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Glücklicher Kreis Görlitz: Kita-Plätze reichen aus

Die Betreuung von Kindern in den Tageseinrichtungen ist gesichert. Im Einzelfall haben Eltern trotzdem Probleme. Und ab 2024 dreht sich die Lage völlig.

Von Ingo Kramer
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Am Kindertag kam der Görlitzer OB Octavian Ursu (l.) zum ersten Spatenstich für die neue Kita auf der Fichtestraße. Es ist ein Ersatzneubau für die alte Kita Arndtstraße.
Am Kindertag kam der Görlitzer OB Octavian Ursu (l.) zum ersten Spatenstich für die neue Kita auf der Fichtestraße. Es ist ein Ersatzneubau für die alte Kita Arndtstraße. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Es ist eine Frage, die wohl die meisten Eltern im Kreis Görlitz beschäftigt: „Bekommen wir einen Krippen-, Kita- oder Hortplatz für unser Kind?“ Am besten natürlich im eigenen Ort oder in unmittelbarer Umgebung?

Das Landratsamt ist da zuversichtlich. „Im Landkreis Görlitz sind ausreichend Kinderbetreuungsplätze vorhanden“, sagt Pressesprecherin Franziska Glaubitz. Ihre Mitarbeiterinnen stellten jetzt die Kita-Bedarfsplanung für die Schuljahre 2021/22, 2022/23 und 2023/24 im Jugendhilfeausschuss vor und die anwesenden Räte beschlossen diese auch einstimmig.

Neben ein paar kleineren Änderungen bei den Tagesmüttern in der Stadt Görlitz und vor allem im Kreissüden gibt es darin eigentlich nur eine gravierende Änderung: Die Kita Ottenhain wird Ende August 2022 wegen Baufälligkeit geschlossen. Ottenhain ist ein Ortsteil der Gemeinde Kottmar mit gut 400 Einwohnern. „Allein für die brandschutztechnische Erneuerung der Kita wären zwei Millionen Euro nötig, doch dieses Geld hat die Gemeinde nicht“, erklärte eine Mitarbeiterin im Ausschuss. Die Einrichtung hat Platz für sechs Krippen-, 22 Kindergarten- und zehn Hortkinder.

Die Hortkinder haben schon zum aktuell laufenden Schuljahr die Möglichkeit bekommen, an den Hort der Grundschule zu wechseln. Auch die Eltern der Krippen- und Kindergartenkinder kennen die Situation und haben oder werden sich andere Betreuungsplätze suchen. „Die Gemeinde Kottmar hält für diese Kinder ausreichend Kapazitäten bereit“, sagt Franziska Glaubitz. Gleichzeitig würden zurzeit Kinder anderer Kommunen die Ottenhainer Kita besuchen. Die werden ihren Anspruch künftig im Wohnort geltend machen.

Auslastung liegt bei 86 Prozent

Franziska Glaubitz geht im Moment davon aus, dass im gesamten Landkreis alle Eltern einen Krippen- oder Kitaplatz in ihrer Gemeinde bekommen. Bei der jährlichen Fortschreibung des Bedarfsplanes habe sie keine Rückmeldungen von Gemeinden erhalten, dass der Bedarf nicht gedeckt werden konnte. Die Einrichtungen im Landkreis waren zum Stichtag 30. Juni zu 86,1 Prozent ausgelastet – im Vergleich zu den Vorjahren ein leichter Rückgang.

Nimmt man die Geburtenzahlen der vergangenen Jahre, dann wird sich dieser Rückgang künftig noch verstärken. Im Jahr 2016 wurden im Landkreis 2.017 Kinder geboren. Seither geht die Zahl sehr kontinuierlich zurück, im Jahr 2020 waren es nur noch 1.684 Kinder.

Familien mit Kindern ziehen zu

Allerdings reicht es nicht, sich auf diese Zahlen zu stützen. Das zeigt das Beispiel der Stadt Görlitz: In den vergangenen Jahren zogen viele Familien mit kleinen Kindern in die Kreisstadt. Die tauchen in der Geburtenstatistik nicht auf, in den Kitas aber sehr wohl. „Mit den Geburtenzahlen wird nicht gerechnet“, sagt dann auch Franziska Glaubitz. Die Berechnungen im Bedarfsplan beruhen auf den Angaben der Gemeinden zu den wohnhaften Kindern in der jeweiligen Altersspanne. „Überall stehen Plätze zur Verfügung, um einen kurzfristigen Bedarf, etwa durch Zuzug, decken zu können“, erklärt die Sprecherin.

Was aber, wenn kein Zuzug kommt? Gibt es dann Überkapazitäten, müssen womöglich weitere Kitas schließen? „Weitere Schließungen sind nach unserem Kenntnisstand bisher nicht geplant“, sagt die Sprecherin. Eröffnungen im Sinne einer komplett neuen Einrichtung werde es aber auch nicht geben: „Wenn, dann sind es Ersatzbauten, die eröffnet werden.“ Eventuelle Überkapazitäten würden vorerst keine großen Folgen haben. „Eltern bekommen vielleicht eher einen Platz in ihrer Wunscheinrichtung“, sagt Franziska Glaubitz.

Gemeinden sind verpflichtet

Die Gruppen in den Kitas seien dann eben nicht bis zum letzten Platz belegt, es gebe in der Gruppe „Platz“. Die Einrichtungen als solche würden aber weiter laufen: „Wir haben im Landkreis viele große Kindertageseinrichtungen. Hier kann man aber noch lange nicht über eine Schließung nachdenken, denn die jeweilige Gemeinde ist verpflichtet, für die wohnhaften Kinder Plätze vorzuhalten.“ Betreibt eine Gemeinde aber viele Kitas und sei der Rückgang der Kinderzahl über Jahre anhaltend, müsse man auch über eine eventuelle Schließung nachdenken.

Zumindest aktuell sehen die Zahlen aber noch ganz gut aus. Mit Stand vom 30. Juni 2021 lebten im Landkreis Görlitz 5.338 Krippen-, 8.536 Kita- und 8.793 Hortkinder. Tatsächlich betreut wurden 2.633 Krippen-, 7.986 Kita- und 7.028 Hortkinder. Allerdings standen 3.576 Krippen-, 8.320 Kita- und 8.602 Hortplätze zur Verfügung. Das heißt, die Auslastung bei den Krippenplätzen lag bei 73,6 Prozent, bei den Kindergärten waren es 96 Prozent und bei den Hortplätzen 81,7 Prozent. Von Gemeinde zu Gemeinde gab es freilich Schwankungen.

So schön der Bedarfsplan erscheint, in der Realität können freilich durchaus auch mal Wartezeiten entstehen. Mal ist kein Platz für ein Kind in der Kita, wo schon dessen Schwester oder Bruder hingeht und die Eltern natürlich auch ihr zweites Kind betreuen lassen wollen – schon um sich Wege zu sparen. Andere wollen ihre Kinder nur in die eine Kita schicken, auch da kann es zu Wartezeiten kommen, weil es eben gerade da in dem Moment keinen freien Platz gibt.

Genauso schwierig kann sich im Einzelfall auch die Betreuungszeit darstellen. Manche Mutter oder Vater arbeiten in Schichten, benötigen eigentlich eine Betreuung spätabends oder früh sehr zeitig. Sie müssen sich meist familiär kümmern, denn solche Angebote sind ganz selten. In Görlitz sind bislang alle Versuche mit Firmen zusammen gescheitert, solche Einrichtungen zu schaffen.

Im Schuljahr 2023/24 könnte die Situation nach den jetzigen Prognosen vor allem in den Kindergärten ganz anders aussehen. Das Jugendamt geht derzeit von 7.336 Kindern aus, für die 8.336 Kita-Plätze zur Verfügung stehen. Selbst wenn also 100 Prozent der Kinder tatsächlich in den Kindergarten gingen, blieben 1.000 Plätze leer. Sollte es tatsächlich so kommen, wird der Landkreis vermutlich reagieren müssen.