplätze vor dem Haus sowie eigene Gestaltungsmöglichkeiten für die Mieter. „Über Innentüren, Fliesen, Bodenbeläge und Wandfarben kann jeder – aus einem ausgewählten Vorsortiment – selbst entscheiden“, sagt Simone Oehme. Was gerade bei jungen Familien auch sehr wichtig sei, ist die zweite Toilette. Tatsächlich haben die großen Wohnungen alle ein Bad mit Dusche oder Wanne und zusätzlich noch ein Gästebad mit Dusche.

Die neuen Balkone sind nicht mit ihren Vorgängern zu vergleichen: 9,6 Quadratmeter groß und 1,80 Meter tief, besitzen sie je zwei verschiebbare Lamellenelemente als Sonnen- und Sichtschutz. Ebenfalls eine Besonderheit: Im Keller gibt es einen Raum für die Waschmaschinen und Trockner aller Mieter. Jeder hat einen eigenen Zähler. „Wir wollen den Wohnraum nicht für Waschmaschinen verschwenden“, sagt Mühlberg. Wer will, kann seine Waschmaschine aber auch in der Wohnung aufstellen und in die Küche integrieren. Mühlberg schätzt, dass mindestens zwei Drittel der Mieter die Keller-Variante nutzen.

Im Keller gibt es einen Raum für die Waschmaschinen und Trockner aller Mieter. Jeder hat einen eigenen Zähler. Wer will, kann seine Waschmaschine aber auch in der Wohnung aufstellen.
Im Keller gibt es einen Raum für die Waschmaschinen und Trockner aller Mieter. Jeder hat einen eigenen Zähler. Wer will, kann seine Waschmaschine aber auch in der Wohnung aufstellen. © Nikolai Schmidt

Auch zeitlich war es für die WGG eine aufwendige Baustelle – unter anderem, weil die Häuser vor der Sanierung noch zur Hälfte bewohnt waren. Der Leerzug hat etwa zwei Jahre gedauert. Simone Oehme freut sich: Bis auf eine Mietpartei, die Görlitz verlassen hat, sind alle Mieter der WGG treu geblieben. Der letzte von ihnen zog im April 2019 aus, einen Monat später war Baubeginn. Seit diesem Monat nun ziehen die neuen Mieter ein – allerdings nach und nach, denn in manchen Wohnungen läuft noch der Innenausbau. Die Treppenhäuser werden erst gemalert, wenn alle Mieter eingezogen sind. Und das Haus 23 ist sogar noch eine Komplettbaustelle. Dort ist die Fertigstellung für Februar geplant, die Mieter können ab März einziehen. Hier befinden sich Treppenhaus und Aufzug im Gebäude, nicht davor. Der bisher öffentliche Durchgang durch dieses Gebäude wird mit einer Alu-Glas-Konstruktion verschlossen, sodass die Mieter unter sich sind.

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